Sabrina (1995)

1954 inszenierte Billy Wilder mit „Sabrina“ nach dem gleichnamigen Theaterstück einen Liebesfilm-Klassiker mit Humphrey Bogart und Audrey Hepburn in den Hauptrollen, und wie so oft in Hollywood werden Klassiker wie diese gern neu verfilmt. Was einmal sehr gut funktioniert hat, muss auch ein weiteres Mal Erfolg bringen. Gut vierzig Jahre nach Billy Wilders Bravourstück lag es an Regie-Veteran Sydney Pollack („Die Firma“, „Jeremiah Johnson“, „Die drei Tage des Condor“), „Sabrina“ in die 1990er Jahre zu transportieren. Leider können weder Harrison Ford und Julia Ormond ebenso wenig den Charme von Bogart/Hepburn versprühen, noch vermag das Drehbuch den Dialogwitz des Originals einzufangen.

Inhalt:

Seit ihrer Kindheit ist Sabrina Fairchild (Julia Ormond), Tochter des britischen Chauffeurs Fairchild (John Wood), in den jüngeren Zögling der vermögenden Larrabie-Familie, David (Greg Kinnear), verliebt und beobachtet jedes der rauschenden Feste im Garten von dem Baum aus, der die Wohnung ihres Vaters über der Garage von dem Garten der Larrabies trennt. Obwohl sie dabei erlebt, wie der vom, vor allem durch seinen pflichtbewussten Bruder Linus (Harrison Ford) vermehrtes Vermögen der Familie lebende Gigolo jedes Mal eine andere Frau in den Wintergarten entführt, um sie mit Champagner abzufüllen und ihr romantische Worte ins Ohr zu flüstern, kommt sie nicht von ihm los und wird von ihrem Vater zu einem Praktikum bei der Modezeitschrift „Vogue“ nach Paris geschickt. Dort freundet sie sich zwar mit dem Fotografen Louis (Patrick Bruel) an, doch auf eine Beziehung mit ihm kann sie sich nicht einlassen. Als sie nach Amerika zurückkehrt, hat sie sich nicht nur eine andere Frisur und ein elegantes Outfit zugelegt, sondern ist auch sonst kaum wiederzuerkennen, schon gar nicht von ihrem Schwarm David, der sich sofort in die junge Dame verguckt, obwohl er bereits mit der gut situierten Kinderärztin Elizabeth Tyson (Lauren Holly) verlobt ist. Nicht nur Davids und Linus‘ Mutter (Nancy Marchand) sind über Davids ausgeprägtes Interesse an der Chauffeurstochter beunruhigt, da der Larrabie-Konzern kurz vor der Fusion mit dem Unternehmen von Elizabeths Vater (Richard Crenna) steht, sondern verständlicherweise auch die Tysons. Während Linus seinerseits bemüht ist, Sabrinas Interesse an David in andere Bahnen zu lenken, entdeckt der Geschäftsmann plötzlich eine menschliche Seite an sich…

Kritik:

Dass Sydney Pollack bei diesem ebenso romantischen wie altmodischen Rührstück die Regie zunächst nicht übernehmen wollte, kann man ihm nicht verdenken. Das Drehbuch zu Billy Wilders Klassiker hat Pollack nur in die Gegenwart katapultiert und es mit protzigen Schauwerten mit einem Luxusanwesen am Wasser, schicken Autos und attraktiven Menschen versehen, dazu passt Paris mit seinen schönen Postkartenmotiven und einem Auftritt von Fanny Ardant als Sabrinas Mentorin. Die Bäumchen-wechsle-dich-Love-Story zwischen Sabrina auf der einen und den beiden unterschiedlichen Larrabie-Brüdern auf der anderen Seite ist zu Beginn noch ganz nett anzusehen, wird mit den zunehmenden Verwicklungen aber immer unglaubwürdiger. Harrison Ford („Mosquito Coast“, „Der einzige Zeuge“, „Das Kartell“) nimmt man den knallharten Unternehmer ebenso wenig ab wie Julia Ormond („Der 1. Ritter“, „Legenden der Leidenschaft“) die Verwandlung vom Mauerblümchen zur Frau von Welt mit ausgeprägtem Sinn für Fotografie. So enttäuscht Pollacks Remake als sentimentale Love-Story vor berauschend schönen Kulissen, weil die Figuren längst nicht so originell gezeichnet sind wie in Billy Wilders Klassiker.

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