Man of the Year

„Good Morning, Vietnam“ stellte 1987 sowohl für Regisseur Barry Levinson als auch für seinen Hauptdarsteller Robin Williams einen frühen Höhepunkt in ihren Karrieren dar, auf dem beide Akteure erfolgreich aufbauen konnten. Sie arbeiteten 1992 bei der missglückten Komödie „Toys“ zusammen und fanden schließlich noch einmal 2006 für die Polit-Satire „Man of the Year“ zusammen, die ebenfalls – trotz hochkarätiger Besetzung – kaum beachtet wurde.

Inhalt:

Als der populäre Polit-Satiriker Tom Dobbs (Robin Williams) beim Warm-up zu seiner Talk-Show von einer Frau im Publikum gefragt wird, warum er nicht selbst für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten kandidiere, geht er zunächst lachend über den Vorschlag hinweg, kommt aber während der Sendung doch noch mal darauf zu sprechen. Als sich die Dinge bereits zu verselbständigen beginnen, verkündet Dobbs – sehr zur Überraschung seines Managers Jack Menken (Christopher Walken) tatsächlich seine Kandidatur für das höchste Amt im Land. Da er sich von seinen Kontrahenten, die er nicht im Dienst für das Volk, sondern für die Lobbyisten und Unternehmen betrachtet, abheben will, fährt er mit seiner Mannschaft in einem abgewrackten Tourbus durch das Land, um Wählerstimmen zu gewinnen, doch im Gegensatz zu seinen gepfefferten Reden vor seinem Fernsehpublikum sind seine politischen Reden ebenso staubtrocken wie die seiner Mitbewerber. Erst als er tatsächlich bei den Vorwahlen überraschend gut abschneidet und zum Rededuell im Fernsehen zugelassen wird, präsentiert sich der parteilose Dobbs wieder in Höchstform. Währenddessen entdeckt die für „Delacroy“, den Hersteller der einzig zugelassenen Wahlautomaten, tätige Computerexpertin Eleanor Green (Laura Linney) einen Fehler im System, wird aber von ihrem Chef ignoriert. Am Wahltag wird sie bedroht und angewiesen, Schweigen zu bewahren. Zur Überraschung aller gewinnt Dobbs die Wahl, Green wird entlassen und von dem hochrangigen Delacroy-Manager Stewart (Jeff Goldblum) diskreditiert, als sie Kontakt mir Dobbs aufnimmt und die Affäre publik machen will…

Kritik:

Wenn Robin Williams zu Beginn von „Man of the Year“ wie in „Good Morning, Vietnam“ mit grandios imitierten Stimmen Witze reißt, bekommt man eine Ahnung davon, was aus dem Film werden könnte. Doch Levinson („Bugsy“, „Enthüllung“), der auch für das Drehbuch schrieb, hat anderes im Sinn. Was genau, wird aber nie so recht deutlich, denn was als spritzige politische Satire beginnt, mündet schnell in eine Mischung aus Verschwörungsthriller und Love-Story, wobei die satirischen Elemente aber immer wieder durchscheinen. Für sich funktionieren die einzelnen Elemente allerdings auch nicht, gemeinsam noch weniger. Die Verschwörungsstory um den fehlerhaften Wahlautomaten ist nach 08/15-Muster gestrickt und bietet keine Überraschungen. Die Liebesgeschichte zwischen Dobbs und Green wirkt nicht nur konstruiert, sondern einfach lächerlich unglaubwürdig, da nicht mal die Chemie zwischen den beiden Figuren stimmt. Am Ende hängt alles an der Frage, wie Dobbs mit der Erkenntnis umgeht, dass er doch nicht der gewählte Präsident der Vereinigten Staaten ist. Doch selbst das mag Levinson in seinem Film nicht überzeugend zu vermitteln. So bleibt „Man of the Year“ ein Film der verpassten Chancen.

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