Wenn die Gondeln Trauer tragen

Der britische Filmemacher Nicolas Roeg hat bereits seit den 1950er Jahren als Kameramann gearbeitet - u.a. bei David LeansLawrence von Arabien“ (1962) und Roger CormansDie Maske des roten Todes“ (1964), ehe er 1970 mit dem Psycho-Thriller „Performance“ seinen Regieeinstand feierte. Nach dem ebenfalls wohlmeinend aufgenommenen Drama „Walkabout – Der Traum vom Leben“ (1971) wurde Roeg durch das psychologische Horror-Drama „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ (1973) weltberühmt, zählt die Adaption einer Geschichte von Daphne Du Maurier („Rebecca“) doch nach wie vor zu einem Meilenstein des Genres.

Inhalt:

Das Glück der in England lebenden Familie Baxter wird auf eine harte Probe gestellt, als der Restaurator John (Donald Sutherland) seine Tochter Christine (Sharon Williams) nur noch tot in ihrem roten Regenmantel aus dem naheliegenden Teich bergen kann. Während sie ihren Sohn Johnny (Nicholas Salter) in einem Internat unterbringen, versuchen John und seine Frau Laura (Julie Christie) in Venedig die Tragödie zu verarbeiten, denn dort soll John unter der Aufsicht von Bischof Barbarrigo (Massima Serrato) eine Kirche restaurieren. In einem kleinen Restaurant lernt Laura während des Abendessens mit John die beiden seltsamen ältlichen Schwestern Heather (Hilary Mason) und Wendy (Clelia Matania) kennen. Als Laura anbietet, einer der Damen auf der Toilette einen Fremdkörper aus dem Auge zu entfernen, eröffnet ihr die blinde, spirituell orientierte Heather, dass sie die verstorbene Christine in ihrem roten Regenmantel und fröhlicher Stimmung am Tisch zwischen den Eltern habe sitzen sehen.
Während Laura aus der Bekanntschaft mit den gespenstisch erscheinenden Schwestern einigen Trost findet, will John mit diesen in seinen Augen dubiosen Vorstellungen nichts zu tun haben und fürchtet um die seelische Balance seiner Frau. Allerdings sieht er selbst immer wieder ein Mädchen im roten Regenmantel durch die Gassen und über die Brücken von Venedig laufen und entkommt mit knapper Not dem Sturz von einem in schwindelnder Höhe installierten Baugerüst in der Kirche. Als Laura schließlich nach einem Unfall ihres Sohnes nach England reist, glaubt John wenig später, seine Frau in Begleitung der Schwestern in Trauertracht auf einer Gondel gesehen zu haben…

Kritik:

„Wenn die Gondeln Trauer tragen“ beginnt als waschechtes Familiendrama und überzeugt zunächst in den gekonnten Szenenwechseln zwischen den über Dias und Büchern brütenden Eltern im Landhaus und den auf dem weitläufigen Gelände für sich spielenden Kinder. Nachdem John seine leblose Tochter aus dem Teich geborgen hat, verlagert sich das Geschehen sofort ins diesige Venedig und zu Johns Restaurationsarbeit. Roeg erweist sich hier als routinierter Kameramann, der gekonnt die düstere Atmosphäre in den von den Touristen längst verlassenen Gassen der Lagunenstadt einfängt und neben dem liebevollen Umgang von John und Laura miteinander immer wieder auf die beunruhigenden Leichenfunde und religiöse Motive zurückkommt, die im Zusammenhang mit Johns Arbeit zwangsläufig ins Spiel kommen. Es sind aber vor allem die schwer einzuordnenden Schwestern, die das paranormale Element in dem Plot befeuern und das Drama in Gang zu setzen scheinen. Roeg setzt auf symbolträchtige Bilder. Immer wieder taucht das Rot von Christines Regenmantel auf, in der Farbe von Lauras Stiefeln, in Johns Schal, als Fassadenfarbe und im kirchlichen Kontext. Die suggestiven Bilder erzeugen viel mehr als die ausgedeuteten psychischen Zustände der Figuren eine fesselnde Sogkraft, der man sich bis zum passenden Finale nicht mehr entziehen kann. Dafür sorgt auch die nachträglich eingesetzte, im Drehbuch zunächst nicht vorgesehene und damals skandalträchtige Liebesszene zwischen Sutherland und Christie, wenn Roeg das zärtliche Liebesspiel immer wieder mit Szenen montiert, die die beiden Protagonisten mit dem anschließenden Anziehen zeigt.  

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