Ein Glücksfall

Woody Allen hat eine immens produktive und erfolgreiche Karriere hinter sich, wurde er doch viermal mit einem Oscar ausgezeichnet (für das Originaldrehbuch und die Regie von „Der Stadtneurotiker“ und jeweils für die Drehbücher zu „Hannah und ihre Schwestern“ und „Midnight in Paris“), erhielt darüber hinaus zwanzig weitere Male nominiert. Die gegen ihn erhobenen Missbrauchsvorwürfe haben ihn allerdings in Hollywood längst zur Persona non grata gemacht, weshalb sein mittlerweile 50. Film „Ein Glücksfall“ als eine britisch-französische Koproduktion in Paris gedreht wurde.

Inhalt:

Alain (Niels Schneider) kann es kaum fassen, als er eines Tages durch Paris spaziert und dabei Fanny (Lou de Laâge) trifft, in die er schon verliebt gewesen war, als sie noch gemeinsam die Schule in New York besuchten. Auch Fanny ist von dem Wiedersehen nach so vielen Jahren angetan und ist gern bereit, Alain wiederzusehen, denn in ihrer Ehe mit dem vermögenden und gutaussehenden Finanzmakler Jean (Melvil Poupaud) fühlt sie sich in dem luxuriösen Leben voller Verabredungen in der High Society eher als Trophäe denn als geliebte Frau. Alain holt sie immer wieder zum kurzen Mittagsimbiss von dem Auktionshaus ab, in dem Fanny arbeitet, und erzählt von der Arbeit an seinem neuen Roman, der vom Zufall handelt. Schließlich begleitet sie Alain zu seinem Apartment und lässt sich auf eine Affäre mit ihm ein. Als Fannys Mutter Camille (Valérie Lemercier) zu Besuch kommt, ist sie einmal mehr von dem charmanten Gatten ihrer Tochter begeistert. Doch je mehr Zeit Fanny mit ihrer alten Bekanntschaft verbringt, umso stärker sind ihre Zweifel, ob sie wie bisher weitermachen will. Mittlerweile ist auch Jean skeptisch geworden, nachdem er seine Frau mehrmals telefonisch nicht erreichen konnte, und engagiert einen Privatdetektiv, der Jean tatsächlich Beweise für Fannys Untreue vorlegt. Jean zögert keinen Moment, seinen Rivalen aus dem Verkehr zu ziehen. Als Fanny wenig später Alain in dessen Apartment besuchen will, nachdem er telefonisch nicht mehr erreichbar gewesen ist, findet sie es zwar noch möbliert vor, aber Alains persönliche Sachen sind verschwunden…

Kritik:

Mit seinem Spätwerk „Ein Glücksfall“ kehrt Woody Allen noch einmal nach Paris zurück, wo er bereits sein Oscar-prämiertes Meisterwerk „Midnight in Paris“ (2011) hat spielen lassen. Mit dessen impressionistischen Charme hat „Coup de chance“ wenig gemein. Dafür präsentiert der Altmeister eine zunächst vertraut anmutende Romanze vor den warmen Farben einer herbstlichen Stadt. Allen und sein italienischer Kameramann Vittorio Storaro („Der letzte Tango in Paris“, „1900“) finden immer wieder postkartenschöne Motive, gerade auch auf dem Lande, wohin sich Jean und mit seinen Jagdkumpanen und seiner wenig begeisterten Frau immer wieder zur Erholung zurückziehen. Dass der Film jedoch weit mehr als eine typische Romanze zu bieten hat, wird bereits in einigen Gesprächen von Jeans Freunden angedeutet, wenn über Jeans spurlos verschwundenen ehemaligen Geschäftspartner spekuliert wird, und sobald der aalglatte Geschäftsmann mit einem Tick für seine Märklin-Modelleisenbahn aus den 1950er Jahren seinen Mann für schmutzige Geschäfte anheuert, wird dieses Gefühl, dass Jean nicht unbedingt der (Sauber-)Mann ist, der er zu sein scheint, driftet „Ein Glücksfall“ ins Thriller-Milieu ab. Auch hier bewegt sich Allen auf vertrauten Bahnen, punktet aber mit einer wunderbaren Pointe. Bis dahin funktioniert der Film vor allem über seine grandiosen Schauwerte und das attraktive Ensemble. Für ein Alterswerk durchaus sehenswert.

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