Ähnlich wie die französischen Filmemacher der Nouvelle Vague,
die sich vornehmlich als Filmkritiker in dem einflussreichen Magazin „Cahiers
du cinéma“ betätigten (u.a. ihre prominentesten Vertreter François Truffaut,
Claude Chabrol, Éric Rohmer, Jacques Rivette und Jean-Luc Godard),
war auch Paul Schrader nach seinem Studium der Filmwissenschaften an der
University of California Filmkritiker, der 1972 u.a. den Essay „Notes on Film
Noir“ schrieb und damit seinen Teil dazu beitrug, den Filmstil ins Bewusstsein
der US-amerikanischen Öffentlichkeit zurückzubringen. Ende der 1970er etablierte
sich Schrader dann zusehends als Drehbuchautor und Regisseur,
inszenierte ein Jahr nach „Blue Collar – Kampf am Fließband“ (1978) mit „Hardcore
– Ein Vater sieht rot“ einen harten Thriller im Rotlicht-Milieu.
Inhalt:
Der strenggläubige Calvinist Jake VanDorn (George C.
Scott) lebt als Inhaber einer mittelständischen Möbelfabrik in Grand
Rapids, Michigan, und lebt allein mit seiner Teenager-Tochter Kristen (Ilah
Davis), pflegt aber engen Kontakt zu seiner Schwester Ruth (Jean Reed
Bahle) und zu Wesley DeJong (Paul Marin) und dessen Familie -
Wesleys Ehefrau Anne (Janet Simpson), Tochter Marsha (Karen Kruer)
und Sohn Harold Jay. Beide Familien haben auch ihre Kinder im Sinne der Lehre
ihrer theologischen Bewegung erzogen und verabschieden nach dem Weihnachtsfest die
miteinander befreundeten Teenager Kristen und Marsha, die im Reisebus der Youth
Calvinist Convention von Grand Papids zu einer Kirchenfreizeit nach
Bellflower, Kalifornien fahren. Nach ein paar Tagen informiert die
Reiseleiterin der Youth Calvinist Convention Jake telefonisch darüber,
dass seine Tochter Kristen bei einem Ausflug der Gruppe verschwunden sei. Jake
VanDorn und Wesley DeJong fliegen sofort nach Los Angeles und sitzen am
gleichen Tag Police Detective Burrows (Larry Block) gegenüber, der dem
Vater eine ernüchternde Einschätzung der Lage vermittelt. Er rät Jake VanDorn
dazu, einen Privatdetektiv anzuheuern. Tatsächlich scheint der engagierte Andy Mast
(Peter Boyle) ein gutes Gespür für solche Fälle zu besitzen, denn nach
kurzer Zeit hat er die nackte Kristen in einem Pornofilm mit dem Titel „Sklavin
der Liebe“ entdeckt. Nachdem VanDorn den Detektiv selbst mit einer
Prostituierten erwischt hat, feuert er den Mann und taucht selbst in das
Rotlichtmilieu von San Francisco und Los Angeles ein, um seine Tochter
wiederzufinden. Dabei ist er auf die Hilfe des Callgirls Niki (Season Hubley)
angewiesen…
Kritik:
Schrader hat sich bereits mit seinem großartigen
Drehbuch zu Martin Scorseses Klassiker „Taxi Driver“ (1976) als
versierter Kenner des beschriebenen Milieus erwiesen, und diese Fähigkeit
stellt er auch in seiner zweiten Arbeit als Drehbuchautor und Regisseur eindrucksvoll
unter Beweis. Dabei prallen in „Hardcore“ zwei Welten krachend
aufeinander. Nachdem die familiären Feierlichkeiten zu Weihnachten noch von
religiösem Ernst geprägt waren, wird der konservative Unternehmer und Vater plötzlich
mit dem Sex-Geschäft konfrontiert. Wenn er die Filmausschnitte präsentiert
bekommt, in der seine bislang so unschuldige, unbedarfte Tochter Sex mit zwei
jungen Männern hat, muss er immer wieder stöhnend den Blick abwenden, lässt danach
aber nichts unversucht, sein Mädchen aus den Fängen der Porno-Industrie zu befreien.
George C. Scott („Haie der Großstadt“, „Patton – Rebell in Uniform“)
trägt das Drama fast allein auf seinen Schultern und glänzt als strenggläubiger
Vater, der zwangsläufig in den Sumpf der Sex-Industrie abtaucht. Der Übergang
scheint dabei etwas zu leicht stattzufinden, das Porno-Geschäft auch zu
undifferenziert dargestellt, doch die Wucht, mit der VanDorn durch dieses
Milieu pflügt, verleiht „Hardcore“ seine Intensität. Dazu trägt auch die
Tatsache bei, dass Schrader an Originalschauplätzen drehte und Season
Hubley („Die Klapperschlange“, „Nachtratten“) als taffe
Prostituierte einen interessanten Gegenpart zu Scotts Figur darstellt.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen