Auch wenn Mel Gibson vor allem als harter Kerl in Blockbustern
wie „Mad Max“, „Braveheart“, „Kopfgeld – Einer wird bezahlen“ und „Der
Patriot“ bekannt ist, hat er doch immer wieder sein komödiantisches Talent
bewiesen, in der Action-Komödien-Reihe „Lethal Weapon“ ebenso wie in „Ein
Vogel auf dem Drahtseil“ oder „Maverick“. Dennoch ist es ungewohnt –
und vielleicht deshalb ein besonderer Coup -, den wegen seiner homophoben und
rassistischen Gesinnung immer wieder angefeindeten Gibson in einer
Frauenversteher-Rolle zu sehen. Dieses Konzept geht in Nancy Meyers‘ („Was
das Herz begehrt“, „Liebe braucht keine Ferien“) romantischer Komödie „Was
Frauen wollen“ (2000) wunderbar auf.
Inhalt:
Nick Marshall (Mel Gibson) ist nicht nur erfolgreich
in seinem Job als Werbefachmann, sondern hat auch einen besonderen Schlag bei
Frauen, die er nach Belieben abzuschleppen versteht. Während seine Ex-Frau Annie
(Sarah Paulson) bereits einen neuen Mann zu heiraten beabsichtigt, hat
sich auch seine Teenager-Tochter Alex (Ashley Johnson) von ihm
abgewandt, weil Nick mit dem weiblichen Geschlecht nichts anzufangen versteht.
Als sein Boss Dan Wanamaker (Alan Alda) den höheren Posten aber nicht an
ihn, sondern an die von der Konkurrenz abgeworbene Darcy Maguire (Helen Hunt)
vergibt, will sich Nick nicht so ohne weiteres mit seinem Schicksal abfinden. Tatsächlich
wird er durch einen Stromschlag im eigenen Badezimmer in die Lage versetzt, die
Gedanken von Frauen zu hören, was ihm ganz neue Möglichkeiten eröffnet. In
erster Linie nutzt er die Fähigkeit, um endlich die Kaffeeverkäuferin Lola (Marisa
Tomei) für sich zu gewinnen, vor allem aber, um die Dinge zuerst
auszusprechen, die seine neue Chefin Darcy nur gedacht hat. Doch nach und nach führt
die Teilhabe an weiblichen Gedanken auch dazu, sich mehr um die Frauen in
seinem Leben zu kümmern. Um seine Tochter ebenso wie um Darcy, die sich in den
auf ihrer Länge liegenden Nick längst verliebt hat…
Kritik:
Es ist eine charmante Idee, einen Mann wie den als
ausgemachten Macho geltenden Mel Gibson in der Rolle eines
selbstsüchtigen Karrieretypen zu besetzen, der durch eine besondere Fügung zu
einem einfühlsamen Frauenflüsterer wird. Wie glaubwürdig diese Wandlung letztlich
vonstattengeht, interessiert Nancy Meyers dabei wenig. Sie nimmt sich
die Zeit, um Nick Marshall als egoistischen Frauenverführer zu portraitieren,
dem es nur um das eigene Vergnügen und in der Firma vor allem um seine Karriere
geht. Dass Nick nach einem Stromschlag im eigenen Badezimmer die Gedanken aller
Frauen hören kann, ist eine witzige Idee, treibt aber auch sehr bunte Blüten,
wenn er etwa die Coffeeshop-Bedienung Lola endlich ins Bett kriegt, worauf sie
etwas arg übertrieben reagiert. Überhaupt liegt Meyers wenig daran, die
psychologischen Tiefen der einzigartigen Fähigkeit auszuloten, die Frauen
wirklich verstehen zu können, sondern lässt Nicks Wandlung vom Macho zum einfühlsamen
Frauenflüsterer allein über den Humor abwickeln. Erst mit der romantischen
Beziehung zu Darcy gewinnt „Was Frauen wollen“ etwas an Tiefe. Dass die
RomCom so gut unterhält, ist vor allem Mel Gibsons Spielfreude zu
verdanken, der in Helen Hunt („Besser geht’s nicht“, „Twister“) eine
überzeugende Sparrings-Partnerin hat.
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