Der Schwimmer

Sydney Pollack hatte mit dem Drama „Stimme am Telefon“ (1965), der Romanze „Dieses Mädchen ist für alle“ (1966) und dem Western „Mit eisernen Fäusten“ (1968) erst drei Filme realisiert, als er kurzfristig für das von Frank Perry inszenierte Drama „Der Schwimmer“ ersetzen, der sich mit seinem Hauptdarsteller Burt Lancaster überworfen hatte. Lancaster drehte anschließend mit Pollack „Mit eisernen Fäusten“ und lieferte unter Pollacks Regie eine seiner eindringlichsten Performances ab.

Inhalt:

Der vierzigjährige Ned Merrill (Burt Lancaster) taucht eines Sommermorgens nach zweijähriger Abstinenz unvermittelt nur mit seiner Badehose bekleidet bei seinen Freunden auf und wird überschwänglich begrüßt. Als er darum bittet, eine Runde im Pool schwimmen zu dürfen, erfährt er, dass dass die Schwimmbecken, die sich im Reichenviertel Connecticuts befinden, allesamt miteinander verbunden sind. Daraufhin beschließt Ned den nach seiner Frau Lucinda benannten künstlichen Fluss zu durchqueren und dabei alte Bekannte wiederzutreffen. Für einige Stunden wird Ned von der zwanzigjährigen Sekretärin Julie (Janet Landgard) begleitet, die einst regelmäßig als Babysitterin in Neds Haus verkehrte und ihm während der Wanderung zum nächsten Grundstück mit Pool gesteht, sich zu jener Zeit in ihn verliebt zu haben. Ihre Wege trennen sich, als Ned ihr eindeutige Annäherungsversuche macht und sie Reißaus nimmt. Neds Freude über sein Vorhaben, von Pool zu Pool zu wandern und seine alten Freunde wiederzusehen, wird aber auch durch andere Begegnungen getrübt. Die anfängliche Wiedersehensfreude gerade der Frauen wird durch Anspielungen und offene Anfeindungen getrübt, die vermuten lassen, dass Ned in seiner Vergangenheit nicht nur der fürsorgliche und geliebte Familienvater war, als der er sich darstellt, dass er einigen sogar Geld schuldet. Ned erwähnt dann häufiger, nach Hause gehen zu müssen, wo seine Frau und seine Tennisspielenden Kinder auf ihn warten. Er trifft auch auf seine ehemalige Geliebte (Janice Rule), die ihn mit Vorwürfen und Demütigungen konfrontiert…

Kritik:

Nach einem Drehbuch von Frank Perrys Ehefrau Eleanor Perry („Der Mann, der die Katzen tanzen ließ“, „David und Lisa“) und John Cheever hat Sydney Pollack (der übrigens nicht in den Credits aufgeführt wird) einen interessanten Beitrag zum New-Hollywood-Kino beigesteuert. Was zunächst wie ein Werk des klassischen Hollywood-Kinos wirkt, wenn der Superstar Burt Lancaster, der als 54-Jähriger zur Vorbereitung für die Rolle ein intensives Fitness- und Schwimmprogramm absolvieren musste, um einen athletischen 40-Jährigen verkörpern zu können, unangekündigt auf den Luxus-Grundstücken seiner Freunde auftaucht, wo ihm Drinks angeboten und Einladungen zum Essen überbracht werden. Dieser oberflächliche, überschwänglich eingeleitete Smalltalk bildet aber nur den schöngefärbten Auftakt zu einer Reise der zunehmend bitteren Selbsterkenntnis, zu der der gutaufgelegte Ned Merrill kommen muss. Über sein Leben und seine Vergangenheit wird nicht viel erzählt. Allein seine Motivation, nur in Badehosen bekleidet unangekündigt bei Freunden aufzutauchen, ist seltsam genug, wird von seinen überraschten Gastgebern nicht groß hinterfragt. Erst nach und nach zerbricht Merrills überhöhtes Selbstverständnis, seine zur Schau getragene Fröhlichkeit und Unbekümmertheit. Ein Mann, der früher alles gehabt hat, was sich ein Mann nur wünschen konnte, wird durch die Begegnungen mit früheren Freunden auf den Boden der Tatsachen zurückgeworfen und zu einer bitteren Selbsterkenntnis geführt. Das ist zwar nicht besonders originell inszeniert, aber die ungewöhnliche Plotidee und der starke Cast lassen „Der Schwimmer“ über die symbolisch etwas überladene Formensprache hinwegsehen. 

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