Gohatto
Einmal wollte er es noch einmal wissen: Dreizehn Jahre nach
seiner Erotik-Farce „Max mon amour“ (1986) widmete sich der japanische
Filmemacher Nagisa Ōshima (1932-2013), der vor allem durch Filme wie „Nackte
Jugend“ (1960) und „Im Reich der Sinne“ (1976) auch außerhalb seiner
Heimat für Gesprächsstoff sorgte, einmal mehr dem Spannungsfeld zwischen
gesellschaftlicher Norm und Sexualität. „Gohatto“ (1999) thematisiert homoerotische
Spannungen und starre Ehrenkodizes innerhalb der ultra-maskulinen Samurai-Milz Shinsen-gumi
im Kyoto des Jahres 1865.
Inhalt:
Sozaburo Kano (Ryuhei Matsuda) und Hyozo Tashiro (Tadanobu
Asano) werden in die Miliz Shinsengumi aufgenommen, die Ende des 19.
Jahrhunderts für das Shogunat für Recht und Ordnung sorgte. Commander Kondo (Yoichi
Sai) und Captain Hijikata (Takeshi Kitano) stellen die beiden nach
einer Aufnahmeprüfung, in der sie ihre Kampfkünste erfolgreich demonstriert,
persönlich ein. Doch Kanos weibliche Züge und Unnahbarkeit lassen Gerüchte
aufkommen, dass sich der junge Mann für Männer interessiert, was einige Männer
nicht nur innerhalb der Shinsengumi für mehr oder weniger direkte Avancen
animiert.
Obwohl Kano Tashiro zurückzuweisen scheint, spricht sich überall
herum, dass die beiden ein Liebespaar sind. Als Kano eine Liaison mit jemandem
eingeht, der wenig später ermordet aufgefunden wird, will Hijikata den Mörder
ausfindig machen, muss sich aber darüber wundern, wie nachsichtig selbst sein
Vorgesetzter Kondo mit Kano ist. Es scheint kaum jemanden zu geben, der nicht
dem Charme des jungen Mannes erliegt…
Kritik:
Nagisa Ōshimas letzter, bereits aus dem Rollstuhl heraus
inszenierter Film basiert auf Kurzgeschichten aus Ryōtarō Shibas „Shinsengumi
Keppūroku“ und thematisiert einen ungewöhnlichen Aspekt japanischer
Schwertkämpfer, nämlich die gleichgeschlechtliche Liebe. Ōshima verzichtet
im Gegensatz zu seinem fast schon pornografisch anmutenden Skandalwerk „Im
Reich der Sinne“ aber auf explizite Sexszenen und macht eher die Art und
Weise zum Thema, wie die Anhänger der Shinsengumi-Miliz mit den lauter
werdenden Gerüchten umgehen, dass ihr jüngstes Mitglied Kano im Mittelpunkt
zahlreicher homoerotischer Begierden steht, was nicht nur das strenge
Disziplin- und Männerbund-Gefüge aufbricht, sondern auch Eifersucht, Misstrauen
und Gewalt hervorruft. Das ist sehr kühl und ansprechend inszeniert, lässt aber
die emotionalen Aspekte außen vor, da die Gefühle der Beteiligten kaum
ausgesprochen werden. Dafür sind die Schwertkampfszenen und Ryuichi Sakamoto
elegante Komposition hervorragend gelungen. Nichtsdestotrotz mangelt es Ōshimas
Alterdwerk an emotionaler Tiefe, was den Zugang zum formal ausgefeilten
Alterswerk erschwert.


.jpg)




.jpg)
Kommentare
Kommentar veröffentlichen