Hammett

Mit Romanen wie „Rote Ernte“ (1929), „Der Malteser Falke“ (1930) und „Der dünne Mann“ (1934) avancierte der Krimi-Autor Dashiell Hammett (1894-1961) noch vor Raymond Chandler und Ross Macdonald zum Aushängeschild des Hardboiled-Detektivromans. Nicht zuletzt John Hustons legendäre Verfilmung von „Der Malteser Falke“ (1941) mit Humphrey Bogart in der ikonischen Verkörperung des Privatdetektivs Sam Spade hob das Werk in den Kanon unsterblicher Krimiklassiker. 1982 verfilmte Wim Wenders mit „Hammett“ die fiktive Lebensgeschichte von Dashiell Hammett und verwob sie mit Motiven seiner Werke. Niemand Geringeres als „Der Pate“-Schöpfer Francis Ford Coppola holte Wenders nach Hollywood, nachdem er dessen Film „Der amerikanische Freund“ gesehen hatte (und nachdem seine Wunschkandidaten Nicolas Roeg und François Truffaut abgesagt hatten), doch nahm er als ausführender Produzent so viel Einfluss auf den Film, dass „Hammett“ kaum noch als Wenders-Film zu erkennen ist. Unterhaltsam ist er dennoch.

Inhalt:

San Francisco, Kalifornien, im Jahr 1928: Dashiell Hammett (Frederic Forrest), ein ehemaliger Privatdetektiv der Agentur Pinkerton verdient sich mittlerweile seinen Lebensunterhalt mit ebenso billigen wie populären Kriminalgeschichten für das Pulp-Magazin Black Mask ist mit 34 Jahren ein alkoholabhängiger, tuberkulöser Kettenraucher. Gerade hat er wieder eine seiner schrägen Geschichten beendet und will sie noch schnell in den Briefkasten werfen. Er lebt von Frau und Familie getrennt in einem kleinen Apartment und beendet soeben einen Roman, als ihn sein alter Freund Jimmy Ryan (Peter Boyle) aufsucht. Der fordert von dem Autor einen Gefallen, den ihm jener aus alten Pinkerton-Tagen noch schuldig blieb. Ryan ist auf der Suche nach der chinesischen Prostituierten Crystal Ling (Lydia Lei) und Hammett soll ihm helfen, sie zu finden. Nach anfänglichem Zögern willigt Hammett ein. Schließlich hat er überall Bekannte und Freunde, die ihm Tipps geben könnten, wo die Frau sich aufhält. Nachdem Sie bei Hammetts Nachbarin Kit Conger (Marilu Henner) noch eine Bestellung für „Booze“ aufnahmen, begeben sie sich nach Chinatown. Doch werden sie verfolgt, bei einem Schusswechsel getrennt, und Hammett verliert im Getümmel sein Manuskript, bevor Lieutenant O’Mara (R.G. Armstrong) Hammett nahelegt, Crystal Ling aus seinem Gedächtnis zu streichen. Doch der alte Spürhund in ihm ist längst zu neuem Leben erwacht. Daher merkt er auch sehr schnell, dass er von einem gefährlich aussehenden Burschen verfolgt wird. Langsam schwant Hammett, dass er einem großen Fall auf der Spur ist. Es geht um Sex und Erpressung, um Moral, Mord und Macht… Als sich Hammett nun auf die Suche nach zwei Menschen begibt, tritt ihm der dubiose Gary Salt (Jack Nance) in den Weg und behauptet, etwas zu wissen, das für Jimmy Ryan von Interesse sei…

Kritik:

Es wäre interessant gewesen zu sehen, wie „Hammett“ auf der Leinwand ausgesehen hätte, wenn Wenders seine Visionen für den Film hätte durchsetzen können. Er hätte den Film nämlich in Schwarzweiß, mit anderen Schauspielern und mit der Musik von Ry Cooder inszeniert. Doch Coppola und das Studio bestanden auf eine Kürzung des Materials um 40 Minuten, auf prominentere Darsteller, Farbe und John Barry als Komponist. Dass „Hammett“ eine schwierige Geburt über vier Jahre Produktionsgeschichte war, sieht man dem fertigen Film allerdings kaum an. Wenders gelingt es auch so, mit der Direktive der Geldgeber einen herrlich vertrackten Noir-Krimi zu schaffen, der geschickt verbürgte Grundzüge aus Hammetts Leben mit seinem Wirken zu vermischen, so dass auch Hammetts alter Freund Jimmy Ryan gelegentlich fragen muss, ob er nun mit dem Schriftsteller oder dem Detektiv spricht. Die Handlung ist wie für einen Hammett-Roman typisch turbulent, verworren und witzig. Dabei stimmt nicht nur die Chemie zwischen dem 45-jährigen Frederic Forrest („Apocalypse Now“, „Der Dialog“) und Marilu Henner („Taxi“, „L.A. Story“), sondern der Film wartet auch mit einigen netten Cameo-Auftritten von Elisha Cook jr. (der bereits 1941 an der Seite Humphrey Bogarts in „Die Spur des Falken“ dabei war und als Taxifahrer Eli auftritt), Samuel Fuller, Royal Dano und Sylvia Sidney. Zwar ist „Hammett“ damals bei Kritik und Publikum durchgefallen, hat sich mit der Zeit aber zu einem kleinen Kultfilm entwickelt, der gut gealtert ist.

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