Jou Dou

Nach ihrer ersten, gleich weltweit gefeierten gemeinsamen Zusammenarbeit „Rotes Kornfeld“ (1988) und dem weithin unbeachteten „Daihao meizhoubao“ (1989, internationaler Titel: „Code Name: Cugar“) besetzte der chinesische Filmemacher Zhang Yimou auch seine dritte Regiearbeit mit seiner damaligen Lebensgefährtin Gong Li und wirft in seinem Drama „Jou Dou“ (1990) ein kritisches Licht auf die chinesische Lebensart in den 1920er Jahren.

Inhalt:

Eine chinesische Kleinstadt in den 1920er-Jahren: Yang Jin-Shan (Li Wei), Inhaber einer Färbemühle, hat sich eine neue junge und sehr hübsche Frau namens Ju Dou (Gong Li) gekauft, nachdem er seine ersten beiden Frauen zu Tode gequält hatte, weil sie ihm nicht den erhofften Sohn gebären konnten. Dass er auch Ju Dou quält, hört der von Jin-Shan adoptierte Yang Tian Quing (Li Baotian) bereits in der ersten Nacht nach seiner Rückkehr vom Verkauf der gefärbten Baumwolle im Umland. Als er sie das erste Mal sieht, verliebt sich Tian Quing augenblicklich in sie und beobachtet sie durch ein Loch in der Stallwand, wenn sie sich beim Waschen oben herum freimacht. Als Ju Dou von Tian Quings Treiben erfährt, ist sie erst geschockt, doch dann erwidert sie seine Gefühle und entblößt sich bewusst vor seinen Augen, gesteht ihm, dass sie die Folter ihres Mannes nicht mehr erträgt, und beginnt eine Affäre mit dem „Neffen“ ihres kaltherzigen, brutalen Mannes, aus der schließlich ein Junge hervorgeht. Yang Jin-Shan ist überglücklich, dass seinem Wunsch nach einem Erben Gehör geschenkt worden ist, der vom Familienrat der Yangs den Namen Tian-Bai erhält. Ju Dou versucht ihren Geliebten immer wieder zu ermuntern, woanders ein gemeinsames Leben zu führen, doch Tian Quing will davon nichts hören. Selbst als er den schwerverletzten Jin-Shan draußen an einer Schlucht aufliest, nutzt er nicht die Chance, seinen Kontrahenten den Abhang hinabzuwerfen, sondern bringt ihn nach Hause, wo der Arzt ihn zwar aufpäppeln kann, aber konstatieren muss, dass Jin-Shan fortan gelähmt ist. Dass Ju Dou und Tian Quing ihre Liebe nun etwas ungehemmter ausleben können, hat allerdings fürchterliche Konsequenzen…

Kritik:

Dass „Ju Dou“ der erste chinesische Film gewesen ist, der für einen Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert wurde, dokumentiert bereits die Bedeutung des Dramas, das von repressiven Lebensumständen im vorindustriellen China erzählt. Yimou bleibt stets nah bei seinen Figuren, nutzt die Kulisse einer Stoff-Färberei für das Schwelgen in leuchtenden Farben auf im Wind flatternden Stoffen, wobei der Farbe Rot eine besondere Bedeutung zukommt. Die Arbeit in der Färberei ist für die Beteiligten ebenso schwer wie die Lebensumstände, denn der despotische Inhaber der Färberei knechtet nicht nur seinen „Neffen“, sondern knebelt und schlägt seine Frau nach Belieben.
„Ju Dou“ erzählt vor allem von dem Leiden der Frau, die sich nicht mit ihrem Schicksal abfinden mag und alle Hoffnung auf ihre Liebe zu Tian Quing setzt, der sich jedoch von seinem Ziehvater nicht lösen kann. Eindringlich beschreibt Yimou die gesellschaftlichen Zwänge, unter denen Menschen miteinander leben müssen, von individueller Freiheit keine Spur. Das bekommt vor allem Ju Dous lange Zeit stummer, nie lächelnder Sohn zu spüren, der sich zunächst Jin-Shan als seinem „Vater“ nähert und ihn so mit seinen ersten Worten auch anspricht. Und obwohl Tian Quing weitere Demütigungen, gerade beim öffentlich gefeierten Geburtstag seines Sohnes, erleiden muss, bleibt er den Konventionen und Regeln seiner Heimat verbunden und besiegelt damit sein eigenes Schicksal.
Das kraftvolle Drama „Ju Dou“ ist eindringlich inszeniert, großartig fotografiert und von Gong Li und Li Baotian großartig gespielt.

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