Der 2025 verstorbene Jonathan Kaplan hat zwar schon
in den 1970ern interessante Filme („Wut im Bauch“, „Straße der Gewalt“)
inszeniert, dann aber vor allem Musikvideos für Künstler wie Barbra
Streisand, Rod Stewart und John Cougar Mellencamp gedreht. Sein
Durchbruch gelang ihm mit dem Oscar-prämierten Justizdrama „Angeklagt“
(1988), doch viel Bemerkenswertes hat Kaplan danach kaum noch realisiert.
Zu seinen bekannteren Arbeiten zählt noch der Psychothriller „Fatale
Begierde“ (1992), der mit Kurt Russell, Ray Liotta und Madeleine
Stowe vor allem glänzend besetzt ist.
Inhalt:
Der Unternehmer Michael (Kurt Russell) und die
Lehrerin Karen Carr (Madeleine Stowe) führen eine mustergültige Ehe und
leben in einer der besseren Gegenden von Los Angeles. Doch als ein schwarzer
Einbrecher Karen mit dem Messer bedroht, bevor ihn Michael mit dem Golfschläger
in die Flucht schlagen kann, gerät ihre Welt aus den Fugen. Zum Glück reagiert mit
Pete Davis (Ray Loitta) ein sehr fürsorglicher Polizist auf den Notruf
und lässt gleich am nächsten Tag eine elektronische Alarmanlage bei den Carrs
einbauen. Dass sein Interesse vor allem an Karen aber nicht mit seinem Diensteifer
zu erklären ist, zeigt sich in den folgenden Tagen, wenn er in Karens Klasse
über die Arbeit als Polizist berichtet und anschließend mit ihr einen Kaffee
trinken geht und immer wieder unangemeldet auf ihrem Grundstück auftaucht. Michael
ahnt schon, dass sich hinter Davis ein Psychopath verbergen könnte, und wird in
seiner Annahme bestätigt, als er Pete im Streifenwagen begleitet und mit dem
Einbrecher konfrontiert wird, der vor allem Karen traumatisiert hat. Doch Michael
ist nicht daran interessiert, den Mann zusammenzuschlagen. Das übernimmt Pete
für ihn. Als Michael ihm unmissverständlich klarmacht, dass sich Pete von Karen
und ihm fernhalten soll, fängt der Terror für die Carrs erst richtig an…
Kritik:
„Fatale Begierde“ erzählt die packende Geschichte,
wie sich das Leben eines Paars, das sich in einer schicken Gegend in eigentlich
in Sicherheit wiegen kann, schlagartig auf den Kopf gestellt wird, sobald
dieses Vertrauen auf lebensbedrohliche Weise verletzt wird. Kaplan und
seine Drehbuchautoren beschränken sich aber nicht darauf, die Paranoia zu
thematisieren, die Karen und Michael nach dem Einbruch in ihr Heim empfinden,
sondern bringen ausgerechnet mit einem psychopathischen Cop, der für ihre
Sicherheit sorgen soll, eine dritte Person ins Spiel, die die Bedrohung noch
realer macht, zumal sich Pete Mittel bedienen kann, die den Carrs nicht zur Verfügung
stehen. Raffiniert zeigt Kaplan auf, wie aus der anfänglichen Dankbarkeit gegenüber
dem hilfsbereiten Cop zunächst Verwirrung, dann Unbehagen und schließlich
regelrechte Furcht wird, was vor allem Madeleine Stowe („China Moon –
Eine heiße Affäre“, „12 Monkeys“) subtil zu vermitteln versteht. Ohne dass
sie bewusst mit Pete kokettiert, wird deutlich, warum der Cop so an der
attraktiven Lehrerin interessiert ist, während der Plot auch aufzeigt, dass
Pete generell ein Problem mit Frauen hat. Ray Liotta („Narc“, „GoodFellas“)
ist die Rolle des psychopathischen Cops wie auf den Leib geschrieben, aber auch
Kurt Russell („Die Klapperschlange“, „Death Proof“) macht als
biederer Geschäftsmann, der sich zunehmend seiner Haut zu wehren vermag, eine
gute Figur. Zwar schießt der Thriller mit starken Neo-Noir-Anleihen zum Finale
etwas übers Ziel hinaus und kann sich auch einiger Stereotypen nicht erwehren,
doch das starke Ensemble, die routinierte Inszenierung, der düstere Look und James
Horners unaufdringlicher, fesselnder Score machen „Fatale Begierde“
zu einem feinen Genre-Stück.
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