Venus im Pelz

Im Jahr 1870 hat Leopold von Sacher-Masoch mit der Novelle „Venus im Pelz“ als Teil des unvollendeten Zyklus „Das Vermächtnis Kains“ eine stark biografische Erzählung über die extremen Wechselbäder der Gefühle veröffentlicht, die der „Sklave“ Severin von Kusiemski durch seine Herrin Wanda erfährt, die ihn in ihrer feminin-dominanten Rolle als Venus im Pelz an seine körperlichen und geistigen Grenzen treibt. Die Geschichte wurde bereits mehrfach verfilmt, u.a. 1969 durch Jesus Franco mit Klaus Kinski. 2013 nahm sich schließlich Roman Polanski („Der Mieter“, „Tanz der Vampire“) auf der Grundlage von David Ives‘ Bühnenstück von 2010 an. 

Inhalt:

Der Pariser Theaterregisseur und -autor Thomas (Mathieu Amalric) sucht für seine Inszenierung einer eigenen Bühnenbearbeitung des Romans „Venus im Pelz“ noch die ideale Besetzung für die weibliche Hauptrolle Vanda. Nach dem Casting einiger Bewerberinnen ist Thomas allerdings frustriert, da keine der Damen seinen Vorstellungen entsprach. Er will gerade das Theater verlassen, als Vanda (Emmanuelle Seigner) aufgeregt hereingestürmt kommt. Sie entschuldigt sich konfus für die Verspätung und bettelt ihn förmlich an, sie trotzdem noch vorspielen zu lassen. Der Intellektuelle ist skeptisch, sein erster Eindruck von der leicht vulgären und wenig gebildeten Frau ist nicht unbedingt positiv. Doch schließlich gibt er ihr die Chance und übernimmt bei der Probe selbst die Rolle des Severin. Als die beiden auf der Bühne stehen, verschwimmen die Grenzen zwischen Stück und Realität zunehmend, es kommt zu einem regelrechten Duell zwischen der Schauspielerin und dem Regisseur, zwischen der Frau und dem Mann...

Kritik:

Seit seinem Langfilmdebüt mit „Das Messer im Wasser“ (1961) hat Roman Polanski in Filmen wie „Der Tod und das Mädchen“ und „Bitter Moon“ bis zu „Der Gott des Gemetzels“ die Wechselwirkung innerhalb ausgefeilter Macht- und Rollenspiele untersucht. In dieser Hinsicht bietet die Vorlage von Sacher-Masoch den idealen Stoff, um dieses Thema zu vertiefen. Wie David Ives inszeniert Polanski die Geschichte als Zwei-Personen-Stück auf einer Theaterbühne, wobei Polanskis Ehefrau Emmanuelle Seigner und Mathieu Amalric als äußerlich dem Regisseur sehr ähnlichen Darsteller ein grandios agierendes Duo zur Verfügung steht, das fast unmerklich die Verlagerung der Rollen nicht nur in dem Stück, sondern auch von Regisseur und Schauspielerin herausarbeitet. Bettelt die zunächst so vulgär wirkende Vanda zu Beginn noch um ihre Chance, für die Rolle vorsprechen zu können, übernimmt sie im Verlauf des Vorsprechens eine immer dominantere Rolle, weil sie den anfangs noch genervten Regisseur durch ihre ungeahnte Professionalität überrascht. Mit ihrem überzeugenden Spiel gelingt es Vanda, Thomas immer mehr in die Ecke zu treiben und ihn sogar davon zu überzeugen, selbst die Rolle der Vanda zu übernehmen, was ihr die Möglichkeit bietet, die Kontrolle über ihn zu übernehmen. Schließlich verschwimmen die Rollen von Regisseur und Schauspielerin mit denen der realen Menschen, beginnt auch die erotische Komponente entscheidend dazu beizutragen, die Machtverhältnisse zwischen Thomas und Vanda auf den Kopf zu stellen. Das ist intelligent zwischen Ironie und Ernsthaftigkeit inszeniert und glänzend von den beiden versierten Darstellern umgesetzt. Ein breites Publikum wird man mit diesem Bühnenstück auf Zelluloid nicht fesseln können, wohl aber intellektuell versierte Zuschauer mit ausgeprägtem Interesse für den Krieg der Geschlechter.
"Venus im Pelz" in der IMDb

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