In den 1880er bis in die 1910er Jahre hinein trieb eine
Bande namens Peaky Blinders im englischen Birmingham ihr Unwesen. Die
Gang bestand größtenteils aus jungen Kriminellen aus der Unter- und Mittelschicht,
die sich durch Raub, Erpressung, illegale Buchmachergeschäfte, die Kontrolle
von Glücksspielen und gewaltsame Landübernahmen bereicherten und durch ihr aus
maßgeschneiderten Jacken, Mänteln mit Revers, geknöpften Westen, Seidenschals,
Schlaghosen, Lederstiefeln und Schirmmützen bestehenden Outfit auffielen. Steven
Knight („Kleine schmutzige Tricks“, „No Turning Back“) kreierte vor
diesem geschichtlichen Hintergrund die eindrucksvoll ausgestattete und stark
besetzte Serie „Peaky Blinders“, deren erste Staffel 2014 ausgestrahlt
wurde.
Inhalt:
Die nordenglische Industriemetropole Birmingham im Jahr
1919: Wer von den Söhnen der Stadt von den Schlachtfeldern des Ersten
Weltkrieges zumindest körperlich weitgehend unversehrt zurückgekehrt ist, trägt
mehr oder weniger schwer an den seelischen Wunden, die sich in epileptischen
Anfällen, Gewaltausbrüchen oder Opiumkonsum Ausdruck verschaffen. So ergeht es
auch den Shelbys, vor dem Krieg Mitglieder der gefürchteten, offiziell von
Arthur (Paul Anderson), eigentlich aber von seinem cleveren Bruder Tommy
(Cillian Murphy) und Aunt Polly (Helen McCrory) angeführten Gang
der Peaky Blinders, die nun versuchen, das kriminelle Regiment in ihrem
Viertel und ihrer Stadt wieder in die Hand zu nehmen, wobei sie es auf den
lukrativen Markt der Pferdewetten abgesehen haben. Der liegt jedoch noch in
fester Hand von Billy Kimber (Charlie Creed-Miles) und seinen wenig
zimperlichen Männern. Durch den unverhofften Erwerb von schweren Maschinengewehren
und entsprechender Munition scheinen die Peaky Blinders, deren Markenzeichen
Ballonmützen sind, die durch die eingenähten Rasierklingen zu gefährlichen
Waffen werden und mit denen die Peaky Blinders ihre Gegner auch blenden
können (daher resultiert auch der Name der Gang), sich einen Vorteil verschafft
zu haben. Doch nicht nur Abgesandte der IRA sind hinter den Waffen her, auch
Chief Inspector Chester Campbell (Sam Neill) hat sich im Auftrag Winston
Churchills an die Fersen der gefürchteten Gang geheftet. Dieser schleust seine
entfernte Verwandte, die aus Irland stammende und überaus attraktive Grace
Burgess (Annabelle Wallis) als Kellnerin im „Garrison“, dem Stützpunkt
der Peaky Blinders, ein. Außerdem hat sich Ada (Sophie Rundle),
die Schwester der drei Shelby-Brüder in den kommunistischen Agitator Freddy
Thorne (Iddo Goldberg) verliebt, der dem Treiben seiner drei Schwager in
spe mehr als nur kritisch gegenübersteht…
Kritik:
Bereits nach den ersten Szenen der Auftaktfolge wird deutlich,
dass Steven Knight bei seiner Serienschöpfung auf einen coolen Look Wert
legt. Mit den groovigen Klängen von Nick Cave & The Bad Seeds mit
dem Titelsong „Red Right Hand“, einer stimmungsvollen Fotografie und
aufwendiger Ausstattung scheint „Peaky Blinders – Gangs of Birmingham“
Vorbildern wie Martin Scorseses „Gangs of New York“ oder „Boardwalk
Empire“ nachzueifern. Schnell werden auch die Personen und ihre Beziehungen
zueinander vorgestellt, so dass das Konfliktpotenzial offen zutage tritt. Allerdings
bleibt dabei vieles formelhaft und oberflächlich. Zwar wird der Konflikt zwischen
den beiden Kriegskameraden Tommy und Freddy deutlich, aber wir sehen Freddy immer
nur mit stumpfen Parolen seine Kameraden zum Streik zu überreden. Auch Tommy
direkte Kontrahenten bleiben eindimensional. Immerhin darf Sam Neill („Das
Piano“, „Jurassic Park“) als ambitionierter Chief Inspector auch Gefühle
zeigen und seiner Assistentin Grace den Hof machen lassen, darüber hinaus
beschränkt sich die Handlung der ersten Staffel vor allem auf die
Auseinandersetzungen mit Buchmachern und der Lee-Gang sowie innerfamiliären Konflikten
bei den Shelbys. Das ist launig genug inszeniert und vor allem gut genug gespielt,
um am Ball zu bleiben.
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