Seit Lawrence Kasdans „Heißblütig – Kaltblütig“
(1981) und Adrian Lynes Erotikthriller „9 ½ Wochen“ (1986) und „Eine
verhängnisvolle Affäre“ (1987) war nackte Haut in Kinofilmen durchaus
gesellschaftsfähig, so dass auch Kameramanns John Bailey („Harte Männer
tanzen nicht“) sich in seinem Regiedebüt „China Moon - Eine heiße Affäre“ (1994) ins Genre des erotisch
aufgeladenen Neo-Noirs wagte. Allerdings kann selbst eine prominente Besetzung
mit Ed Harris („Der Stoff, aus dem die Helden sind“, „Abyss – Abgrund
des Todes“), Madeleine Stowe („12 Monkeys“, „Der letzte
Mohikaner“) und einem noch jungen Benicio Del Toro („Fearless –
Jenseits der Angst“, „Die üblichen Verdächtigen“) das schwache Skript nicht
retten.
Inhalt:
Der routinierte Detective Kyle Bodine (Ed Harris) und
hat mit seinem jüngeren Partner Lamar Dickey (Benicio Del Toro) gerade
den Mord an einer 35-jährigen Afroamerikanerin aufgeklärt, die nackt in ihrer
Küche aufgefunden wurde, als Bodine in einer Bar auf die attraktive Rachel
Munro (Madeleine Stowe) aufmerksam wird und sie anspricht. Wenig später
beginnen sie eine Affäre, als sie eine Bootsfahrt auf einem See bei Vollmond
unternehmen, den Munro als Porzellanmond (englisch: China Moon) bezeichnet,
und beide nackt in den See springen. Rachel ist mit dem gewalttätigen Bankier
Rupert Munro (Charles Dance) verheiratet, der wiederum eine Affäre mit seiner
Sekretärin Adele (Patricia Healy) unterhält, wie sich Rachel durch
eindeutige Bilder von einem Privatdetektiv bestätigen lässt. Wie gewalttätig Rachels
Mann wirklich ist, erfahren Kyle und Lamar, als sie von Nachbarn wegen eines
lauten Ehestreits zu den Munros gerufen werden. Als Rachel nach einem Miami-Trip
kurz darauf ihren Mann erschießt, fleht sie Kyle an, nicht die Polizei zu rufen,
weil sie nicht aus dem Hotel in Miami ausgecheckt hat und man sofort vermuten
würde, dass sie vorgehabt hatte, ihren Mann zu ermorden. Kyle und Rachel lassen
die Leiche im See verschwinden, doch wird diese überraschenderweise schnell
gefunden, worauf Lamar die Ermittlungen vorantreibt und Kyle vom Dienst
suspendiert wird, weil die im Munro-Haus gefundene Kugel aus Kyles Revolver
stammt…
Kritik:
Eigentlich hat das Skript von Roy Carlson gerade zu
Beginn das Zeug zu einem erstklassigen Noir in der Tradition von Billy
Wilders „Frau ohne Gewissen“ (1944) oder Charles Vidors
„Gilda“ (1946). Das Problem ist nur, dass Madeleine Stowe zwar durchaus
attraktiv ist, aber keine Femme fatale überzeugend darstellen kann. Natürlich
vermag sie mit ihrem verletzlichen Charme und guten Aussehen den einsamen Cop
Kyle umgarnen, aber die Chemie zwischen Stowe und dem sichtlich bemühten
Ed Harris will einfach nicht stimmen. Das wäre immer noch kein
Beinbruch, wenn sich der Plot nach Beginn der unvermeidlichen Affäre nicht mit
Wendungen und Intrigen überschlägt, die so unglaubwürdig sind, dass es schon
die Intelligenz des Publikums beleidigt. Dafür weist „China Moon“
letztlich zu wenig erotische Momente auf, um den immerhin schön fotografierten,
von George Fenton („Gefährliche Liebschaften“, „Zeit der Wölfe“)
musikalisch stimmungsvoll untermalten Film retten zu können.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen