Ein Aufstand alter Männer
Als ehemaliger Assistent von den französischen Filmemachern Louis
Malle, Jean-Pierre Melville und Alain Resnais richtete sich die
Karriere des deutschen Autorenfilmers Volker Schlöndorff nach dem mit
der Goldenen Palme und dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film prämierten
Meisterwerk „Die Blechtrommel“ (1979) weiterhin international aus. So
entstand nach den international besetzten Verfilmungen von Marcel Prousts
„Eine Liebe von Swann“ (1984) und Arthur Millers Theaterstück „Tod
eines Handlungsreisenden“ (1985) das in Louisiana realisierte Drama „Ein
Aufstand alter Männer“ (1987) nach einem Roman von Ernest J. Gaines.
Inhalt:
Louisiana zu Beginn der 1970er Jahre: Der böswillige, einem
einflussreichen Cajun-Clan angehörende Farmer Beau (Richard Whaley) hat
es einmal mehr auf den schwarzen Arbeiter Charlie (Walter Breaux) abgesehen,
doch diesmal begnügt er sich nicht mit den obligatorischen Erniedrigungen, sondern
verfolgt den armen Mann nicht nur mit dem Traktor, sondern auch mit seiner
geladenen Flinte vor sich her. Zwar kann sich Charlie noch rechtzeitig im
Schuppen des alten Mathu (Louis Gossett Jr.) flüchten, doch Beau lässt
nicht von ihm ab und zielt mit seinem Gewehr durch den Türspalt auf den
verzweifelten Mann. Der Schuss, der dann fällt, wird allerdings aus dem
Schuppen abgefeuert und streckt Beau tödlich getroffen nieder. Charlie
beschwört daraufhin von gewaltiger Furcht ergriffen ein bedrohliches
Lynch-Szenario der Cajuns herauf, die von Rachsucht erfüllt die schwarze
Bevölkerung heimsuchen, um Beau zu rächen, während Mathu bereits die
Verantwortung für die Tat übernommen hat und den panischen Charlie fortschickt,
damit er sich verstecken kann.
Auf Veranlassung der jungen, starrköpfigen Candy (Holly
Hunter), der das umliegende Land gehört und die seit ihrer frühen Kindheit
in herzlicher Verbindung insbesondere zu Mathu und seiner Frau, aber auch sonst
zu den schwarzen Bewohnern steht, strömen die alten Männer der Umgebung, die
seit jeher Nachbarn sind, mit ihren Gewehren herbei, aus denen sie alle einen
Schuss abfeuern. Um die Ereignisse zu bezeugen, ruft sie auch den örtlichen Journalisten
Lou Dimes (Will Patton) dazu. Als Sheriff Mapes (Richard Widmark)
sich der Sache annimmt, bekommt er es mit einem Haufen starrköpfiger Männer zu
tun, die allesamt behaupten, sie hätten Beau erschossen…
Kritik:
„Ein Aufstand alter Männer“ wirkt von Beginn an wie
ein klassisches Drama um Rassendiskriminierung, doch haben sowohl Romanautor Gaines
als auch die versöhnlichere Drehbuchvorlage von Charles Fuller den
deutlich ausgeprägten Konflikt zwischen den weißen Landbesitzern und den
schwarzen Arbeitern durch einen gewieften Trick auf eine andere Stufe erhoben.
Indem sich nämlich eine Weiße für die Schwarzen starkmacht und die Idee verbreitet,
jeder der alten schwarzen Männer habe mit seinem Gewehr den weißen Farmer
erschossen, verhindert sie die angedrohte Lynchjustiz. Nach dem blutigen
Auftakt, der mit der ungeheuerlichen Ermordung eines Weißen durch einen
Schwarzen endet, konzentriert sich die Handlung auf die unermüdlichen Versuche
des altgedienten Sheriffs Mapes, den wahren Täter zu identifizieren, um ihm
schließlich einem ordentlichen Gerichtsverfahren zuzuführen. Dass Candys Sorge
um einen Lynchmob nicht unberechtigt sind, muss auch Mapes anerkennen, als der Hitzkopf
Luke Will (Al Shannon) auf der Bühne erscheint. Es sind die ausgefeilten
Dialoge, mit denen die Würde und Ehre der Schwarzen thematisiert werden und die
dem Drama inmitten der trostlosen Kulisse seine emotionale Intensität verdankt.





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