Sydney Pollack hat sich seit Beginn seiner Kinokarriere
Mitte der 1960er Jahre nie von einem Genre vereinnahmen lassen und viel Wert auf
Abwechslung in seinem Oeuvre gelegt. Nachdem er in den 1970er Jahren vor allem
mit Robert Redford („Jeremiah Johnson“, „So wie wir waren“, „Die 3
Tage des Condor“) zusammengearbeitet hatte, durfte er bei der Verfilmung
von Erich Maria Remarques Roman „Der Himmel kennt keine Günstlinge“ unter
dem Titel „Bobby Deerfield“ (1977) erstmals mit Al Pacino („Der
Pate“, „Hungstage“, „Serpico“) einen Filmstoff umsetzen.
Inhalt:
Formel-1-Rennfahrer Bobby Deerfield (Al Pacino) ist trotz
seiner Beziehung mit Lydia (Anny Duperey) ein sehr ernster, aber
populärer Einzelgänger und Kontrollfreak. Nach einer Reihe von Siegen kommt es
bei einem Rennen zu einem furchtbaren Unfall auf der Strecke, bei der ein
Fahrer stirbt und ein weiterer ins Krankenhaus eingeliefert wird. Deerfield beunruhigt
der Gedanke an den eigenen Tod und will von seinen Technikern unbedingt wissen,
wie es zu diesem Unfall kommen könnte. Da das Unfallfahrzeug seinem Wagen
gleicht, könnte der Fehler ja auch bei einem seiner nächsten Rennen auftreten.
Deerfield kündigt an, erst wieder ins Cockpit seines Wagens zu steigen, wenn die
Unfallursache geklärt ist. Er nutzt die Zeit, um seinen verletzten Kollegen im
Krankenhaus zu besuchen, und begegnet dort der impulsiven Lillian Morelli (Marthe
Keller). Der Rennfahrer ahnt nicht, dass Lillian todkrank ist, und verliebt
sich in die attraktive Frau, die die letzte Zeit ihres Lebens voll auskosten will
und mit Deerfield aus der Klinik flieht. Von einer Beziehung will Lillian
allerdings nichts wissen, trotzdem beginnt sie mit Bobby eine leidenschaftliche
und selbstzerstörerische Affäre…
Kritik:
Nachdem Sydney Pollack 1968 mit „Der Schwimmer“
einen interessanten New-Hollywood-Film abgeliefert hatte, stand ihm zehn Jahre
später offensichtlich im Sinn, auf den Spuren der Nouvelle Vague zu wandern,
weshalb er gern in Europa arbeiten wollte und „Bobby Deerfield“ vor
allem in Paris, am Comer See und in der Toskana drehte. Die Liebesgeschichte
zwischen dem erfolgsverwöhnten, plötzlich mit der Möglichkeit seines eigenen
Todes konfrontierten Rennfahrers und einer sterbenskranken Frau, die die
letzten Tage ihres Lebens mit aufregenden Abenteuern wie einer Fahrt im
Heißluftballon verbringen will, ist allerdings recht zäh und uninspiriert
inszeniert. Al Pacino gibt sich zwar reichlich Mühe, nach seinen Rollen
in harten Thrillern und Dramen einen Romantiker zu verkörpern, doch ist Pollack
eher daran interessiert, die prachtvollen Landschaftspanoramen und Stadtszenen vor
dem Eiffelturm und touristischen Hotspots in Italien einzufangen, als die
dürftig motivierte Romanze zu erklären. Hier dominiert klar die Form vor dem
Inhalt. Dabei haben sowohl Pollack als auch Pacino weitaus mehr drauf.
Schade.
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