Lulu on the Bridge
Mit Romanen wie „Die New-York-Trilogie“, „Im Land der letzten
Dinge“, „Mond über Manhattan“ und „Das Buch der Illusionen“ avancierte
Paul Auster (1947-2024) zu einem der renommiertesten Schriftsteller
unserer Zeit, der immer wieder mit Vorliebe Themen wie Zufall, Identität und das
Leben am Rande oder außerhalb der Gesellschaft bearbeitete. Das trifft auch auf
sein Regiedebüt „Lulu on the Bridge“ (1998) nach eigenem Drehbuch zu.
Inhalt:
Bei einem Auftritt in einem gut besuchten Club wird der
Jazz-Saxophonist Izzy Maurer (Harvey Keitel) von einem Amokläufer
angeschossen wird. Zwar überlebt Izzy die Schussverletzung, doch mit einem
Lungenflügel weniger ist seine Musikerkarriere beendet. Resigniert schleicht
der menschenscheue Izzy durch die Straßen in New York, wobei seine Ex-Freundin
Hannah (Gina Gershon), die mittlerweile mit dem Filmproduzenten Philip
Kleinman (Mandy Patinkin) liiert ist, ab und zu nach dem Rechten schaut.
Sie lädt ihn zum Essen nach Hause ein, wo neben Philip auch die ehemalige
Schauspielerin Catherine Moore (Vanessa Redgrave) anwesend ist, die Frank
Wedekinds Tragödie „Die Büchse der Pandora“ neu verfilmen will und
dafür noch eine unverbrauchte Schauspielerin sucht.
Bei einem seiner einsamen Spaziergänge stolpert Izzy über
die Leiche eines Mannes mit einem großen Loch in der Stirn. In dessen schäbiger
Aktentasche findet er eine Telefonnummer und einen magischen Stein, der im
Dunkeln magisch blau leuchtet und merkwürdige Stimmen verlauten lässt.
Als er die Nummer auf der Serviette anruft, konfrontiert er
die Besitzerin Celia (Mira Sorvino) mit der Identität des Toten und dem
geheimnisvollen Stein, dessen Geheimnis er mit ihr teilt. Beide sind berauscht
von dem Glücksgefühl, das der leuchtende Stein in ihnen auslöst, und verlieben
sich auf der Stelle ineinander. Izzy verschafft der bislang erfolglosen Schauspielerin
und Kellnerin in Pierres (Victor Argo) Restaurant die Rolle der Lulu in Moores
Film und verspricht, ihr zu den Dreharbeiten nach Dublin zu folgen. Doch dann
bekommt er Besuch vom geheimnisvollen Dr. Van Horn (Willem Dafoe) und
wird mit seiner dunklen Vergangenheit konfrontiert…
Kritik:
Paul Auster sammelte bereits als Drehbuchautor für „Blue
in the Face“ und „Smoke“ (beide 1995) erste Filmerfahrungen,
assistierte er Regisseur Wayne Wang doch gelegentlich. Im Gegensatz zu Wangs
Adaptionen von Austers Drehbüchern, zeigt sich Austers erste
Regiearbeit allerdings weniger gelungen. Mit dem Jazz-Saxophonisten Izzy stellt
er einen fast schon misanthropischen Musiker vor, den wir erst nach seiner
Genesung im Krankenhaus richtig kennenlernen. Dabei sorgt der Fund des
geheimnisvollen Steins unter ebenso merkwürdigen Umständen für eine esoterisch
angehauchte Stimmung, die man als Zuschauer schwer teilen kann, zumal die
Hals-über-Kopf-Affäre zwischen der bodenständigen Celia und dem temperamentvollen
Izzy wenig glaubwürdig erscheint. Als Romancier hätte Auster diese
Stimmung mit Sicherheit eindringlicher gestaltet. Als dann auch noch der
undurchsichtige Dr. Van Horn in Izzys Leben tritt, verliert die Handlung
vollends ihren Fokus, und erst die Auflösung zum Finale erklärt den verworrenen
Plot. Doch bis dahin hat „Lulu on the Bridge“ bereits seine anfängliche
Faszination verloren. Es wäre interessant gewesen zu sehen, was Wim Wenders
(„Paris, Texas“, „Am Ende der Gewalt“), der ursprünglich für die Regie
vorgesehen war, aus dem Stoff gemacht hätte, der eigentlich so existentielle
Themen wie Schuld, Sühne und Vergebung, Liebe und Vertrauen berührt. Sehenswert
ist der Film vor allem wegen der großartigen Darsteller mit Musikern wie Lou
Reed und David Byrne in kleinen Nebenrollen.
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