Rosemary’s Baby
Seit der Verfilmung seines Romans „A Kiss Before Dying“
im Jahr 1956 sind die Werke des New Yorker Autors, Dramatikers und Lyrikers Ira
Levin immer wieder erfolgreich verfilmt worden, darunter „Die Frauen von
Stepford“, „The Boys From Brazil“ und „Sliver“. Als sein
bekanntester Roman dürfte allerdings der psychologische Horror-Roman „Rosemary’s
Baby“ gelten – nicht zuletzt durch die kongeniale Verfilmung durch Roman
Polanski („Der Mieter“, „Ekel“) im Jahr 1968, der damit nicht nur
seinen erfolgreichen Hollywood-Einstand feierte, sondern auch Hauptdarstellerin
Mia Farrow den Durchbruch verschaffte.
Inhalt:
Der Schauspieler Guy Woodhouse (John Cassavetes) und
seine junge Frau Rosemary (Mia Farrow) beziehen ein geräumiges,
gemütliches Appartement in einem älteren mehrstöckigen Haus in New York, das
zuvor von einer älteren Dame bewohnt wurde, die im Krankenhaus verstorben ist. Während
Guy versucht, neue Rollen zu ergattern, sich aber meist mit Werbespots begnügen
muss, richtet Rosemary die neue Wohnung ein, verpasst ihr einen hellen Anstrich,
eine freundliche Atmosphäre.
Sehr bald machen sie die Bekanntschaft mit einem älteren
Ehepaar, Minnie und Roman Castevet (Ruth Gordon und Sidney Blackmer),
die sich als sehr freundlich und zuvorkommend, aber auch mäßig bis übermäßig
aufdringlich erweisen, besonders Minnie.
Durch Hutch (Maurice Evans), einem alten Freund der
Woodhouses, erfährt das junge Paar, dass sich um die Jahrhundertwende und auch
später in dem Haus merkwürdige und schreckliche Dinge ereignet hätten, u.a.
Kannibalismus; später habe ein gewisser Adrian Marcato, der sich der Hexerei
verschrieben habe, einen Mord begangen. Rosemary und Guy beeindruckt das zunächst
nicht sonderlich. Doch nachdem sich eine junge Frau, die Rosemary in der
Waschküche kennen gelernt hatte und die von den Castevets aufgenommen worden
war, aus dem Fenster gestürzt hat, kommt es zu weiteren mysteriösen
Ereignissen.
Nach dem Verzehr einer Schokoladenmousse von Minnie, die
Rosemary zunächst wegen des unangenehmen Beigeschmacks nicht essen wollte, wird
ihr schwindlig; sie fällt in einen fiebrigen Schlaf und träumt, vom Teufel geschwängert
zu werden, während die Castevets und ihre Freunde, auch Guy, dabei zusehen. Am
nächsten Morgen erzählt ihr Guy, er habe „sie im Schlaf ein bisschen
geschändet“, er habe die Chance, ein Baby zu zeugen, nicht verpassen wollen.
Tatsächlich ist Rosemary schwanger. Minnie schenkt ihr ein
Amulett, eine Kugel, in der sich Teile einer übelriechenden (Tanis-)Wurzel
(Hexenpfeffer) befinden. Das soll ihr Glück für die Schwangerschaft bringen.
Sie ist es auch, die Rosemary und Guy dazu überredet, sich Dr. Sapirstein (Ralph
Bellamy) anzuvertrauen, statt bei dem von einer Freundin Rosemarys
empfohlenen Dr. Hill (Charles Grodin) als Geburtshelfer zu bleiben.
Sapirstein verordnet ihr ein Kräutergetränk, das Minnie herstellt, statt
irgendwelche Pillen oder Tabletten einzunehmen; er verbietet ihr, Bücher über
die Schwangerschaft zu lesen. Inzwischen hat Guy überraschenderweise die Rolle
in einem Stück bekommen. Der ursprünglich dafür vorgesehene Schauspieler war
aus unerklärbaren Gründen plötzlich erblindet.
Rosemarys Schwangerschaft ist von ständigen Schmerzen
begleitet. Sie nimmt ab. Hutch macht sich Sorgen um sie. Er will sich nach der
Bedeutung der Tanis-Wurzel erkundigen, weil er nichts Gutes vermutet, und
tatsächlich findet er ein Buch über Hexerei, das er Rosemary zukommen lässt.
Eigentlich wollte er sich mit ihr treffen. Doch Rosemary muss erfahren, dass er
im Krankenhaus liegt, im Koma, und wenige Zeit später stirbt Hutch. In dem Buch
erfährt Rosemary von einer Sekte, die dem Satan huldigt und seine Wiedergeburt
erwartet und vorbereitet. Rosemary ist sich nun sicher, dass die Castevets zu
einer solchen Sekte gehören…
Kritik:
Roman Polanski hat sich in der Adaption des surrealistischen
Romans von Ira Levin weitgehend an der Vorlage gehalten und doch eine
ganz eigene, unheilvolle Atmosphäre erzeugt, die ohne Special Effects auskommt,
dafür aber geschickt mit den Vorstellungen des Publikums spielt. Was zunächst so
einlullend mit Krzysztof Komedas „La La La“ über den Bildern der Skyline
von New York musikalisch untermalt wird, entwickelt sich zu einem langsam dahinschleichenden
Alptraum, aus dem es vor allem für Minnie kein Entkommen zu geben scheint. Polanski
bleibt ganz nah an ihrer Person, erzählt die Geschichte aus ihrer Perspektive
und lässt den Zuschauer somit geschickt im Unklaren, ob Minnies Wahrnehmung der
Realität entspricht oder ob ihr die Schwangerschaft zunehmend den Verstand
raubt. Denn die äußeren Umstände – ein Selbstmord, die Erblindung eines
Schauspielers, der plötzliche Tod eines älteren Freundes, Komplikationen in der
Schwangerschaft, ein Arzt, der offenbar auf Naturheilmethoden setzt – deuten per
se nicht auf übernatürliche Ereignisse hin. Und der Traum von der teuflischen Schändung
könnte auch nur das sein: ein Alptraum. Polanski vermischt die psychische
Anfälligkeit seiner Protagonistin mit einer subtil eingeführten
Verschwörungstheorie rund um eine satanische Vereinigung. Mit einer sorgsam
inszenierten Spannungsdramaturgie lässt Polanski meisterhaft das Grauen langsam
aus der scheinbar normalen Alltagsrealität des modernen Großstadtlebens
erwachsen, um so eine Atmosphäre aus Angst, Entfremdung und Paranoia zu kreieren.





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