Wu Ji – Die Reiter der Winde
Chen Kaige zählt wie Zhang Yimou zu den großen
chinesischen Filmemachern der „Fünften Generation“ – die nach der
Wiedereröffnung der Filmakademien in den 1980er Jahren Filme drehten und das
chinesische Kino ab Mitte der 1980er Jahre revolutionierten, indem sie mit der
Propaganda-Ästhetik der Kulturrevolution (1966–1976) brachen, einen neuen
visuellen Stil entwickelten und historische sowie soziale Verhältnisse kritisierten,
was zwar oft zu Zensur führte, aber internationale Anerkennung brachte, wie die
Erfolge von Kaiges „Lebewohl, meine Konkubine“ (1993) und Yimous
„Die Rote Laterne“ (1991) und „Leben!“ (1994) zeigten. Nachdem Yimou
aber mit seinen atemberaubenden Wuxia-Abenteuern „Hero“ (2002) und „House
of Flying Daggers“ (2004) weltweit Furore machte, wollte auch Kaige
ihm in nichts nachstehen und inszenierte mit der umgerechnet 35 Millionen
Dollar und damit bis dato teuersten chinesischen Produktion „Wu Ji – Die Reiter
der Winde“ (2005) ein buntes Märchen, bei dem allerdings die enttäuschend
billig aussehenden Computereffekte den Genuss arg beeinträchtigen.
Inhalt:
Vor langer Zeit existierte in China ein Königreich, in dem
Götter und Menschen Seite an Seite lebten. Doch diese friedliche Epoche der
unumschränkten Alleinregentschaft des Monarchen, der sich lieber dem Vergnügen
widmete und seine Pflichten vernachlässigte, neigte sich dem Ende zu.
Kämpferische Fürsten planten den Verrat – Gut und Böse waren nicht mehr
trennbar. Als kleines verwaistes Mädchenkämpfte Qingcheng (Cecilia Cheung)
inmitten dieser Tage einst ums nackte Überleben und ging aus Not einen Pakt mit
der „Göttin der Unendlichkeit“ (Hong Chen) ein, die ihr im Leben neben
Glanz und Wohlstand die Bewunderung der Männer zusicherte. Im Gegenzug erfährt
sie seitdem jedoch nie, was wahre Liebe ist, es sei denn, Unmögliches geschehe.
20 Jahre später rettet Kunlun (Jang Dong-gun), Sklave
aus dem legendären „Land des Schnees“, dem mächtigen General Guangming (Hiroyuki
Sanada), nach einem siegreichen Gefecht gegen Aufständische, das Leben. Auf
dem Weg zur belagerten Hauptstadt wird der loyale Oberbefehlshaber der
königlichen Truppen von einem Attentäter verwundet. Der Offizier übergibt
daraufhin seine markante rote Generalrüstung an seinen Leibeigenen Kunlun,
befiehlt ihn eilig zum König, um ihn zu beschützen, obwohl sein Sklave den
Regenten nie zuvor sah. Der maskierte Kunlun, der übermenschliche Kräfte
besitzt und sehr schnell laufen kann, tötet den skrupellosen König, den er
eigentlich schützen sollte, und befreit stattdessen die attraktive Prinzessin
Qingcheng vor den Augen des verräterischen Wuhuan (Nicholas Tse).
Allerdings ist ihre Freiheit nur von kurzer Dauer, weil Wuhuan, der Fürst des
Nordens, Kunlun mit seinen Männern stellt und ihn zur Herausgabe der Prinzessin
auffordert. Die Prinzessin verliebt sich in den edlen Retter, doch gibt sich
der General als ihr vermeintlicher Held aus. Die Prinzessin glaubt in ihm ihren
Helden zu erkennen und gesteht ihm ihre Liebe. Der General erwidert diese, doch
auch Kunlun hat sich unsterblich in sie verliebt. Allerdings ist die Prinzessin
sich nach wie vor bewusst, dass ihre Liebe nie vollendet werden kann. Es sei
denn, die Zeit läuft rückwärts, Schnee fällt im Frühling und Tote erwachen
wieder zum Leben…
Kritik:
Chen Kaige hat sein Werk nach Motiven der Wuxia-Liebesgeschichte
„Kunlun Nu“ von P’ei Hsing aus dem 9. Jahrhundert der Tang-Dynastie
inszeniert und ist der erste chinesische Film, der exzessiv digitale
Spezialeffekte einsetzt, wobei ganze Sequenzen am Computer entstanden sind.
Dass diese längst nicht so realistisch ausfallen wie in Hollywood-Blockbustern
jener Zeit, die mit dieser Technik bereits weitaus souveräner umzugehen wussten
– siehe „Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith“ (2005) -, gehört
zu den großen Schwachpunkten von Kaiges Fantasy-Spektakel, das üppig mit
chinesischer Folklore und wunderbaren Landschaften bestückt ist, aber auf der
einen Seite unnötig vertrackt in der Plot-Entwicklung und auf der anderen Seite
sehr eindimensional in der Figurenzeichnung ausfällt. Weniger als die
romantische Geschichte sind es schließlich die Kampfszenen, die für die
eigentlichen Unterhaltungswerte von „Wu Ji – Die Reiter der Winde“ sorgen
– zu wenig für eine vergleichsweise teure Produktion.

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