1954 inszenierte Billy Wilder mit „Sabrina“
nach dem gleichnamigen Theaterstück einen Liebesfilm-Klassiker mit Humphrey
Bogart und Audrey Hepburn in den Hauptrollen, und wie so oft in
Hollywood werden Klassiker wie diese gern neu verfilmt. Was einmal sehr gut
funktioniert hat, muss auch ein weiteres Mal Erfolg bringen. Gut vierzig Jahre
nach Billy Wilders Bravourstück lag es an Regie-Veteran Sydney
Pollack („Die Firma“, „Jeremiah Johnson“, „Die drei Tage des Condor“),
„Sabrina“ in die 1990er Jahre zu transportieren. Leider können weder Harrison
Ford und Julia Ormond ebenso wenig den Charme von Bogart/Hepburn
versprühen, noch vermag das Drehbuch den Dialogwitz des Originals einzufangen.
Inhalt:
Seit ihrer Kindheit ist Sabrina Fairchild (Julia Ormond),
Tochter des britischen Chauffeurs Fairchild (John Wood), in den jüngeren
Zögling der vermögenden Larrabie-Familie, David (Greg Kinnear), verliebt
und beobachtet jedes der rauschenden Feste im Garten von dem Baum aus, der die
Wohnung ihres Vaters über der Garage von dem Garten der Larrabies trennt. Obwohl
sie dabei erlebt, wie der vom, vor allem durch seinen pflichtbewussten Bruder
Linus (Harrison Ford) vermehrtes Vermögen der Familie lebende Gigolo
jedes Mal eine andere Frau in den Wintergarten entführt, um sie mit Champagner
abzufüllen und ihr romantische Worte ins Ohr zu flüstern, kommt sie nicht von
ihm los und wird von ihrem Vater zu einem Praktikum bei der Modezeitschrift „Vogue“
nach Paris geschickt. Dort freundet sie sich zwar mit dem Fotografen Louis (Patrick
Bruel) an, doch auf eine Beziehung mit ihm kann sie sich nicht einlassen.
Als sie nach Amerika zurückkehrt, hat sie sich nicht nur eine andere Frisur und
ein elegantes Outfit zugelegt, sondern ist auch sonst kaum wiederzuerkennen,
schon gar nicht von ihrem Schwarm David, der sich sofort in die junge Dame
verguckt, obwohl er bereits mit der gut situierten Kinderärztin Elizabeth Tyson
(Lauren Holly) verlobt ist. Nicht nur Davids und Linus‘ Mutter (Nancy
Marchand) sind über Davids ausgeprägtes Interesse an der Chauffeurstochter
beunruhigt, da der Larrabie-Konzern kurz vor der Fusion mit dem Unternehmen von
Elizabeths Vater (Richard Crenna) steht, sondern verständlicherweise
auch die Tysons. Während Linus seinerseits bemüht ist, Sabrinas Interesse an
David in andere Bahnen zu lenken, entdeckt der Geschäftsmann plötzlich eine
menschliche Seite an sich…
Kritik:
Dass Sydney Pollack bei diesem ebenso romantischen wie
altmodischen Rührstück die Regie zunächst nicht übernehmen wollte, kann man ihm
nicht verdenken. Das Drehbuch zu Billy Wilders Klassiker hat Pollack
nur in die Gegenwart katapultiert und es mit protzigen Schauwerten mit einem Luxusanwesen
am Wasser, schicken Autos und attraktiven Menschen versehen, dazu passt Paris
mit seinen schönen Postkartenmotiven und einem Auftritt von Fanny Ardant
als Sabrinas Mentorin. Die Bäumchen-wechsle-dich-Love-Story zwischen Sabrina
auf der einen und den beiden unterschiedlichen Larrabie-Brüdern auf der anderen
Seite ist zu Beginn noch ganz nett anzusehen, wird mit den zunehmenden
Verwicklungen aber immer unglaubwürdiger. Harrison Ford („Mosquito
Coast“, „Der einzige Zeuge“, „Das Kartell“) nimmt man den knallharten
Unternehmer ebenso wenig ab wie Julia Ormond („Der 1. Ritter“, „Legenden
der Leidenschaft“) die Verwandlung vom Mauerblümchen zur Frau von Welt mit ausgeprägtem
Sinn für Fotografie. So enttäuscht Pollacks Remake als sentimentale
Love-Story vor berauschend schönen Kulissen, weil die Figuren längst nicht so
originell gezeichnet sind wie in Billy Wilders Klassiker.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen