Im Schatten der Frauen

Um in den Kreis der Nouvelle Vague aufgenommen zu werden und so mit Truffaut, Godard, Chabrol, Rohmer und Rivette eine neue Form der cineastischen Erzählung mitzuformen, ist der Pariser Filmemacher Pierre Garrel gut fünfzehn Jahre zu spät auf die Welt gekommen. Doch sein neuer Film „Im Schatten der Frauen“, der über den Schwarzweiss-Filmverleih/good!movies auf DVD erhältlich ist, zeigt eindrucksvoll, dass er ganz in der Tradition seiner berühmten Vorgänger steht.
Zusammen mit seiner Frau Manon (Clotilde Courau) arbeitet der Dokumentarfilmer Pierre (Stanislas Merhar) an einem Film über einen alten Mann, der sein Leben in der Résistance schildert. Doch nicht nur der ausbleibende Erfolg nagt an dem stets grimmig dreinschauenden Künstler, auch die Beziehung leidet unter der Lebens- und Arbeitsteilung des Paares.
Als er der attraktiven Archivarin Elisabeth (Lena Paugam) beim Transportieren von Filmrollen hilft, beginnt er eine leidenschaftliche Affäre mit ihr, wobei er ihr gleich reinen Wein einschenkt und gesteht, dass er verheiratet sei. Elisabeth lässt sich trotzdem auf den wortkargen Pierre ein, ist aber auch eifersüchtig auf Manon, der sie unmittelbar darauf zuhause auflauert. Später entdeckt sie, dass Manon ihrerseits eine Affäre unterhält. Als sie Pierre davon erzählt, ist er außer sich. Obwohl er selbst keine Skrupel hatte, zwei Frauen zu lieben und keine davon aufzugeben, wird die Beziehung zu Manon auf einmal doch zum Problem …
Allein die Tatsache, dass Garrel seinen neuen Film „Im Schatten der Frauen“ auf kostspieligem 35mm-Schwarzweiß-Filmmaterial drehte, bringt ihn in die Nähe der Nouvelle Vague, dazu hat er mit Renato Berta einen Mann hinter der Kamera, der schon für Louis Malle („Eine Komödie im Mai“), Éric Rohmer („Vollmondnächte“) und Jean-Luc Godard („Rette sich, wer kann (das Leben)) gearbeitet hatte.
In oft sehr langen Einstellungen begleiten Garrel und Berta ihren Protagonisten Pierre bei seinem irgendwie deprimierenden Spagat, sowohl einen guten Dokumentarfilm zu drehen als auch die Beziehungen zu den beiden Frauen, die er liebt, unter einen Hut zu kriegen. Pierre wirkt dabei eher wie ein Getriebener, der sein Schicksal kaum selbst bestimmt, sondern es von den Frauen in seinem Leben prägen lässt. Während Pierre sein Verhalten damit entschuldigt, dass er nun mal ein Mann sei, nehmen die Frauen ihr Schicksal selbst in die Hand und begeben sich auf emotionale Achterbahnfahrten, die dem fast schon lethargisch wirkenden Pierre völlig fremd sind.
Erst als er mit Manons Affäre konfrontiert wird, erlebt er eine Krise, die er selbst bewältigen muss. Garrel schildert dieses Bohemien-Szenario in einer ebenso klaren wie atmosphärisch dichten Bildsprache, bleibt nah bei seinen Figuren und lässt das Geschehen gelegentlich von einem unbeteiligten Erzähler aus dem Off kommentieren. Dass er Pierre am Ende mit einem Lächeln aus seinem Film entlässt, passt zu der Leichtigkeit, mit der er diesen magisch wirkenden Film über die Liebe, das Glück und auch das künstlerische Wirken inszeniert hat.
"Im Schatten der Frauen" in der IMDb

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