Mit eisernen Fäusten

Anfang der 1960er Jahre sammelte Sydney Pollack noch bei fast zwanzig verschiedenen Fernsehserien wie „Dr. Kildare“, „Auf der Flucht“ und „Stunde der Entscheidung“ erste Regie-Erfahrungen, ehe seine Hollywood-Karriere mit seinem Kinodebüt „Stimme am Telefon“ (1965) rasant an Fahrt aufnahm, durfte er von Beginn an doch mit einem hochkarätigen Ensemble arbeiten. Waren es bei seinem Langfilmdebüt Sidney Poitier, Anne Bancroft und Telly Savalas, folgten Robert Redford, Natalie Wood und Charles Bronson in „Dieses Mädchen ist für alle“ (1966). 1968 durfte Pollack schließlich seinen ersten Western drehen: „Mit eisernen Fäusten“ gefällt als humorvoller Genrebeitrag mit deutlich antirassistischer Botschaft und Burt Lancaster und Telly Savalas in ihrer dritten Zusammenarbeit nach „Die jungen Wilden“ (1961) und „Der Gefangene von Alcatraz“ (1962).

Inhalt:

Der Trapper Joe Bass (Burt Lancaster) befindet sich nach einjähriger Pelztierjagd auf dem Heimweg, als er von dem ihm bekannten Indianerhäuptling Schwarze Krähe dazu gezwungen wird, alle Felle gegen den entlaufenen Sklaven Lee (Ossie Davis) einzutauschen. Bass ist entschlossen, sich seine Pelze zurückzuholen. Doch im Indianerlager müssen er und Lee tatenlos mitansehen, wie der brutale Skalpjäger Jim Howie (Telly Savalas) mit seiner Bande ein Gemetzel an den betrunkenen Indianern anrichtet und mit den Fellen entkommt. Bass ist gewillt, sich seinen Besitz zurückzuholen, muss bei der Verfolgung der gesuchten Verbrecher aber in Kauf nehmen, dass der gebildete Sklave von Howies Bande gefangen genommen wird. Während Ossie Howies Plan, nach Mexiko zu fliehen, seinen eigenen entgegenkommt, lässt sich Bass einfach nicht abschütteln und dezimiert die Skalpjäger, je weiter sie zur Grenze kommen…

Kritik:

Das Drehbuch von William W. Norton („Der Tiger hetzt die Meute“, „Brannigan – Ein Mann aus Stahl“) greift auf interessante Weise den gesellschaftlichen Wandelt in den 1960er Jahren in den USA auf, vor allem den Umgang mit dem Rassismus. Indem er dem weißen, handwerklich geschickten, aber ungebildeten Trapper Joe Bass mit dem äußerst gebildeten schwarzen Ex-Sklaven auf die Jagd nach Bass‘ gestohlenen Fellen gehen lässt, verkehrt er die damals noch gängige Vorstellung von der – auch geistigen – Überlegenheit der Weißen gegenüber den Schwarzen ins Gegenteil. Doch Pollack beschränkt sich in seinem unterhaltsamen Western nicht auf die Rassen-Thematik, auch nicht hinsichtlich der Indianer, die die Geschichte erst ins Rollen gebracht haben, sondern stellt die Jagd des Trappers in dem Versuch, seine Felle zurückzubekommen, in den Vordergrund. Dabei darf Burt Lancaster immer wieder sein Geschick an den Waffen und bei den Überfällen auf Howies Treck beweisen, während Ossie Davis („Der Klient“, „Ein verrücktes Paar“) als ebenso gebildeter wie pragmatischer Schwarzer zwischen allen Stühlen sitzt. Neben Telly Savalas als der obligatorische Bösewicht ist es vor allem Shelley Winters („Lolita“, „Ein Platz an der Sonne“) Rolle als Howies Mätresse interessant, träumt sie doch von einem Leben in Luxus und ist dafür auch bereit, die Beziehung zu Howie aufzugeben. Pollack ist mit „Mit eisernen Fäusten“ ein stimmungsvoller, vor allem thematisch interessanter Western gelungen.

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