1985 veröffentlichte die chinesische Autorin Lilian Lee
mit „Lebewohl, meine Konkubine“ einen Roman, der anhand der titelgebenden
Peking-Oper und zweier chinesischer Männer die Geschichte Chinas der 1920er
Jahre bis in die späten 1970er Jahre nachzeichnet. Mit der Erstveröffentlichung
in deutscher Sprache ging 1993 auch die mit der Goldenen Palme
ausgezeichnete epische Verfilmung von Chen Kaige einher, die zu den
wichtigsten Beiträgen des chinesischen Kinos der Neuzeit zählen darf.
Inhalt:
Mitte der 1920er Jahre werden die beiden Waisenkinder Cheng „Douzi“
Dieyi (Leslie Cheung) und Duan „Shitou“ Xiaolou (Fengyi Zhang) von
Meister Guan (You Ge) zu Sängern der traditionsreichen Pekingoper
ausgebildet. Allerdings wird jedes Fehlverhalten mit brutalen Peitschenhieben
bestraft. Der sensible Cheng entwickelt sich zum Stardarsteller weiblicher
Rollen. Besonders erfolgreich tritt er zusammen mit dem lebenslustigen und
opportunistischen Duan in einer Oper aus dem 18. Jahrhundert auf, in der
Geschichte des Suizids eines chinesischen Kaisers und seiner Konkubine. Als
Erwachsener hat Douzi die Rolle der Konkubine im Stück „Lebewohl, meine
Konkubine“ perfektioniert. Douzi und Shitou begeistern mit ihren berühmten
Duetten das Publikum und werden zu beliebten Opernstars. Doch während Douzi schon
sehr früh in Shitou verliebt ist, gilt dessen Zuneigung in erster Linie der
Konkubine Juxian (Gong Li), die das erfolgreiche Duo auseinanderzubringen
droht. Dabei haben die beiden Opernstars auch mit politischen Umbrüchen wie der
japanischen Besatzung, der Befreiung durch die Kommunisten und dem Terror unter
den Kommunisten zu kämpfen…
Kritik:
Chen Kaige („Verführerischer Mond“, „Der Kaiser
und sein Attentäter“) rollt innerhalb eines 165 Minuten langen Epos die chinesische
Geschichte eines halben Jahrhunderts auf. Dabei bleibt er dicht an der
Romanvorlage und konzentriert sich auf das Schicksal der beiden Waisenjungen,
die sich während der Ausbildung zu Sängern der Peking-Oper anfreunden und in
ihren festgelegten Rollen Karriere auf den Opernbühnen ihrer Heimat machen.
Eher im Hintergrund werden die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen durch
die japanische Besatzung und das schwierige Verhältnis zu den Kommunisten thematisiert.
„Lebewohl, meine Konkubine“ ist vor allem eine Hymne an die traditionsreiche
Peking-Oper und eine dramatische Dreiecks-Liebesgeschichte und der Wahl, ob die
Liebe eher der Kunst oder eines Menschen gelten sollte. Kaige und sein
Kameramann Changwei Gu („Es begann im September“, „The Gingerbread
Man“) finden dabei berauschende Bilder für die exquisiten Kostüme, das ausdrucksstarke
Make-up und die mitreißenden Bühnenauftritte, doch auch die komplexe Liebesgeschichte
nimmt viel Raum in dem superb inszenierten Drama ein.
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