Steve Kloves ist vor allem als Drehbuchautor für
Filme wie Curtis Hansons „Die Wonder Boys“ (2000) und Marc
Webbs „The Amazing Spider-Man“ (2012), in erster Linie aber für die
ersten sieben „Harry Potter“-Filme bekannt geworden. 1989 feierte er
allerdings auch sein Regiedebüt, als er sein eigenes Drehbuch für „Die
fabelhaften Baker Boys“ (1989) mit Beau Bridges, Jeff Bridges und Michelle
Pfeiffer in den Hauptrollen verfilmte. Die Story ist zwar äußerst vorhersehbar,
doch der Soundtrack und das Zusammenspiel des Trios erstklassig.
Inhalt:
Seit 31 Jahren spielen die beiden Brüder Frank (Beau
Bridges) und Jack Baker (Jeff Bridges) bereits zusammen, seit 15
Jahren touren sie mit zwei Pianos durch die Hotels und Bars in und um Seattle. Doch
über all die Jahre sind die Setlist, die Scherze und das gelangweilte Publikum gleichgeblieben,
was Frank nicht weiter stört, denn er denkt vor allem an seine Frau und die
beiden Kinder, die er zu versorgen hat, an die Hypotheken und das Auto, die
bezahlt werden müssen. Der wesentlich talentiertere Jack hat dagegen schon
aufgegeben, haust mit seinem alternden Labrador in einem Apartment, das er
sonst nur mit einem vernachlässigten Nachbarsmädchen teilt, das sich um den Hund
kümmert, wenn Jack unterwegs ist oder einen seiner One-Night-Stands vernascht.
Als „Die fabelhaften Baker Boys“ aber dafür bezahlt werden, nicht mehr in einem
ihrer Stamm-Clubs zu spielen, schlagen auch bei Frank die Alarmglocken. Eine
Sängerin soll neuen Schwung in das Repertoire der beiden Pianisten bringen. Das
Casting von 37 eher untalentierten Bewerberinnen erweist sich als mittlere
Katastrophe – bis das arbeitslose Callgirl Susie „Diamond“ (Michelle
Pfeiffer) stark verspätet und kaugummikauend auftaucht und die beiden
Brüder mit ihrer Stimme verzaubert. Fortan füllen „Die fabelhaften Baker Boys“
nicht nur größere Säle, sondern kommen auch im Land herum und steigen in
luxuriöseren Hotels ab. Doch als es zwischen Jack und Susie zu funken beginnt, droht
das Trio auseinanderzubrechen.
Kritik:
Mit der Besetzung der beiden Brüder Beau Bridges und
Jeff Bridges ist Steve Kloves ein glücklicher Coup gelungen,
verhalten sie sich im Film doch genau so, wie man sich das bei Brüdern
vorstellt, vor allem, wenn sie so unterschiedlich wie Jack und Frank sind. Aus
dieser ungleichen Konstellation geriert „Die fabelhaften Baker Boys“
seine vordergründige Dramatik, denn wenn einer den Job als reinen Broterwerb
betrachtet, der andere aber eigentlich mehr aus seinem Talent machen könnte,
sind die Konflikte vorprogrammiert. Das wird vor allem in der wunderbaren Szene
deutlich, als Frank dem Duo einen Auftritt bei einer
Wohltätigkeitsveranstaltung auf Kanal 71 verschafft, der zwar unbezahlt ist,
aber für Publicity sorgt. Jack platzt schließlich der Kragen, als er erfährt,
dass es nur um eine Sporthalle geht, die finanziert werden soll, und der
Auftritt kurzerhand unterbrochen wird, um die Spendenuhr vor die Kamera zu
schieben. Während Jack seinem Bruder vorwirft, seine Würde verloren zu haben,
verweist Frank auf seine Verantwortung, die er gegenüber seiner Familie und
auch Jack gegenüber habe. Tatsächlich wirkt es wenig glamourös, wenn die beiden
Brüder vor einem Publikum spielen, das oft genug nur noch aus den Angestellten
der Clubs besteht. Auftritt Michelle Pfeiffer („Tequila Sunrise“, „Die
Hexen von Eastwick“). Sobald sie auf der Leinwand erscheint und ihre Songs –
selbst! – singt, kommt eine sinnliche Stimmung auf, die nicht nur ihr Publikum in
den Clubs und Hotelsälen begeistert, sondern auch die Zuschauer in den
Kinosälen und Fernsehzimmern. Das wird von Kameramann Michael Ballhaus („GoodFellas“,
„Bram Stokers Dracula“) stimmungsvoll fotografiert und von Dave Grusin
(„Die Reifeprüfung“) musikalisch perfekt in Szene gesetzt, aber vor
allem von den drei Darstellern toll gespielt.
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