Vor allem mit seiner symbolträchtigen Daphne-Du-Maurier-Adaption
„Wenn die Gondeln Trauer tragen“ (1973) und dem Science-Fiction-Drama „Der
Mann, der vom Himmel fiel“ (1976) erwarb sich der routinierte Kameramann Nicolas
Roeg einen Ruf als Filmemacher, der gekonnt mit Mystik, Wahrnehmung, Sinnlichkeit
und Erotik spielte und dabei außergewöhnliche Atmosphären zu kreieren verstand.
Das trifft insbesondere auch auf die Komödie „Insignificance – Die verflixte
Nacht“ (1985), die Roeg mit seiner damaligen Ehefrau Theresa Russell
realisierte, nachdem sie bereits in seinen vorangegangenen Filmen „Black Out
– Anatomie einer Leidenschaft“ (1980) und „Eureka“ (1983) mitgewirkt
hatte.
Inhalt:
New York im Jahr: 1954. Billy Wilder dreht mit seinem Star
Marilyn Monroe (Theresa Russell) für seinen Film „Das verflixte 7. Jahr“
gerade die legendäre Szene, in der ihr Kleid über einem U-Bahn-Schacht
hochgeweht wird, anschließend lässt sie sich von ihrem Chauffeur in ein
Geschäft bringen, das auch nachts noch geöffnet hat, damit sie ein paar Sachen
besorgen kann. Sie sucht anschließend das Hotel auf, in dem der Wissenschaftler
Albert Einstein (Michael Emil) vom Kommunistenjäger McCarthy (Tony
Curtis) bedroht wird und über die Zerstörungskraft der Atombombe nachsinnt.
Während die Schauspielerin dem Physiker anhand der mitgebrachten Utensilien wie
zwei Spielzeugeisenbahnen, zwei Taschenlampen, und einem Spielzeugauto die
Relativitätstheorie an praktischen Beispielen erläutert, macht sich Monroes besorgter
Ehemann, der Baseball-Star Joe DiMaggio (Gary Busey) auf die Suche nach
ihr…
Kritik:
Auch wenn im Film keine Namen genannt werden, braucht man
als Zuschauer nicht lange, um die vier in einem Hotelzimmer
aufeinandertreffenden Figuren zu identifizieren. Der Brite Nicolas Roeg („Hexen
hexen“, „Herz der Finsternis“), der nie eine Filmschule besucht hat, aber als
Kameramann für Legenden wie Robert Rossen, Fred Zinnemann, Roger Corman, David
Lean und John Schlesinger tätig gewesen war, nutzt die
Kammerspiel-Situation des zugrundeliegenden Theaterstücks von Terry Johnson
dazu, um vier real existierende Figuren in einem kuriosen Kontext
aufeinandertreffen zu lassen. Natürlich darf Theresa Russell („Die
schwarze Witwe“, „Die Hure“) genüsslich mit dem Sex-Appeal ihrer Figure
spielen, doch der Sex – auch zwischen Senator McCarthy und einer Prostituierten
– bleibt für Roeg sehr ungewöhnlich – nur angedeutet. Zu den Höhepunkten
der Inszenierung zählt sicher die Präsentation der Schauspielerin zur Erklärung
der Relativitätstheorie, die nicht nur den Wissenschaftler verblüfft, sondern einfach
wunderbar unterhaltsam ist. Roeg bricht die Handlung aber immer wieder
mit Sprüngen in der Zeit und unkonventionellen Schnitten auf, die den Film zwar
an Atmosphäre gewinnen lassen, aber den Fluss merklich stören. Dafür hallt die
in Zeitlupe gedrehte Schlusssequenz besonders nach.
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