Chinatown
Wie sehr die Spuren des einflussreichen Film noir aus den 1940er
und 1950er Jahren in die nachfolgende Ära des Hollywood-Kinos hineinreichten,
bewies Roman Polanski („Ekel“, „Der Mieter“, „Rosemary’s Baby“)
mit seinem Noir-Meisterwerk „Chinatown“ (1974), das nicht nur eine Hommage
an Kult-Detektive wie Marlowe und Sam Spade darstellt, sondern auch eindringlich
thematisiert, wie Hollywood zu dem geworden ist, was es heute symbolisiert. Jack
Nicholson gelang mit seiner Verkörperung des klassischen Detektivs der
Sprung zum Hollywood-Star.
Inhalt:
Als Privatdetektiv hat sich der ehemalige Cop Jake Gittes (Jack
Nicholson) in Los Angeles bislang recht schadlos gehalten. Das ändert sich,
als er den eigentlich harmlosen Auftrag einer Frau (Diane Ladd) annimmt,
die sich als Ehefrau des bei den L.A.-Wasserwerken arbeitenden Ingenieurs
Hollis Mulwray (Darrell Zwerling) vorstellt und von Gittes die
Bestätigung haben möchte, dass ihr Mann ein Verhältnis mit einer anderen Frau
unterhält. Doch als sich Gittes an die Fersen des Mannes heftet, geht dieser
nur seiner Arbeit nach, hält sich in Flussbetten und in der Nähe von
Abflussrohren auf, untersucht den Boden. Als er Mulwray schließlich tatsächlich
mit einer jungen Frau sieht und wenig später ein von ihm geschossenes Foto der
beiden in der Presse erscheint, obwohl Jake das Foto nicht weitergegeben hat,
bekommt er Besuch von der richtigen Evelyn Mulwray (Faye Dunaway), die
gegen Jake gerichtlich vorgehen will, weil sie ihn nicht beauftragt hat, ihrem
Mann nachzuschnüffeln.
Wenig später findet man bei den Wasserwerken die Leiche
Mulwrays, allerdings mit Salzwasser in den Lungen. Evelyn scheint nicht sehr
bestürzt über den Tod ihres Mannes, von dem bekannt ist, dass er sich
öffentlich in einer Anhörung gegen den Bau eines Staudamms ausgesprochen hatte.
Jake findet heraus, dass Mulwray und Evelyns Vater, der reiche Noah Cross (John
Huston), einmal gemeinsame Besitzer der Wasserwerke waren, bis Mulwray
darauf gedrängt hatte, die Wasserversorgung an die öffentliche Verwaltung
abzugeben. Jake entdeckt auf dem Katasteramt aber noch mehr: Etliche
Grundstücke in einem Gebiet, das unter Wassermangel leidet, wurden innerhalb
kürzester Zeit verkauft. Und Mulwrays Nachfolger Yelburton (John Hillerman)
muss gegenüber Jake zugeben, dass nachts heimlich wertvolles Wasser
zweckentfremdet wird. Eine Wand des Schweigens, der Lügen, der Korruption tut
sich vor Jake auf. Welche Rolle spielt Cross, welche Evelyn, und wer ist die
geheimnisvolle junge Frau, mit der sich Mulwray getroffen hatte und die spurlos
verschwunden ist?
Kritik:
Roman Polanskis „Chinatown“ zählt zurecht zu
den besten Werken nicht nur der 1970er Jahre, sondern der Filmgeschichte
überhaupt. Das mit elf (!) Oscar-Nominierungen bedachte Meisterwerk erinnert
nicht von ungefähr an die goldenen Zeiten des Film noir und ihren Klassikern „Tote
schlafen fest“, „Der Malteser Falke“ oder „Key Largo“. Bei „Chinatown“
treffen viele glückliche Umstände zusammen, vor allem die Tatsache, dass das Oscar-prämierte
Skript von Robert Towne („Yakuza“, „Mission: Impossible“) die verschiedenen
Fäden der Geschichte perfekt zusammenführt. Mit dem integren, aber auch
ungewohnt sensiblen Detektiv Jake Gittes, der klassischen Femme fatale Evelyn
Mulwray, einem Cop, der zusammen mit Gittes Dienst in Chinatown geschoben hat
und der Devise folgte, nichts zu tun, wenn es nicht nötig war, und einem skrupellosen
Bösewicht, der von Regie-Legende John Huston („Denen man nicht
vergibt“, „Moby Dick“) grandios verkörpert wird, hat Towne durchweg
schillernde Figuren geschaffen, die auf unheilvolle Weise aufeinandertreffen
und auf ein finsteres Finale hinsteuern. Dabei erleben wir die Geschichte aus
den Augen des omnipräsenten Detektivs, der sich nicht nur auf eine Affäre mit
seiner ebenso attraktiven wie geheimnisvollen Auftraggeberin einlässt, sondern schwer
mit den Erkenntnissen zu kämpfen hat, die er während seiner unermüdlichen
Ermittlungen macht. Selbst eine von Roman Polanski in der Rolle des
brutalen Gangsters Lou beigebrachten Schnittwunde an der Nase hält Gittes nicht
davon ab, die Wahrheit über den Mord an Mulwray und das Verschwinden der jungen
Frau herauszufinden, die er mit dem Toten zusammen fotografiert hatte. Gittes
stolpert in eine Verschwörung um eine Grundstücksspekulation, die letztlich den
Boden für den Erfolg Hollywoods bereitete, nämlich die Bewässerung der
trockenen Wüste Kaliforniens und der damit verbundenen Wertsteigerung des
Landes. Die tollen Bilder von Kameramann John A. Alonzo („Die glorreichen
Sieben“, „Magnolien aus Stahl“), der jazzig angehauchte Score von Jerry
Goldsmith („Das Omen“, „Rambo“), das liebevolle Setting von Los
Angeles in den 1930er Jahren, die starken Darsteller und Polanskis
stilsichere Inszenierung machen „Chinatown“ zu einem Klassiker der
Filmgeschichte.





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