Duell: Enemy at the Gates
Nachdem der französische Filmemacher Jean-Jacques Annaud
in der Vergangenheit so unterschiedliche Werke wie „Der Name der Rose“, „Der
Liebhaber“, „Der Bär“ und „Sieben Jahre in Tibet“ inszeniert hatte,
zog es ihn 2001 mit „Duell: Enemy at the Gates“ auf das Schlachtfeld
nach Stalingrad zum Ende des Zweiten Weltkriegs, reduzierte das Kriegsgeschehen
aber interessanterweise auf das Duell zweier Scharfschützen.
Inhalt:
Um den deutschen Vormarsch in der Sowjetunion aufzuhalten,
schickt Stalin immer mehr Soldaten in die symbolträchtige Stadt Stalingrad, wo
der zynische Politoffizier Nikita Chruschtschow (Bob Hoskins) seine
Männer darauf einschwört, die Stadt um jeden Preis zu halten, denn sollten die
Deutschen auch Stalingrad erobern, wäre die Sowjetunion verloren.
Als Hoffnungsträger für die Russen während der erbittertsten
und verlustreichsten Schlacht des Zweiten Weltkrieges im Winter 1942 fungiert der
junge sowjetische Scharfschütze Vassili Zaitsev (Jude Law), der mit
seinem Gewehr einen deutschen Befehlshaber nach dem anderen ausschaltet, so dass
er schon bald unter Kameraden wie Gegnern zur Legende wird. Schnell erkennt der
aufstrebende Polit-Offizier Danilov (Joseph Fiennes) das
Propagandapotential des bescheidenen Soldaten und baut ihm zum Nationalhelden
auf. Tatsächlich gelingt es ihm, mit Vassilis Heldentaten den Kampfgeist der
angeschlagenen Roten Armee neu zu mobilisieren. Als Reaktion darauf schickt das
deutsche Oberkommando mit dem adeligen Major König (Ed Harris) seinen
besten Scharfschützen an die Front, um Vassili auszuschalten. Währenddessen
buhlen Zaitsev und Danilov aber auch um die Zuneigung der attraktiven wie
gebildeten Soldatin Tania (Rachel Weisz)…
Kritik:
Als „Duell: Enemy at the Gates“ im Rahmen der Berlinale
2001 als Eröffnungsfilm außerhalb des offiziellen Wettbewerbs gezeigt wurde,
erntete er eher verhaltenen Applaus und sogar vereinzelte Buh-Rufe. Die
Verfilmung von William Craigs 1973 veröffentlichten Buch „Enemy
at the Gates: The Battle for Stalingrad“, das thematisiert, wie der sowjetische
Scharfschütze Wassili Saizew (1915–1991) bis zu 300 deutsche Soldaten
und Offiziere getötet haben soll, krankt vor allem an der Reduzierung der
verheerenden Schlacht um Stalingrad auf das Duell zweier Scharfschützen,
während der Tod Tausender Soldaten auf beiden Seiten nur im Ansatz thematisiert
wird. Vor allem in der beeindruckenden Anfangssequenz, wenn das Schiff, auf dem
auch Zaitsev und Tania an die Front gebracht werden, durch die deutsche
Luftwaffe unter Beschuss gerät und einen Vorgeschmack davon liefert, was der
Krieg für sie bereithält. Doch von diesem ersten Eindruck abgesehen
konzentriert sich das Geschehen bald ganz auf das Duell zwischen den
Scharfschützen. So verkommt der Antikriegsfilm-Ansatz des Regisseurs, der mit Alain
Godard auch das Drehbuch verantwortete, zu einem Western-mäßigen Showdown
mit unnötiger Liebesgeschichte. Handwerklich ist der Film allerdings
erstklassig, spannend inszeniert, großartig fotografiert und natürlich stark
gespielt. Es ist also dem Drehbuch anzulasten, dass „Duell: Enemy at the
Gates“ in erster Linie eine Heldenverehrung ist, die angesichts der
Hinterhältigkeit, mit der die Schützen ihre Ziele töten, unangebracht erscheint,
zumal der Film den irrigen Eindruck erweckt, dieses Duell hätte den Zweiten
Weltkrieg entschieden.





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