High Fidelity
Nick Hornby ist ein Schriftsteller, der sich vor allem mit
Männer-Sachen auskennt, mit Fußball, Frauen und Musik. Nachdem der ehemalige
Lehrer 1992 seinen Debütroman „Fever Pitch“ mit seinen Erfahrungen als
Anhänger des FC Arsenal und deren Einfluss auf sein Leben gespickt hatte,
setzte er sich in seinem zweiten Roman „High Fidelity“ mit der
Kombination aus Frauen und Musik auseinander. Stephen Frears („Mein
wunderbarer Waschsalon“, „Gefährliche Liebschaften“) verfilmte den Roman mit
John Cusack und Jack Black in den Hauptrollen, Bruce
Springsteen steuerte einen Cameo-Auftritt bei.
Inhalt:
Als Rob Gordon (John Cusack) von seiner Freundin
Laura (Iben Hjejle) verlassen wird, nimmt der Mittdreißiger ihren Auszug
aus seiner Wohnung zum Anlass, eine Top-Five-Liste seiner unvergesslichsten
Trennungen aufzulisten. Nachdem es bei seiner ersten Freundin nur zum Knutschen
reichte und sie wenig später bereits mit dem nächsten Jungen knutschte, ließ
ihn Penny (Joelle Carter) weder an ihre Brüste noch an ihre Muschi,
weshalb er Schluss machen musste, nur um dann festzustellen, dass sein
Nachfolger nur wenige Tage brauchte, um in ihr Allerheiligstes vorzustoßen. Charlie
(Catherine Zeta-Jones) wiederum war eine Nummer zu groß für Rob, und mit
Sara (Lili Taylor) verband ihn vor allem der Umstand, dass sie beide
über Trennungen hinwegkommen mussten und sich deshalb einander trösteten.
Rob nimmt die Trennung zum Anlass, seine Plattensammlung neu
zu sortieren, nicht alphabetisch oder chronologisch, sondern nach ihren
autobiografischen Bezügen. Gleichzeitig ist Rob von heftigen virilen
Selbstzweifeln geplagt, ist Laura doch zu seinem ehemaligen Nachbar Ian (Tim
Robbins) gezogen, dessen Standfestigkeit in erotischer Hinsicht er mit
Laura noch gemeinsam belauschen konnte, als er noch über ihnen wohnte.
Rob ist zudem stolzer Besitzer eines Schallplattenladens
namens „Championship Vinyl“, in dem er auch mit seinen beiden Mitarbeitern Barry
(Jack Black) und Dick (Todd Louiso) verschiedene Top-5-Listen erstellt.
Als die Musikerin Marie De Salle (Lisa Bonet) ein Konzert gibt, findet Rob
endlich einen Ausweg aus seinem Liebeskummer…
Kritik:
Stephen Frears und seine vier (!) Drehbuchautoren
(darunter auch John Cusack) benutzen einen genialen Trick, um die Monolog-Struktur
des Romans einzufangen, indem sie Rob einen Großteil der Geschichte einfach in
die Kamera sprechen lassen. Das erlaubt ihnen nicht nur, ganze Passagen aus dem
Roman wortwörtlich zu übernehmen, sondern gibt vor allem John Cusack („Being
John Malkovich“, „Zimmer 1408“) die Möglichkeit, seiner unreifen Figur das
überzeugende Maß an arrogantem Musikkennertum, melancholischer Wehmut und Verlorenheit
zu verleihen. In einem losen, chronologisch ungeordneten Fluss rekapituliert
Rob in Rückblenden seine Verflossenen, sich kaum bewusst, dass auch er mal den
Schlussstrich gezogen hat, und wendet sich in seinem Herzschmerz vor allem der
Musik zu. Die Szenen in dem atmosphärisch wunderbar fotografierten und ausgestatteten
Plattenladen zählen dabei zu den Höhepunkten des Films, wenn der temperamentvolle
Barry etwa spießige Kunden vergrault oder lautstark seinen eigenen, einzig
wahren Musikgeschmack zum Besten gibt oder Rob mit Barry und dem stilleren,
aber ebenso versierten Musikkenner Dick diverse Top-5-Listen erstellt. Von den
eher stereotyp angelegten Frauenfiguren kann am Ende tatsächlich nur Laura an
Kontur gewinnen, bleibt sie doch auch nach der Trennung eine ständige
Begleiterin in Robs Leben. „High Fidelity“ punktet durch die humorvolle
Leichtigkeit in der Erzählung eines Mannes, der seinen Platz im Leben noch
nicht so recht gefunden hat, durch den tollen Soundtrack und eine ansteckende
Musikbegeisterung, die sich aber kaum in Robs Beziehung zu den Frauen in seinem
Leben widerspiegelt. Dafür fehlt ihm eben noch die nötige Reife.
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