Seit seinem gefeierten Debüt mit „American Diner“
(1982) hat sich Barry Levinson mit hochkarätig besetzten Filmen wie „Der
Unbeugsame“ (1984), „Good Morning, Vietnam“ (1987), „Rain Man“
(1988), „Enthüllung“ (1994) und „Sleepers“ (1996) zu einem der profiliertesten
Filmemacher Hollywoods etabliert, allerdings gingen auch einige Rohrkrepierer
wie „Neid“ (2004), „Man of
the Year“ (2006) und „Inside Hollywood“ (2008)
auf seine Kappe. In den 2010er Jahren hat er dagegen mit einigen für HBO
entwickelten Biopics wieder seine Reputation zurückgewinnen können, u.a. mit
dem Drama „The Wizard of Lies“ (2017) mit Robert De Niro und Michelle
Pfeiffer in den Hauptrollen.
Inhalt:
Der skrupellose Investmentunternehmer Bernard L. Madoff (Robert
De Niro) betrügt seine Klienten mit dem Ponzi-Schema und steckt das Geld in
seine eigene Tasche. Auf diesem Wege erschleicht er sich etwa 65 Milliarden
Dollar. Für die Opfer dieser Methode bleibt nur der finanzielle Ruin. Doch als
Investoren ihre Einlagen zurückfordern, bricht das Schneeball-System zusammen:
Im Dezember 2008 kommt es schließlich zum Sturz des Wall-Street-Finanziers. Der
Milliardenbetrüger wird vom FBI verhaftet, von der Bundesbörsenaufsichtsbehörde
(SEC) verklagt und an den medialen Pranger gestellt, wobei auch seine Ehefrau
Ruth (Michelle Pfeiffer) sowie seine Kinder Andrew (Nathan Darrow)
und Mark (Alessandro Nivola), die ebenfalls von ihrem Vater betrogen
wurden, in das Licht der Öffentlichkeit rückten – mit tragischen Konsequenzen…
Kritik:
Nach dem Sachbuch der Finanzjournalistin Diana Henriques,
die in „The Wizard of Lies“ sich selbst spielt, als sie Madoff im
Gefängnis interviewt, hat Barry Levinson ein eindringliches Portrait von
dem Mann inszeniert, der nicht nur an die 5000 Menschen um rund 65 Milliarden
Dollar betrogen und damit ihre Existenz zerstört hat, sondern auch seine eigene
Familie über seine betrügerischen Methoden bis zuletzt im Unklaren ließ. Eingeführt
von der Journalistin, der Madoff im Gefängnis ein sehr offenes Interview
gestattete, beginnt der Film damit, dass Madoffs Söhne und sein Bruder, die
ebenfalls in seiner Firma arbeiten, eine Erklärung von ihm verlangen, warum er
bereits im Dezember Boni in Millionenhöhe an seine Mitarbeiter auszahlen will.
Madoff lässt darüber nicht mit sich reden, bestellt seine Familie aber zu einem
klärenden Gespräch zu sich nach Hause, wo er offenbart, dass die Fonds nicht
existieren, in die er angeblich das Vermögen seiner Kunden eingezahlt hat, und
er sich selbst anzeigen will. Um nicht der Komplizenschaft mitangeklagt zu
werden, kommen Madoffs Söhne ihm zuvor. Fortan konzentriert sich Levinson
darauf aufzuzeigen, was der Prozess, die Wut der betrogenen Menschen und das
Medieninteresse nicht nur mit Madoff selbst, sondern vor allem mit seiner Frau
und seinen Söhnen samt ihren Familien machen. Gerade Madoffs Frau und Söhne
müssen sich mit dem Vorwurf der Öffentlichkeit auseinandersetzen, in die
Machenschaften des einflussreichen Wall-Street-Unternehmers eingeweiht gewesen
zu sein, weshalb sich die Familie zunehmend selbst zerfleischt und voneinander
isoliert. Beeindruckend ist das Drama vor allem in der eindringlichen Sachlichkeit
und den brillanten Darstellungen des Ensembles.
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