Good Vibrations – Sex vom anderen Stern
Mike Nichols konnte bereits mit einer Vielzahl
hochkarätiger Regiearbeiten aufwarten – von seinem Debüt mit „Wer hat Angst
vor Virginia Woolf?“ über „Die Reifeprüfung“ und „Silkwood“
bis zu „Die Waffen der Frauen“ und „Mit aller Macht“ -, als er im
Jahr 2000 die Science-Fiction-Sex-Komödie „Good Vibrations – Sex vom anderen
Stern“ inszenierte – mit einem tollen Cast (Annette Bening, Ben Kingsley,
John Goodman, Linda Fiorentino, Greg Kinnear und Richard Jenkins), aber
wenig Esprit.
Inhalt:
Auf einem weit entfernten Planeten herrscht unter Führung des
charismatischen Graydon (Ben Kinglsey) eine reine Männergesellschaft, in der nicht
nur Frauen ausgemerzt, sondern Gefühle und Fortpflanzungsorgane gleich mit über
Bord geworfen wurden. Nun sollen andere Planeten erobert werden, zunächst die
Erde. In aufwendigen Simulationen lernen die Männer, wie Frauen ticken und wie
sie mit Komplimenten zu Haar, Busen, Po und Beinen, Schuhen und Geruch gefügig
gemacht werden können. H1449-6 (Garry Shandling) erweist sich dabei als
besonders gelehrig und wird über die Toilette eines durch die Begegnung mit der
außerirdischen Spezies in Turbulenzen geratenen Flugzeugs als Harry Anderson
auf die Erde geschickt. Seine Mission: mit seiner voll funktionsfähigen
Penisprothese möglichst schnell eine Frau zu schwängern.
Dort nimmt er einen Job als biederer Bankangestellter an,
wird von seinem sexsüchtigen Kollegen Perry Gordon (Greg Kinnear) in die
Welt der Striptease-Bars und Treffen der Anonymen Alkoholiker eingeführt, um
Frauen aufzureißen. Doch das erweist sich als ungeahnt kompliziert: Die
Striptease-Tänzerin besteht auf ein Kondom, das allerdings auf dem brummenden
Penis sofort zerplatzt, die Stewardess Rebecca (Judy Greer) sucht eher
das therapeutische Gespräch, und die trockene Alkoholikerin Susan (Annette
Bening) besteht sogar auf einer Hochzeit, nachdem sie sich mit zu vielen
Männern eingelassen hatte, die sie dann im Stich gelassen haben. Zwar kommt
Harold seinem Ziel allmählich näher, doch mittlerweile hat der Agent Roland
Jones (John Goodman) von der Flugsicherheitsbehörde die merkwürdigen
Turbulenzen bei gleich mehreren Flügen untersucht und ist dabei auf den Namen
von Harold Anderson gestoßen, der jeweils auf der Passagierliste stand…
Kritik:
Die Idee, einer reinen Männergesellschaft, denen Frauen,
Gefühle und Penisse unbekannt sind, beizubringen, wie Frauen ticken und wie sie
an ihre Höschen gelangen, könnte der Stoff für eine interessante
Geschlechterkomödie werden. Doch die Drehbuchautoren – darunter auch Stand-up-Comedian
und Hauptdarsteller Garry Shandling („Iron Man 2“, „Die Larry Sanders
Show“) – beschränken sich in „Good Vibrations – Sex vom anderen Stern“
auf die Wiederholung stereotyper Komplimente und den schnell ermüdenden Running
Gag des brummenden Penis, der bei Andersons potenziellen Sexpartnerinnen stets
für Verwirrung sorgt. Sex ist überall, vor allem in Gestalt des Frauenjägers
Perry Gordon, der zwar eine attraktive Frau (Linda Fiorentino) hat, es
aber nicht lassen kann, seine Kolleginnen in dem Tresorraum zu beglücken. Das
kann Harold natürlich besser. In der 21-stündigen Hochzeitsnacht bumst Harold
seine frisch vermählte Susan fast bis zur Besinnungslosigkeit; das adrette Spiel
der Wasserfontänen vor dem Hotel in Las Vegas versinnbildlicht die erotischen
Höhepunkte dieser endlosen Nacht. Der Nebenstrang um die Aufklärung der
Turbulenzen durch den Agenten der Flugsicherheitsbehörde erweist sich indes als
überflüssig und dient letztlich nur dazu, den dünnen Plot etwas aufzupeppen,
was aber nicht mal John Goodman gelingt. Der prominente Cast wirkt durchweg
unterfordert. Allein Annette Bening („American Beauty“, „Bugsy“)
vermag ihre Rolle mit Witz und Würde auszufüllen. Der Rest ist schlicht zu vernachlässigen.




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