Wu Ji – Die Meister des Schwertes

Der künstlerische wie kommerzielle Flop seines kostspieligen Wuxia-Abstechers „The Promise: Wu Ji – Die Reiter der Winde“ (2005) hätte dem international renommierten Filmemacher Chen Kaige („Lebewohl, meine Konkubine“, „Der Kaiser und sein Attentäter“) eigentlich eine Lehre sein müssen. Das Action-Spektakel fiel vor allem deshalb bei Publikum und Kritikern durch, weil die erstmals exzessiv in einer chinesischen Produktion eingesetzten CGI-Effekte viel zu deutlich als solche zu erkennen waren und so die Glaubwürdigkeit des Märchens von vornherein verrieten. Zwar kehrte Kaige mit „Wu Ji – Die Meister des Schwertes“ (2010) wieder zum Wuxia-Genre zurück, verzichtete aber immerhin auf allzu intensive Special-Effects-Orgien. Doch an seine früheren Meisterwerke kann der Film nach wie vor nicht anknüpfen.

Inhalt:

Über vier Generationen übten die Mitglieder des Zhao-Clans die Herrschaft im Land aus. Während Zhao Dun (Guoan Bao) den Posten des Premierministers innehat, dient sein Sohn Zhao Shuo (Wenzhuo Zhao) als General in der königlichen Armee. Er ist mit der älteren Schwester des Königs, Zhuang Ji (Bingbing Fan), verheiratet. Die Vormachtstellung der Zhaos bröckelt allerdings, als Tu’an Gu (Xueqi Wang), der sich als Todfeind der Zhaos nicht mit dem Einfluss und der Machtstellung des Clans abfinden will, ein Massaker anrichtet, dem der komplette Zhao-Clan mit über 300 Familienangehörigen zum Opfer fällt. Während ihr Mann dem Tod entgegensieht, liegt Zhuang Ji in den Wehen und gebiert kurz darauf den letzten Zhao. Sie selbst stirbt bei der Geburt, aber der Arzt Cheng Ying (You Ge), der selbst gerade Vater geworden ist, nimmt sich des Kleinen an. Als Tu’an Gu davon erfährt, nimmt er alle Babys der Stadt als Geiseln, bis der Zhao-Nachfahre gefunden worden ist. Cheng Ying vertauscht schließlich die beiden Kinder in der Hoffnung, dass sein eigenes überlebt.
Kurz darauf wird das Kind bei Cheng Yings Frau gefunden. Weil es für das letzte Mitglied des Zhao-Clans gehalten wird, lässt Tu’an Gu den Jungen töten. Die gefangen gehaltenen Kinder der Stadtbewohner kehren zu ihren Familien zurück. Der letzte Zhao wächst jetzt als Sohn Cheng Yings im Haus des Arztes auf. Nach einigen Jahren beschließt Cheng Ying, gemeinsam mit seinem Ziehsohn am Hof Tu’an Gus zu dienen. Tu’an Gu wird zum Paten des letzten Zhaos. Doch Cheng Ying verfolgt andere Pläne, in denen sein Ziehsohn eine zentrale Rolle spielt…

Kritik:

Basierend auf dem altertümlichen chinesischen Theaterstück „The Orphan of Zhao“ inszenierte Chen Kaige ein komplexes Drama voller Intrigen, Machthunger, Liebe, Verrat und Rache, bei dem leider gerade zu Anfang zu wenig Wert auf die Exposition gelegt wird. Zwar wird schnell offensichtlich, dass Tu’an Gu (Xueqi Wang), der selbst gern mit der Schwester des Königs verheiratet gewesen wäre, mit seiner Situation unzufrieden ist, doch auf der anderen Seite werden die beiden schwangeren Mütter und ihre Schicksale inmitten des von Tu’an Gu angezettelten Verrats zu schnell abgehandelt, um ein Gefühl für die beteiligten Figuren zu bekommen. Das Drehbuch von Ningyu Zhao („1921“, „The Sacrifice – Um jeden Preis“) fokussiert sich ganz auf die über Jahre andauernde Feindschaft zwischen Tu’an Gu und Cheng Ying, wobei Chen Yings Ziehsohn eine wichtige Rolle in der Beziehung zwischen den beiden Antagonisten einnimmt. Was sich hier lange Zeit im Verborgenen anbahnt, nimmt schon Shakespeare’sche Ausmaßen an. Dank der guten Schauspielleistungen weiß dieser Konflikt auch das Drama zu tragen, doch bleiben alle anderen Figuren dabei sehr blass. Das packende Finale entschädigt für viel Leerlauf im Mittelteil, doch für einen packenden Wuxia-Film braucht es schon mehr als viel Drama und ein wenig sehenswerte Action.

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