Der Fluch der goldenen Blume
Die Karrieren des chinesischen Filmemachers Zhang Yimou
und der Schauspielerin Gong Li waren gerade zu Beginn eng miteinander verbunden.
Gong Li („Die Geisha“, „2046“) war nicht nur bis 1995 privat mit
Yimou liiert, sondern wirkte seit seinem gefeierten Regiedebüt „Rotes Kornfeld“
(1988) in dessen ersten sieben Filmen mit. Ihre erneute Zusammenarbeit nach
ihrer persönlichen wie beruflichen Trennung bei „Der Fluch der goldenen
Blume“ (2008) ist vor allem ein Fest der Sinne, ein Shakespeare’sches Drama
voll beeindruckender Kampf-Szenen.
Inhalt:
China vor mehr als 1000 Jahren: Am Hofe des Kaisers hat sich
eine Atmosphäre des Misstrauens und der Gier nach Macht gebildet. Intrigen und
Komplotte haben gegenseitiges Vertrauen undenkbar gemacht. Nachdem er erfahren
musste, dass seine Gattin (Gong Li) eine Affäre mit seinem Sohn aus
erster Ehe, dem Kronprinzen Wan (Liu Ye), begonnen hat, trifft der König
(Chow Yun-Fat) Vorbereitungen, die Königin mit Hilfe eines schwarzen
Pilzes in ihrer Medizin langsam zu vergiften, indem er ihr durch den ihm
loyalen Apotheker Eisenhutwurzel in ihre Medizin mischen lässt, die ihr
mehrmals täglich von der Tochter des Apothekers (Li Man) gereicht wird,
die wiederum in den Kronprinzen Wan verliebt ist. Obwohl die Kaiserin den
perfiden Plan ihres Gatten durchschaut, kann sie die Medizin nicht
zurückweisen, ohne Verdacht zu erregen.
Allerdings hat sie nicht vor, ihrem Tod untätig ins Auge zu
sehen, und schmiedet ein ebenso grausames Komplott. Am Tag des
Chrysanthemen-Festes, wenn die Palastwache sich zum Festmahl zurückzieht, soll
ihr gerade von seiner Militärausbildung zurückgekehrter Sohn Prinz Jai (Jay
Chou) mit ihrer Unterstützung einen Putschversuch wagen und den König von
seinem Thron stoßen…
Kritik:
Zhang Yimou zählt zu den prominentesten Vertretern
der sogenannten „Fünften Generation“ chinesischer Filmemacher, die nach der
Kulturrevolution wieder arbeiten durften. Mit seinen international gefeierten, auf
verschiedenen Festivals ausgezeichneten Filmen „Rote Laterne“ (Silberner
Löwe in Venedig), „Die Geschichte der Qui Ju“ (Goldener Löwe), „Leben!“
(Großer Preis der Jury in Cannes), „Keiner weniger“ (Goldener Löwe) und „Heimweg“
(Silberner Bär) hat sich Yimou geschickt der Zensur im eigenen Land
entziehen können und mit seinen Martial-Arts-Epen „Hero“ (2002) und „House
of Flying Daggers“ (2004) auch das internationale Mainstream-Publikum abgeholt.
Dem Wuxia-Genre bleibt er auch in dem 2006 entstandenen „Der Fluch
der goldenen Blume“ treu, der mit einem Budget von 45 Millionen US-Dollar die
bis dahin teuerste chinesische Filmproduktion darstellte und damit Chen
Kaiges „Wu Ji – Die Reiter der Winde“ übertraf. Wohin das Geld
geflossen ist, sieht man Yimous neuen Meisterwerk in jeder Szene an. Zwar
spielt das Familien-Drama fast ausschließlich im Schloss des Kaisers, doch
nutzt Yimou die exquisite Kulisse für grell leuchtende Bilder, als wäre
jede Szene, jeder Winkel in gleißende Sonnenstrahlen getaucht. Die Geschichte
ist dabei ebenso einfach wie dramatisch gestrickt. Die Komplotte, die Kaiser
und Kaiserin gegeneinander schmieden, bilden den erzählerischen Strang, mit dem
zunehmend größere Kriegertruppen aufeinander losgehen, bis in einer sehenswerten
Massenszene ganze Heere im Palast aufeinandertreffen.
Basierend auf Cao Yus populären Theaterstück „Das
Gewitter“, dessen Geschichte für den Film in die Zeit der späten
Tang-Dynastie verlegt wurde, inszeniert Yimou ein geschickt
verschachteltes Königsdrama von shakespearescher Intensität, wobei er auch gelegentlich
den Palast verlässt und den Ausflug in die ihn umgebenden Schluchten für ein
weiteres sehenswerten Kampfspektakel nutzt. Allerdings sind diese Action-Sequenzen
rar genug gesät, um die eigentliche Geschichte nicht zu kurz kommen zu lassen.
Zwar sind die Figuren nicht besonders fein gezeichnet, aber gerade Gong Li
und Chow Yun-Fat sind so präsent in ihren diabolischen Rollen, dass es
einfach Spaß macht, ihnen zuzusehen. Die lange – gemeinsame - Schaffenspause,
die Gong Li und Zhang Yimou eingelegt haben, hat „Der Fluch
der goldenen Blume“ jedenfalls nicht geschadet.

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