Mit seinen ersten beiden Regiearbeiten „Wer hat Angst vor
Virginia Woolf?“ (1966) und „Die Reifeprüfung“ (1967) avancierte Mike
Nichols im Nu zu einem der angesagtesten Filmemacher in Hollywood. So schien
er der richtige Mann zu sein, um Joseph Hellers komplexen Roman „Catch-22“
zu adaptieren. Dafür stand ihm ein hochkarätiger Cast mit Größen wie Alan
Arkin, Orson Welles, Martin Sheen, Anthony Perkins, Martin Balsam und Jon
Voight zur Verfügung, doch stand die Kriegssatire stets im Schatten von
Robert Altmans zuvor angelaufenem Film „M*A*S*H“.
Inhalt:
Während des Zweiten Weltkriegs sieht sich Captain Jow Yossarian
(Alan Arkin) den Schrecken und Grausamkeiten des Krieges ausgesetzt.
Geplagt von Brutalität und dem täglichen Anblick des Todes beschließt er, nicht
mehr weiter kämpfen zu wollen, zumal Yossarian und seine Kollegen schon längst hätten
abgelöst werden müssen, die Anzahl ihrer Pflicht-Einsätze wird aber von ihrem
Vorgesetzten Cathcart (Martin Balsam) immer wieder erhöht wurde, um mehr
Auszeichnungen in Aussicht gestellt zu bekommen. Der einzige Ausweg scheint die
Bestätigung geistiger Unzurechnungsfähigkeit, doch dies ist dank der obskuren
Catch-22-Regel praktisch unmöglich. Diese besagt, dass man nur selbst einen
Antrag auf Geisteskrankheit stellen kann. Tut man dies, würde man jedoch
beweisen, dass man eben nicht unzurechnungsfähig ist, da der Wunsch, nicht in
den Krieg zu ziehen, völlig normal sei. Dieser „Trick 22“ wird auch immer
wieder anderen kuriosen Situationen herangezogen und lässt Yossarian immer
wieder ratlos zurück. Derweil vergnügen sich seine Kameraden mit italienischen
Nutten (die Mission von Yossarian lautet eigentlich, die italienische Hafenstadt
Ferrara zu zerstören), Leutnant Milo (Jon Voight) initiiert einen florierenden
Handel zwischen Italienern, Deutschen und Amerikanern, der kurzerhand zum Major
beförderte „Captain Major“ erweist sich als unfähig, allein die Wäschestube zu
leiten. Als Yossarian von einem Attentäter hinterrücks niedergestochen wird,
ist auch für den Zuschauer kaum noch zu unterscheiden, was real ist und was in
Träumen halluziniert…
Kritik:
Joseph Hellers 1961 veröffentlichter Roman „Catch-22“
entwickelte sich erst spät zu einer Literaturperle, die aber stets als
unverfilmbar galt. Nichols übernahm zwar die komplexe Struktur des
Romans, schafft es aber nicht, eine für den Zuschauer nachvollziehbare Handlung
zu etablieren. Alan Arkin („Argo“, „Glengarry Glen Ross“)
überzeugt als kriegsmüder Offizier, der dem Wahnsinn des Krieges entkommen will
und feststellen muss, für welch abstrusen Zwecke die Kriegsmaschinerie
missbraucht wird. Am Ende wird der Krieg als reines Geschäft entlarvt, womit „Catch-22“
gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Weltlage erschreckend aktuell
geblieben ist. Wie die einzelnen, lose zusammengestückelten Episoden des Films
allerdings zusammenhängen, lässt sich kaum sinnvoll erschließen, und selbst so
gestandene Darsteller wie Orson Welles, Martin Sheen, Anthony Perkins,
Martin Balsam und Jon Voight können ihren Rollen kaum Kontur
verleihen. Am Ende überzeugt vor allem die kriegskritische Botschaft und die
düstere, klaustrophobische Atmosphäre, die den Wahnsinn des Krieges eindringlich
einfängt. Gegen Robert Altmans weitaus humorvolleren Klassiker „M*A*S*H“
fällt „Catch-22“ hingegen deutlich ab.
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