Ein Leben für den Tod
Der 1928 in Pontiac, Michigan, geborene Pathologe Jack
Kevorkian wurde durch seinen energischen Kampf für das „Recht zu sterben“
bekannt, bei dem er nach eigenen Angaben mehr als 130 Menschen bei ihrer Selbsttötung
unterstützt hat und ihm dem Spitznamen „Dr. Tod“ einbrachte. Barry Levinson
(„Rain Man“, „Sleepers“) verfilmte mit „Ein Leben für den Tod“ Kevorkians Kampf um das Recht
todkranker Menschen, ihren Todeszeitpunkt selbst zu bestimmen vor allem auch
als Auseinandersetzung vor etlichen Gerichten. Al Pacino gewann für
seine eindringliche Darstellung des umstrittenen Pathologen sowohl einen Golden
Globe als auch einen Primetime Emmy.
Inhalt:
Seit der ehemalige Pathologe Dr. Jack Kevorkian (Al
Pacino) das lange und schmerzvolle Sterben seiner Mutter erleben musste, setzt
er sich in der Folge für ein humanes Sterben bei todkranken Menschen durch
assistierten Suizid ein. Er entwickelt eine Apparatur, die es durch eine
zeitversetzte Infusion von Thiopental und Kaliumchlorid schwerkranken Menschen
ermöglicht, den letzten Schritt zur Selbsttötung eigenständig durchzuführen.
Dabei wird er von seiner älteren Schwester Margo Janus (Brenda Vaccaro),
durch seinen Freund Neal Nicol (John Goodman) und von der Aktivistin
Janet Good (Susan Sarandon) unterstützt.
Seine erste Patientin ist die an Alzheimer erkrankte Janet
Adkins, die in Anwesenheit von Kevorkian in einem VW-Bus die Apparatur verwendet,
um ihrem Leben ein Ende zu setzen. Als sich Kevorkians Vorgehen durch ein Radiointerview
herumspricht, wenden sich immer mehr Todkranke und ihre Angehörige an Kevorkian,
der – um sich abzusichern – die ausdrücklichen Sterbewünsche seiner Patienten
auf Video festhält. Der Staatsanwalt Dick Thompson (Cotter Smith) wird
auf ihn aufmerksam und klagt ihn an, worauf der prominente Strafverteidiger
Geoffry Fieger (Danny Huston) die Dimensionen des Falls erkennt und sich
bereit erklärt, Kevorkian ohne Provision vor Gericht zu vertreten; darüber
hinaus nutzt er geschickt die Medien für sich und seinen Mandanten. In einem
aufsehenerregenden Prozess wird Kevorkian freigesprochen. Doch Thompson lässt
nicht locker und zieht immer wieder vor Gericht, um Kevorkian das Handwerk zu
legen, wovon sich der Arzt aber auch durch einen Hungerstreik in
Untersuchungshaft nicht beeindrucken lässt.
Durch die Medien als Dr. Death bekannt, leistet er bei 129
Menschen Sterbehilfe. Sogar Good nimmt die Hilfe ihres Freundes Kevorkian in
Anspruch, als sie unheilbar an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt ist. Um das
bestehende Gesetz zur Sterbehilfe außer Kraft zu setzen und das Thema vor den
obersten Gerichtshof zu bringen, leistet er bei seinem 130. Patienten erstmals aktive
Sterbehilfe…
Kritik:
Ähnlich wie später in seinem ebenfalls für HBO entstandenen
und mit Al Pacino umgesetzten Biopic „Paterno“ (2018) setzt Barry
Levinson in dem biografischen Drama „You Don’t Know Jack“, das
hierzulande unter dem Titel „Ein Leben für den Tod“ im Fernsehen lief,
erst an dem Zeitpunkt mit seiner Geschichte ein, als Kevorkian im Alter
von 61 Jahren bereits seine erste Patientin beim selbstbestimmten Sterben
begleitet. Levinson vermeidet es, ähnlich wie später bei „Paterno“,
Stellung zu beziehen, sondern konzentriert sich darauf, wie Kevorkian und sein
medienerfahrener Anwalt Fieger ihr Ansinnen populär zu machen versuchen und
dabei auch das sogenannte „gemeine Recht“ auf den Prüfstand zu stellen, nachdem
es Ärzten untersagt ist, Sterbehilfe zu leisten. Doch auch ohne eindeutig
Stellung zu beziehen, sprechen die Bilder der oft von schwer erträglichen
Schmerzen und Bewegungsunfähigkeit geplagten Todkranken für sich. Natürlich
handelt sich Kevorkian durch sein forsches Vorgehen Ärger mit den Kirchen und
den Gesetzesvertretern ein, und so ist vor allem der Diskurs spannend, wie das
Recht des Einzelnen auf ein selbstbestimmtes Leben – und Sterben – mit den geltenden
Gesetzen in Einklang zu bringen ist. Al Pacino, der sich zur
Vorbereitung auf seine Rolle mit Kevorkian getroffen hat, spielt den Mann
mit unbändiger Leidenschaft für die Sache. Und auch wenn Kevorkian am Ende für
seine aktiv verübte Sterbehilfe ins Gefängnis musste, ist in den USA
mittlerweile in vielen Bundesstaaten ärztlich assistierter Suizid (Death
with Dignity) legal.
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