Timecode

Seit seinem vielversprechenden Regiedebüt „Stormy Monday“ (1988) agierte der britische Filmemacher Mike Figgis zwischen starken bis großartigen Werken wie „Internal Affairs – Trau‘ ihm, er ist ein Cop“ (1990), „Schrei in die Vergangenheit“ (1994) sowie dem Oscar-prämierten Drama „Leaving Las Vegas“ (1995) und einer ganzen Reihe von eher mittelklassigen, kaum beachteten Filmen wie „Todestraum – Der letzte Zeuge schweigt“ (1991), „Mr. Jones“ (1993) und „One Night Stand“ (1997). Im Jahr 2000 wagte sich der Autorenfilmer an ein gewagtes und interessantes Experiment, inszenierte das Drama „Timecode“ im Splitscreen, der auf vier Quadranten verteilt jeweils den Echtzeit-Take einer Kamera zeigte. Inhaltlich konnte der Film trotz prominenter Besetzung allerdings nicht überzeugen.

Inhalt:

Während die attraktive Rose (Salma Hayek) bei einem Casting in Los Angeles eine Rolle zu ergattern hofft, wacht ihre eifersüchtige, wohlhabende Freundin Lauren (Jeanne Tripplehorn) im Fond ihrer Limousine über den Ablauf, indem sie sie per Handy bespitzelt. Zwar streitet Lauren ab, eine Affäre mit dem alkoholabhängigen, cholerischen Filmproduzenten Alex Green (Stellan Skarsgård) zu haben, doch Lauren hört genau mit, als Rose mit Alex in einem Filmvorführraum der Produktionsfirma Sex miteinander haben. Alex‘ Frau Emma (Saffron Burrows) verlässt Alex und nimmt eine ihr unbekannte Frau aus einer Buchhandlung mit zu sich nach Hause. Nachdem Alex Rose rüde enthüllt, dass es keine Rolle für sie gibt, wird ein anderer Produzent auf sie aufmerksam und bietet ihr ein Engagement an. Der Gesundheitsfan Quentin (Julian Sands) verteilt derweil Massagen und gute Ratschläge. Der mittlerweile von Emma verlassene Alex wird selbstmitleidig und beschimpft in einem Produktionsmeeting Renee (Holly Hunter) und andere seiner Mitarbeiter und Kollegen, bis Lauren das Meeting stürmt und blutige Tatsachen schafft…

Kritik:

Am interessantesten ist der Entstehungsprozess von „Timecode“. Figgis hatte die Idee, einen Film von Anfang bis Ende aus vier verschiedenen Perspektiven und ohne Pause zu drehen, wobei nur eine Geschichte erzählt werden sollte. Da jede der vier Kameras einen einzigen Take von 93 Minuten aufnahm, mussten nicht nur die Schauspieler hochkonzentriert sein, sondern es konnten nachträglich auch keine Szenen geschnitten werden, um neue Takes einzubauen. Und schließlich gab Figgis nur die grobe Richtung der Geschichte vor, sodass die Schauspieler ihre Dialoge improvisieren mussten. Was für das Team vor und hinter der Kamera so herausfordernd war, überträgt sich allerdings auch auf das Publikum, das zwar mit der Split-Screen-Technik vertraut sein dürfte, doch wird diese eher punktuell in Filmen eingesetzt. Bei „Timecode“ verfolgen wir die Geschichte nun konsequent auf vier kleinen Bildschirmquadranten, wobei die Verlagerung in der Tonebene deutlich macht, welche Handlung gerade im Vordergrund steht. Bei aller Experimentierfreudigkeit ist die eigentliche Geschichte jedoch recht banal und vorhersehbar. Durch die Vielzahl der Rollen, die Oberflächlichkeit der improvisierten Dialoge und die vielen Figuren bleiben auch die einzelnen Figuren oberflächlich und berühren das Publikum nicht. Am Ende mag man Mike Figgis zum Gelingen der technischen Herausforderung gratulieren, doch einen bleibenden Eindruck hinterlässt „Timecode“ nicht. Dafür hätte es schon eine interessantere Geschichte gebraucht.

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