Es sind schon so viele Romane und Geschichten von Stephen
King verfilmt worden, darunter von renommierten Filmemachern wie Stanley
Kubrick („Shining“), Brian De Palma („Carrie“), David
Cronenberg („Dead Zone“) und John Carpenter („Christine“).
In den letzten Jahren ist es in dieser Hinsicht sehr viel ruhiger geworden,
doch mit den drei Staffeln von „Mr. Mercedes“, die zwischen 2017 und 2019
entstanden sind und auf den drei Büchern „Mr. Mercedes“, „Finderlohn“
und „Mind Control“ von Stephen Kings Bill-Hodges-Trilogie basieren, ist ein
echtes Juwel entstanden, in dem vor allem Brendan Gleeson („Brügge
sehen … und sterben?“, „Am Sonntag bist du tot“) in der Hauptrolle des pensionierten
Detectives glänzt.
Inhalt:
Als ermittelnder Detective hat Bill Hodges (Brendan
Gleeson) maßgeblich dafür gesorgt, den kriminellen Abschaum von der Straße
zu holen. Dass er sich als Pensionär allerdings nicht wohlfühlt, zu viel trinkt
und isst, hängt vor allem damit zusammen, dass er den berüchtigten Mercedes-Killer
nicht fassen konnte. Ein Unbekannter war mit einem Mercedes in eine
Menschenmenge gerast, die bei einer Jobbörse auf Einlass wartete, hatte dabei
16 Leute getötet und zahlreiche weitere verletzt. Und obwohl sich Hodges
regelrecht in die Geschichte verbiss, der Täter wurde nie gefasst. Auch Brady
Hartsfield (Harry Treadaway), der seinerzeit am Steuer saß, hat den
Vorfall zwei Jahre später nicht vergessen, genießt noch immer das Unglück der
anderen. Und so entschließt er sich, seinen ehemaligen Verfolger heimzusuchen
und seinerseits ein Katz- und Mausspiel zu starten, indem er ihn über den gehackten
Computer eine teuflische Botschaft zukommen lässt. Hodges findet nun endlich
wieder ein Ziel in seinem ereignislosen Leben, heuert den zukünftigen Harvard-Studenten
Jerome Robinson (Jharrel Jerome), der sonst seinen Rasen mäht, an und rollt
den Fall des Mercedes-Killers erneut auf. Dabei hilft ihm auch die autistische Holly
Gibson (Justine Lupe), Nichte einer Freundin von Hodges, Janey Patterson
(Mary-Louise Parker), die zu den jüngsten Opfern des nach wie vor
aktiven Killers zählt. Selbst als Hodges mit einem neuen Fall betraut wird, dem
Mord an dem renommierten Schriftsteller John Rothstein (Bruce Dern),
lässt ihn der Mercedes-Killer nicht los…
Kritik:
Niemand Geringeres als Bestseller-Autor und Drehbuch-Schreiber
Dennis Lahane („Mystic River“, „Shutter Island“, „The Wire“, „Boardwalk
Empire“) und David E. Kelly („Big Little Lies“, „Goliath“)
zählen zu dem Team an Showrunnern, die Stephen Kings
Bill-Hodges-Trilogie auf der Mattscheibe zum Leben erwecken. Dabei nehmen sie
sich viel Zeit, die Charaktere einzuführen und das Psycho-Duell zwischen dem
Ex-Detective und dem früh von seiner alkoholkranken Mutter (Kelly Lynch)
missbrauchten Brady Hartsfield episch auszubreiten. Zwar scheint die Geschichte
nach der ersten Staffel beendet zu sein, aber das Böse in dem
Computer-Spezialisten hallt noch lange nach und macht noch vielen Leuten, die
Hodges am Herzen liegen, das Leben zur Hölle. Hier wird deutlich, dass es keine
übernatürlichen Erscheinungen benötigt, um den Horror in einer Kleinstadt im
Mittleren Westen loszutreten. Während die Täterfrage also von Beginn an geklärt
ist, dreht sich der Plot vor allem auf die Art und Weise, wie sich Hodges und
Hartsfield einander umkreisen, wie sie nicht voneinander können und ihre
Lebensenergie aus dem Zweikampf schöpfen, bei dem keiner von beiden aufstecken
will. „Mr. Mercedes“ lässt dabei auch viel Raum für die Nebenfiguren, und
auch in der dritten Staffel, wenn ein ganz neuer Fall ins Spiel kommt, wird
auch die Täterseite gleichberechtigt berücksichtigt, was der Serie einen
furchterregenden Charme verleiht, denn ebenso wie Hartsfield sind auch die
Jäger nach Rothsteins gestohlenen Manuskripten wenig zimperlich. Das ist
packend inszeniert, psychologisch tiefgründig ausgearbeitet und wunderbar
gespielt.
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