Herz der Finsternis

Joseph Conrads 1902 veröffentlichte meisterhafte Erzählung „Herz der Finsternis“ inspirierte nicht nur Werner Herzogs Meisterwerk „Aguirre, der Zorn Gottes“ (1972), sondern wurde vor allem durch Francis Ford Coppolas Epos „Apocalypse Now“ (1979) berühmt, der die Geschichte allerdings in den Vietnamkrieg transportierte. Die werkgetreuste Version lieferte schließlich Nicolas Roeg („Wenn die Gondeln Trauer tragen“, „Eureka“), der auch den Titel der literarischen Vorlage übernahm.

Inhalt:

Nach seiner Rückkehr in einen englischen Hafen um die Jahrhundertwende soll der junge Seemann Marlow (Tim Roth) drei Vertretern einer Elfenbeingesellschaft an Deck eines Segelschiffs, von dem Auftrag erzählen, der ihn vor Jahren in den tiefsten Dschungel Afrikas geführt hat. Marlow sollte die Wiederaufnahme der Lieferung von wertvollem Elfenbein sicherstellen, nachdem ein gewisser Kurtz (John Malkovich) auf der sogenannten innersten Station mit seinem eigenen Regiment aus Eingeborenen dafür gesorgt hatte, dass kein Elfenbein mehr über den Kongo zur äußeren Station geliefert worden war. Marlows Erzählung offenbart schon zu Beginn, dass gerät der Seemann an Beamte, die ihr Wissen um die Zustände in Afrika verschweigen, wo er erst einmal warten muss, dass das Dampfboot, mit dem er die Reise in den Dschungel antreten soll, repartiert worden ist.
Doch erst die endlose Reise auf dem Fluss, die an die Grenzen des Erträglichen geht und auf der die Besatzung immer wieder mit Überfällen aus dem Dschungel konfrontiert wird, bereitet Marlow auf die erschütternde Begegnung mit Kurtz vor, der sich im Herzen des Landes sein eigenes Reich geschaffen hat und das geborgene Elfenbein wie einen Schatz behütet…

Kritik:

Nicolas Roeg und sein Drehbuchautor Benedict Fitzgerald („Die Passion Christi“) haben sich nicht nur eng an Josephs Conrads literarischer Vorlage gehalten, sondern sich auch der Fokussierung auf die Perspektive des Erzählers Marlow bedient. Der ominöse Kurtz taucht erst relativ spät im Film auf, wird aber bereits durch die Berichte anderer in Marlows Augen fast schon zu einem Mythos. Tatsächlich handelt der Film in erster Linie von Besitzgier vor dem Hintergrund des Kolonialismus, betont die Unmenschlichkeit und Ausbeutung, die allerdings im tiefsten afrikanischen Dschungel an ihre Grenzen gerät. Roeg und sein Kameramann Anthony B. Richmond („Candymans Fluch“, „Wenn die Gondeln Trauer tragen“) fangen hervorragend die klaustrophobische Atmosphäre im Dschungel ein, wobei Stanley Myers („Eureka“, „Mein wunderbarer Waschsalon“) ethnisch geprägter Score die exotische Gefahr eindrucksvoll unterstreicht. Zudem überzeugen Tim Roth („Pulp Fiction“, „Rob Roy“) und John Malkovich („Gefährliche Liebschaften“, „In the Line of Fire“) in ihren Rollen.

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