Mosquito Coast

Der Australier Peter Weir hatte schon in seiner Heimat Erfolge mit Werken wie „Picknick am Valentinstag“, „Gallipoli“ und „Die letzte Flut“ feiern dürfen, mit seinen ersten beiden US-amerikanischen (Co-)Produktionen „Ein Jahr in der Hölle“ (1982) und vor allem „Der einzige Zeuge“ (1985) auch seine Mainstream-Qualitäten unter Beweis stellen können. Nach dem Oscar-prämierten Erfolg des im Amish-Milieu angesiedelten Thrillers „Der einzige Zeuge“ arbeitete Weir bei seinem nächsten Film „Mosquito Coast“ erneut mit Harrison Ford zusammen, der auch in einer für ihn ungewohnt unsympathischen Rolle zu überzeugen weiß.

Inhalt:

Der exzentrische Erfinder Allie Fox (Harrison Ford) hat genug von der amerikanischen Konsumgesellschaft und der fehlenden Anerkennung für seine bahnbrechenden Erfindung wie dem Prototyp einer Kältemaschine, die aus Wärme Eis herzustellen vermag. Er verkauft sein Hab und Gut, und fährt mit seiner Frau (Helen Mirren) und seinen Kindern Charlie (River Phoenix), Jerry (Jadrien Steele), Clover (Rebecca Gordon) und April (Hilary Gordon) zunächst mit dem Auto, dann mit einem Frachtschiff Richtung Honduras. Auf der Überfahrt lernt die Familie einen Missionar und dessen Familie kennen. Die Warnung des Kapitäns, der zufolge das Land kürzlich „in die Steinzeit zurückgefallen“ sei, ermutigt Fox noch. Nach ihrer Ankunft in einer Hafenstadt kauft er einem Deutschen eine „Stadt“ im Regenwald ab. Voller Begeisterung fährt Fox gemeinsam mit dem Kapitän „Mr. Haddy“ und seiner Familie auf einem kleinen Boot in den Regenwald im Nordosten des Landes („Mosquitia“). Die „Stadt“ stellt sich als heruntergekommenes, zugewachsenes Dorf heraus. Ungeachtet dessen beginnt der enthusiastische Fox sogleich mit dem Aufbau einer Fischzucht, eines Wohnhauses und weiterer Infrastruktur.
Schließlich konstruiert der Erfinder eine große Kältemaschine, um die Bewohner mit dem – seiner Meinung nach – Höhepunkt der Wissenschaft zu beglücken: Eis. Es entwickelt sich ein reißender Absatz, für den Fox jedoch kein Geld von den Einwohnern verlangt. Bald darauf fesselt ihn die Idee, einem angeblich unberührten Indianerstamm sein Eis zu präsentieren.
Kurze Zeit später stehen drei mit russischen Sturmgewehren bewaffnete Guerilla-Kämpfer im Dorf. Ihre Ankunft versetzt alle in Panik, das friedliche Leben scheint vorüber zu sein, doch so leicht lässt Allie seine Errungenschaft nicht in fremde Hände gelangen…

Kritik:

Nach Paul Theroux‘ gleichnamigen Roman, den Paul Schrader („Taxi Driver“, „Light Sleeper“) zu einem Drehbuch verarbeitet hat, inszenierte Peter Weir ein zivilisationskritisches Drama, einen Öko-Thriller, der angesichts der unerschrockenen Rodung des südamerikanischen Regenwalds vierzig Jahre nach Weirs Film leider noch an brisanter Aktualität gewonnen hat. „Mosquito Coast“ zeigt zunächst eine US-amerikanische Welt auf, die typisch für die westliche Zivilisation ist, eine Welt, in der Waren möglichst billig aus dem fernen Osten importiert werden und das Wohl des Einzelnen über dem der Gemeinschaft steht. Dass Allie Fox, dessen Erfindungen nur müde belächelt werden, weil sie keinen schnellen ökonomischen Nutzen bieten, dieser kapitalistischen Welt entfliehen möchte, lässt sich durchaus nachvollziehen. Interessant ist, dass er dieses Vorhaben so radikal und ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse seiner Familie umsetzt und im tiefsten Dschungel den Eingeborenen das Leben noch luxuriöser bereiten möchte. Das verläuft natürlich nicht nach Plan, denn zum einen bekommt es Allie mit dem missionarischen Eifer eines Weißen zu tun, zum anderen mit rücksichtslosen Guerilla-Kämpfern, die Allies Errungenschaften drohen zunichtezumachen. Spätestens durch die Konfrontation mit dem Unwägbaren kippt die Stimmung, und Allie wird zum schwer erträglichen Tyrannen, unter dem vor allem seine Familie zu leiden hat. Weirs Fähigkeit und Faible, Eskapismus, Esoterik und Naturverbundenheit mit psychologischem Schrecken zu verbinden, wie er es in seinen in den 1970er Jahre entstandenen Filmen zum Ausdruck brachte, kommt auch in „Mosquito Coast“ zum Tragen.
Harrison Ford überzeugt dabei als leidenschaftlicher Kämpfer für die gute Sache, der allerdings über das Ziel hinausschießt, und die Konzentration auf die Dialoge, mit denen die Konflikte ausgetragen werden, machen „Mosquito Coast“ nicht gerade zugänglich. Doch als Drama, das den Kontrast zwischen Naturvölkern und vermeintlich fortschrittlichen Zivilisten zuspitzt, funktioniert der Film wunderbar.

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