Miss Julie
Das 1888 entstandene Theaterstück „Fröken Julie“ ist
das meistgespielte Stück des schwedischen Schriftstellers August Strindberg,
das seit 1912 auch mehrmals verfilmt worden ist, u.a. als „Miss Julie“
(1999) von Mike Figgis, der zuvor durch Dramen wie „Stormy Monday“, „Internal
Affairs“ und „Leaving Las Vegas“ bekannt geworden ist. In seiner
Verfilmung blieb der Brite der Bühnenvorlage sehr treu und inszenierte das Drama
über Klassenunterschiede, den Geschlechterkampf sowie Liebe und Lust mit Peter
Mullan und Saffron Burrows in den Hauptrollen.
Inhalt:
Schweden zur Mittsommernacht 1894. Während der Graf des
Hauses unterwegs ist, richtet seine junge und unerfahrene Tochter Julie (Saffron
Burrows) ein Fest für die Bediensteten des Hauses aus. Dabei lässt sie es sich
nicht nehmen, den intelligenten Stallmeister Jean (Peter Mullan) gleich
mehrmals zum Tanz zu bitten, was Jeans Verlobten Christine (Maria Doyle
Kennedy) nicht gutheißt, aber kaum ändern kann. Während sie nach einem
arbeitsreichen Tag in einem Schaukelstuhl in der Küche einschläft, versucht Jean
die Tochter des Grafen für seine Zwecke einzuspannen. Schließlich plant der
ehemalige Weinkellner, ein eigenes Hotel zu betreiben. Da ihm dafür natürlich
die finanziellen Mittel fehlen, versucht er die labile Julie zu verführen, was
ihm am Ende auch gelingt.
Doch nach dem schnellen Sex werden die Karten neu gemischt.
Beide haben sich nun gegenseitig in der Hand, schwanken zwischen Hingabe und
Abscheu, zwischen romantischen Fantasien der Flucht in ein fernes Paradies am
Comer See sowie der Kapitulation vor den gesellschaftlichen Realitäten. Doch
als Christine am nächsten Morgen entdeckt, was ihr Verlobter und Miss Julie
getrieben haben, nimmt sie die Dinge selbst in die Hand…
Kritik:
Als August Strindberg sein naturalistisches
Trauerspiel Ende der 1880er Jahre veröffentlichte, stand in dem Skandalstück
die Affäre zwischen zwei Menschen unterschiedlicher Klassen ebenso im
Vordergrund, wie es das bei Mike Figgis tut, der das Kammerspiel fast ausschließlich
in der Küche des Herrenhauses mit dem begrenzten Ensemble aus der titelgebenden
Miss Julie und den standesniederen Angestellten Jean und Christine inszeniert
hat. Gerade in dem pointierten Spiel von Saffron Burrows („Troja“, „Bank
Job“) und Peter Mullan („Braveheart“, „Trainspotting“) wird das
Wechselspiel von Lust und Macht genüsslich und berechnend ausgespielt, so dass
man nie so recht voraussagen kann, wer am Ende die Zügel in der Hand behält. Die
geschickt eingesetzte Kamera und die sparsam akzentuierende Musik (die Figgis
wieder einmal selbst eingespielt hat) sorgen dafür, dass das Drama auch als
Film gut funktioniert, auch wenn „Miss Julie“ kein Meisterwerk geworden
ist.

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