Hautnah

Dass Mike Nichols („Grüße aus Hollywood“, „Die Reifeprüfung“) versiert darin ist, Theaterstücke auf die große Leinwand zu bringen und prominente Darsteller zu Höchstleistungen zu animieren, hat er hinreichend mit seinem Regiedebüt „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ (1966) mit Elizabeth Taylor und Richard Burton in den Hauptrollen bewiesen. Fast vierzig Jahre später verfilmte Nichols mit „Hautnah“ (2004) das gleichnamige Theaterstück von Patrick Marber, der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnete, und vereinte dabei Jude Law, Julia Roberts, Natalie Portman und Clive Owen vor der Kamera.

Inhalt:

Als die frisch aus New York in London eingetroffene Stripperin Alice (Natalie Portman) auf der Straße von einem Auto angefahren wird, ist der erfolglose Schriftsteller Dan (Jude Law) sofort bei ihr, bringt sie ins Krankenhaus und verliebt sich in sie. Als Dan ein Jahr später für den auf Alices Leben basierenden Roman „Das Aquarium“ fotografiert werden soll, flirtet er mit der in ihrem Atelier lebenden Fotografin Anna (Julia Roberts) und küsst sie. Diese weist ihn zurück, als sie wenige Minuten später erfährt, dass ihr Flirt bereits liiert ist. Verärgert gibt Dan sich in einem erotischen Chat im Internet gegenüber dem Dermatologen Larry (Clive Owen) als eine zu allem bereite, blonde und großbusige „Anna“ aus und arrangiert ein Treffen im Aquarium des London Zoo, wo sich die wirkliche Anna tatsächlich zufällig aufhält. Zwar verstehen sich Larry und sie sofort, verlieben sich und heiraten, doch das gemeinsame Glück ist nicht von Dauer, denn nach der Vernissage ihrer Ausstellung lässt sich Anna doch auf ein heimliches Verhältnis mit Dan ein, worauf sich Anna ebenso von Larry trennt wie Alice von Dan, doch das Schicksal treibt die vier Protagonisten immer wieder aufeinander zu…

Kritik:

Ähnlich wie das zugrundeliegende Theaterstück lebt auch Mike Nichols‘ Adaption von „Closer“ – so der Originaltitel – von den Dialogen. Der Film konzentriert sich dabei so auf seine Figuren, dass er problemlos auch größere Zeitsprünge verarbeiten kann, ohne auf die Entwicklung der einzelnen Liebesbeziehungen eingehen zu müssen. Für Nichols und Marber reicht das erste Kennenlernen völlig aus. Weitere Verabredungen werden dabei ebenso wenig thematisiert wie sexuelle Interaktionen, obwohl sie fraglos das entscheidende Element in der Folge all der Konstellationen darstellen, in denen Alice, Dan, Anna und Larry miteinander verkehren. Das wird vor allem in dem virtuellen Anbahnungsgebaren deutlich, mit dem Dan Larry mit Anna verkuppelt, denn hier geht es um nichts anderes als puren Sex zwischen einander nicht bekannten Personen, aber auch Alices Vergangenheit als Stripperin spielt sicherlich eine Rolle für ihre Attraktivität bei Dan und Larry. Immer wieder überraschen die Zeitsprünge mit neuen Konstellationen, die allerdings selten harmonisch verlaufen. Dafür spielen Lügen, Eifersucht und die Aufregung des Neuen eine zu große Rolle. Auch wenn sich für das Publikum hier keine sympathischen Identifikationsfiguren anbieten, unterhält das mit bissigen Dialogen durchsetzte Beziehungsdrama durch das wunderbare Ensemble, in dem vor allem Clive Owen („The International“, „Children of Men“) sichtlich Spaß an seiner gehässigen Figur demonstriert, den starken Soundtrack mit Auszügen aus Mozarts „Così fan tutte“, Bebel Gilbertos „Samba Da Benção“, „Tanto Tempo“ und „Mais Feliz“ sowie den Tracks „Smack By Bitch Up“ von The Prodigy und „How Soon Is Now?“ von The Smiths.

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