Mit seinen ersten beiden Werken „Hereditary – Das Vermächtnis“
(2018) und „Midsommar“ (2019) hat sich der US-amerikanische
Autorenfilmer Ari Aster sehr erfolgreich als interessante neue Stimme im
Horror-Genre etabliert, so dass er mittlerweile für seine Ideen größere Budgets
zur Verfügung gestellt bekommt. Nach dem dreistündigen (!) Horror-Drama „Beau
Is Afraid“ (2023) mit Joaquin Phoenix in der Hauptrolle ließ Aster
den Hollywood-Star auch in seinem Pandemie-Drama „Eddington“ (2025)
groß aufspielen.
Inhalt:
Auch in der 2345-Seelen-Gemeinde Eddington, New Mexico, ist
im Frühling 2020 Corona angekommen und erhitzt gleich die Gemüter. Als der konservative,
aber vernunftorientierte Sheriff Joe Cross (Joaquin Phoenix) beobachtet,
wie einem älteren Mann der Zugang zum Supermarkt verwehrt wird, weil er keine
Maske trägt, ergreift Joe sogleich Partei für ihn, schließlich könne der Mann mit
Maske nicht atmen. Cross ist als Asthma-Kranker selbst kein Anhänger des zwangs
zum Tragen der Maske und legt sich deshalb auch gleich mit dem kurz vor der
Wiederwahl stehenden Bürgermeister Ted Garcia (Pedro Pascal) an und
beschließt nach der Auseinandersetzung in einer Kurzschlussreaktion, sich selbst
für den Bürgermeisterposten zu bewerben. Für den Wahlkampf spannt er seine
beiden Deputys Michael Cooke (Micheal Ward) und Guy Tooley (Luke
Grimes) an, die sich griffige Wahlslogans einfallen und Plakate malen
sollen. Durch den Wahlkampf entfremdet er sich allerdings noch mehr von seiner
gegen körperliche Berührungen allergischen, psychisch labilen Frau Louise (Emma
Stone), die zudem von ihrer ebenfalls im Haus lebenden Mutter Dawn (Deirdre
O'Connell) mit Verschwörungstheorien gefüttert wird. Doch statt sich auf
den Wahlkampf konzentrieren zu können, muss Cross mit seinen beiden Deputys vor
allem für Ordnung auf den Straßen sorgen, wo die junge weiße Studentin Sarah (Amélie
Hoeferle) eine Black-Lives-Matter-Demo organisiert und eine offensichtlich
unter falscher Flagge agierende Antifa-Terror-Gruppe mit dem Luxus-Jet nach
Eddington eingeflogen wird und ein zwielichtiger QAnon-Guru namens Vernon
Jefferson Peak (Austin Butler) das Interesse von Louise weckt, die einst
mit Garcia liiert war. Als bei einer Wahlkampf-Party auf Garcias Anwesen Ohrfeigen
zwischen den Kontrahenten ausgetauscht werden, eskaliert die Situation bis zu
einem blutigen Showdown…
Kritik:
Es ist zwar erst einige Jahre her, aber der wilde Trubel um
Corona, Testungen und Impfungen, Abstandsregeln und Versammlungsverbote scheint
auf der anderen Seite schon wieder so weit weg zu sein. Aster nimmt sich
viel Zeit, die Schutzmechanismen und das veränderte Miteinander während der Pandemie
durchaus realistisch, aber bis ins Absurde zugespitzt aufzuarbeiten und das
eigentlich geruhsame Leben einer US-amerikanischen Kleinstadt völlig aus dem
Ruder laufen zu lassen. Unterschiedliche Auffassungen über die Maskenpflicht führen
zu einem grotesk geführten Wahlkampf, bei dem sich Garcia und sein
Herausforderer durchaus auf Augenhöhe befinden, aber irgendwann nicht mehr mit
lauteren Mitteln kämpfen. Zwar wirkt „Eddington“ durch die Black-Lives-Matter-Thematik
und den Antifa-Part etwas überfrachtet und lässt einiges an der Oberfläche liegen,
aber die bedrückende Atmosphäre eingeschränkter Freiheitsrechte bringt Aster
wunderbar auf den Punkt, auch die Frage, wie wir uns kollektiv mit der Ausgrenzung
verschiedener Individuen verhalten haben. Schade nur, dass über zweieinhalb
Stunden recht wenig passiert und die realistische Visualisierung kaum
Überraschungen offenbart. Dafür macht die Konfrontation zwischen den beiden
Bürgermeister-Kandidaten richtig Spaß, bis das Drama in einem wahren Gemetzel
ausartet, das vor allem Horror-Fans gefallen dürfte. Im Vergleich zu seinen Frühwerken
wirkt „Eddington“ trotz des starken Ensembles fast schon gediegen mit nur
wenigen kantigen Höhepunkten.
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