Ein Jahr in der Hölle

Nur ein Jahr nach seiner Aufarbeitung des Schicksals australischer und neuseeländischer Soldaten während des Ersten Weltkriegs in der Schlacht um „Gallipoli“ (1981) setzte sich der Australier Peter Weir („Picknick am Valentinstag“, „Green Card“) bereits mit dem nächsten Krisenherd auseinander. Für seinen Thriller „Ein Jahr in der Hölle“ schickte er „Gallipoli“-Star Mel Gibson in die Hölle des krisengeschüttelten Indonesiens. 

Inhalt:

Seinen ersten Auslandseinsatz hat sich der australische Journalist und Radioreporter Guy Hamilton (Mel Gibson) etwas glamouröser vorgestellt. Als er in der indonesischen Hauptstadt Jakarta eintrifft, ist sein Vorgänger, der ihn einarbeiten sollte, wegen seiner kranken Frau bereits abgereist. Dafür ist der kleinwüchsige Fotograf Billy Kwan (Linda Hunt) gut vernetzt und macht Hamilton nicht nur mit den anderen Auslandskorrespondenten bekannt, sondern stößt ihn auch auf die interessantesten Stories. Insbesondere ein Interview mit dem Anführer der kommunistischen Partei sorgt im Ausland für große Aufmerksamkeit. Durch Billys Vermittlung lernt Hamilton auch die britische Botschaftsangestellte Jill Bryant (Sigourney Weaver) kennen und verliebt sich in sie, obwohl diese in wenigen Wochen das Land verlassen will und kein Interesse an einer Beziehung hat. Hamilton erweist sich aber als hartnäckig genug, um nicht nur eine Affäre mit Jill anzufangen, sondern auch von ihr vermittelte geheime Informationen für einen Artikel zu verwenden, der den Zorn der Revolutionäre weckt. Als der Bürgerkrieg ausbricht, muss sich der Reporter zwischen seinen Gefühlen und seiner Berufung entscheiden…

Kritik:

Bereits mit „Gallipoli“ hat sich Peter Weir den Ruf erworben, auch die dunkle Seite verschiedenster Machtkämpfe und kriegerischer Auseinandersetzungen zu beleuchten. Zwar ließ er die Briten in seinem Kriegsdrama schlechter dastehen, als es ihrer Rolle im Kampf gegen die Nazis und der mit ihnen verbündeten Türken entsprach, aber das menschenunwürdige Abschlachten hat Weir ausdrucksstark in Szene gesetzt. Ähnlich atmosphärisch dicht kommt auch „Ein Jahr in der Hölle“ daher. Die drückende Schwüle in der indonesischen Hauptstadt bekommt das Publikum in nahezu jeder Einstellung zu spüren, auch wenn der Swimming Pool in der britischen Botschaft und erfrischende Getränke kurzzeitig für Abkühlung sorgen. Der Film konzentriert sich nicht nur auf die romantische Beziehung, die sich zwischen dem Reporter und der Botschaftsangestellten anbahnt, sondern vor allem auf die Rolle, in der sich Hamilton selbst in dem ausbrechenden Bürgerkrieg sieht, ob er bereit ist, größere Opfer zu bringen, als es beispielsweise seine Kollegen tun, die sich allein auf die Berichterstattung aus sicherer Entfernung und diverse Ablenkungen beschränken. Allzu tief dringt das Drama dabei freilich nicht in die politischen Dimensionen des Bürgerkriegs ein. Vielmehr thematisiert Weir den immerwährenden universalen Konflikt zwischen (gesellschafts-)politischen Ereignissen und der Berichterstattung darüber. Die interessanteste Rolle kommt interessanterweise dem undurchsichtigen Fotoreporter Billy Kwan zu, der sich aufgrund seiner asiatischen Herkunft dem leidenden Volk sehr verbunden fühlt und immer wieder einzelne Menschen unterstützt, während er auf der anderen Seite Akten auch über Hamilton anlegt und offenbar seiner eigenen Agenda folgt. Dass Weir eine kleinwüchsige Frau in dieser Rolle besetzt hat, machte sich bezahlt. Linda Hunt („Dune – Der Wüstenplanet“, „Kindergarten Cop“) wurde folglich mit dem Oscar als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet.

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