Mit Erotik-Thrillern und -Dramen wie „9 ½ Wochen“, „Eine
verhängnisvolle Affäre“, „Ein unmoralisches Angebot“ und dem Remake von Stanley
Kubricks „Lolita“ galt Adrian Lyne einst als Garant für skandalträchtige
Blockbuster, doch nach dem Flop mit „Untreu“ war von dem Erotik-Filmer
nichts mehr zu hören. Zwanzig Jahre später kehrte der mittlerweile 80-jährige Lyne
dann überraschend mit der Verfilmung einer Geschichte von Patricia Highsmith
zurück: „Tiefe Wasser“ wartet immerhin mit dem prominenten Paar Ben
Affleck und Ana de Armas in den Hauptrollen auf, ist aber weder
provozierend noch besonders spannend ausgefallen. Selbst die Erotikszenen sind
sparsam gesät.
Inhalt:
Nachdem Vic (Ben Affleck) durch die Entwicklung eines
Programms für Drohnen reich geworden ist, um Menschen aufzuspüren, hat er sich
aus dem Geschäft zurückgezogen und kümmert sich nur noch um die Herausgabe
eines Magazins, seine im Keller gezüchteten Schnecken und seine viel jüngere
Frau Melinda (Ana de Armas) und die gemeinsame Tochter Trixie (Grace
Jenkins). Melinda hat das langweilige Leben im Luxus allerdings ziemlich
satt und gibt sich keine Mühe, ihr Interesse an jüngeren Männern zu verbergen.
Einen ihrer „Freunde“ (Brendan Miller) verschreckt Vic mit der
Geschichte, dass er einen von Melindas früheren „Freunden“ getötet habe.
Tatsächlich ist dieses Gerücht auch schon anderen in Vics und Melindas
Bekanntschaft zu Ohren gekommen, so auch dem Schriftsteller Don Wilson (Tracy
Letts), der umso misstrauischer wird, als auch Melindas nächster „Freund“ bei
einer Party im Swimmingpool ertrinkt…
Kritik:
Nachdem Adrian Lyne mit seinen frühen, für damalige Verhältnisse
ungewohnt freizügigen Erotik-Filmen immer wieder für Aufsehen sorgte, ist das
Alterswerk „Tiefe Wasser“ nicht von ungefähr gar nicht erst ins Kino
gelangt, sondern fürs Streaming produziert worden. Davon, dass es hinter der
Kamera zwischen den beiden Hauptdarstellern ordentlich knisterte, ist im Film
leider viel zu wenig zu sehen. Obwohl „Tiefe Wasser“ vor allem das
sexuelle Ungleichgewicht zwischen Vic und seiner viel jüngeren, aufreizend
schönen und mit ihren Reizen kokettierenden Frau Melinda thematisiert, sind die
erotischen Szenen rar gesät. Um die Enttäuschung der Publikumserwartungen in
dieser Hinsicht auszugleichen, hätten Lyne und sein Drehbuchautor Sam
Levinson („Euphoria“, „Malcolm & Marie“) die psychologische
Komponente intensiver herausarbeiten müssen, doch bleibt die Betrachtung
enttäuschend oberflächlich. So werden weder Melindas Motive für ihre offensiv
vor den Augen ihres Mannes angebahnten Beziehungen zu jungen Männern deutlich,
noch werden diese provozierenden „Freundschaften“ näher beleuchtet. An Ben
Affleck („The Rip“, „Gone Baby Gone“) und Ana de Armas („Knives
Out – Mord ist Familiensache“, „James Bond 007 – Keine Zeit zu sterben“)
liegt es dabei nicht, dass „Tiefe Wasser“ nicht so recht zum Publikum
durchdringt. Während de Armas gekonnt die sinnlichen Reize ihrer Figur
ausspielt, wirkt Afflecks Figur bewusst stoisch angelegt, so dass zunächst
gerätselt werden muss, ob Vic wirklich hinter dem Verschwinden von Melindas früherem
Freund steckt. Merkwürdigerweise gerät Vic nie ernsthaft in den Fokus
polizeilicher Ermittlungen. Das Finale ist immerhin spektakulär in Szene
gesetzt, doch bis dahin dümpelt das oberflächliche Erotikdrama eher ziellos und
vor allem wenig berührend vor sich hin.
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