Richard Gere hat bereits in Jim McBrides „Atemlos“
(1983) in einem Remake eines Nouvelle-Vague-Klassikers (Jean-Luc Godards
„Außer Atem“, 1960) mitgewirkt, gut zwanzig Jahre später ist es
Erotik-Thriller-Veteran Adrian Lyne („Eine verhängnisvolle Affäre“,
„Ein unmoralisches Angebot“), der den Hollywood-Beau in einer weiteren
Adaption eines französischen Klassikers besetzt. „Untreu“ ist das Remake
von Claude Chabrols „Die untreue Frau“ (1968) und setzt mehr auf
den erotischen Aspekt einer verhängnisvollen Affäre.
Inhalt:
Connie (Diane Lane), Ehefrau des reichen
Geschäftsmannes Edward Sumner (Richard Gere), lebt zusammen mit dem
gemeinsamen achtjährigen Sohn (Erik Per Sullivan) und einer Haushälterin
einem gepflegten New Yorker Vorort den amerikanischen Traum. Als sie zum
Shoppen in die Stadt fährt und von einem Sturm überrascht wird, prallt sie mit
dem jungen, anziehenden Paul (Olivier Martinez) in Soho zusammen, der
ihr anbietet, ihre Wunden am Knie in seinem Apartment zu reinigen. Nach kurzem
Zögern nimmt Connie das Angebot des Franzosen an, der in der Wohnung eines
befreundeten Bildhauers lebt und Buchhändler ist. Nachdem sie ihre Wunden im
Badezimmer versorgt hat, verabschiedet sie sich nach einer kurzen Berührung
ihrer Hände von dem verführerisch schönen Mann, nimmt aber seine Nummer mit. Wenig
später lässt sie sich auf eine leidenschaftliche Affäre mit Paul ein und
vernachlässigt ihre Ehe, was ihrem aufmerksamen Mann nicht entgeht. Als er
durch einen Privatdetektiv seinen Verdacht bestätigt bekommt, dass Connie
fremdgeht, kommt es zur Katastrophe…
Kritik:
Adrian Lyne weiß aus Erfahrung seiner früheren
Blockbuster, wie er sinnliche Erotik im Zusammenhang mit psychologischen Dramen
auf der großen Leinwand zu inszenieren hat. In „Untreu“ steht der Sturm,
der Connie in den Straßen von Soho von den Beinen holt, sinnbildlich für die
emotionale Wucht, die ihr in Gestalt des charmanten und attraktiven Franzosen
Paul gegenübertritt. Der Verstand setzt aus, die Routine eines geregelten,
allerdings auch erstarrten Ehelebens wird aufs Spiel gesetzt, die Lust regiert,
das Drama nimmt seinen Lauf. Adrian Lyne stellt geschickt die luxuriöse,
aber langweilige Welt des New Yorker Vorstadtlebens und das von Bücherstapeln überbordende
Loft im Künstler-Viertel Soho, die Ehe und die Affäre, das Konventionelle und
das aufregend Neue, ehelichen Routine-Sex und leidenschaftlichen Affären-Sex
gegenüber und zeigt dabei auf, welche dramatischen Folgen diese gedankenlose,
rein sinnliche Entscheidung nach sich zieht. Während Paul als
leidenschaftlicher Verführer vor allem die Projektionsfläche für Connies
unerfüllten Sehnsüchte dient, erleben wir die Affäre und deren Folge vor allem
aus ihrer Perspektive, was durch den gefühlvollen, Piano-dominierten Score von Jan
A.P. Kaczamarek („Am Ende des Weges“, „Wenn Träume fliegen lernen“).
Immer wieder verfolgen wir, wie Connie in Rückblicken die sinnlichen Momente
mit ihrem Geliebten rekapituliert, aber auch im Zusammensein mit ihren
Freundinnen daran erinnert wird, dass Affären immer in Katastrophen enden. Sowohl
Diane Lane („Untraceable“, „Der Sturm“) als auch Richard Gere
(„Ein Offizier und Gentleman“, „Pretty Woman“) überzeugen als über die
Jahre vertrautes Ehepaar, das durch die überstürzte Affäre der Frau sein Glück
aufs Spiel setzt. Dazu ist das Erotikdrama großartig fotografiert und souverän
inszeniert.
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