Rosa Luxemburg

Margarethe von Trotta begann zwar als Schauspielerin, u.a. neben Rainer Werner Fassbinder in Volker Schlöndorffs „Baal“ (1970) und Fassbinders „Götter der Pest“ (1970) und „Warum läuft Herr R. Amok?“ (1970), doch mit ihren ersten Drehbüchern für die Schlöndorff-Filme „Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach“, „Strohfeuer“, „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ und „Der Fangschuss“ legte sie in den frühen 1970er Jahren auch schon den Grundstein als wichtige Stimme des deutschen Autorenkinos. Dann kam sie eher aus Not zur Verfilmung einer „Rosa Luxemburg“-Biografie, an der Fassbinder arbeitete, doch nachdem dieser am 10. Juni 1982 leblos in seiner Münchner Wohnung aufgefunden wurde, war es an von Trotta, die Arbeit zu vollenden, also das Drehbuch zu schreiben und die bereits Jane Fonda zugedachte Hauptrolle an die Fassbinder-Muse Barbara Sukowa („Berlin Alexanderplatz“, „Lola“) neu zu vergeben. Herausgekommen ist eine der fesselndsten Frauen-Biografie der Filmgeschichte.

Inhalt:

Die polnisch-jüdische Doktorin und Sozialdemokratin Rosa Luxemburg (Barbara Sukowa) wartet 1916 im Gefängnis auf ihre Hinrichtung. Zwanzig Jahre zuvor kämpft die junge Frau in der Wilhelminischen Ära für eine demokratische Regierung in Deutschland und für die Revolution in Polen. Zusammen mit Gleichgesinnten wie dem polnischen Revolutionär Leo Jogiches (Daniel Olbrychski) und dem Sozialisten Karl Liebknecht (Otto Sander) träumt sie von einem Europa des Friedens, der Freiheit und zugleich der Gleichberechtigung. Sie verfasst gelehrte Schriften – und tummelt sich mit ihrem jungen Geliebten (Hannes Jaenicke), dem 15 Jahre jüngeren Sohn Clara Zetkins (Doris Schade). Ihre feurigen aufrührerischen Reden stoßen jedoch nicht nur bei den Staatsorganen auf sehr viel Widerstand, denn auch in den eigenen Reihen sind noch längst nicht alle so radikal, wie es Rosa gerne hätte, die ihnen vorwirft, viel zu bequem zu sein und durch die Mitarbeit in der deutschen Politik ihre Verpflichtung gegenüber dem Volk vergessen zu haben. Als es zum endgültigen Zerwürfnis zwischen ihr und den Sozialdemokraten kommt, wird die zur Mitbegründerin des Spartakusbundes, der im Laufe der Zeit zu einem Dorn im Auge der Nationalisten wird, die die „blutige Rosa“ um jeden Preis mundtot machen wollen…

Kritik:

Margarethe von Trotta ist mit ihrer „Rosa Luxemburg“-Biografie ein großer Wurf gelungen. Rückblickend von ihrer bevorstehenden Hinrichtung zeichnet die Autorenfilmerin das intime Portrait einer Frau, die von der Liebe zu den Menschen getrieben wirkt und deshalb kompromisslos für eine bessere Welt kämpft. Dabei muss sie stets abwägen, ob die Menschen für das damals noch sehr radikale Gedankengut schon bereit ist, ob die Kämpfe und das auf den Straßen vergossene Blut den Zweck schon heiligt oder ob die Opfer noch sinnlos erbracht werden. Das Drama bleibt stets dicht an ihrer Protagonistin und hängt dabei ganz von der Darstellung durch Barbara Sukowa ab, die hier eine ihrer eindringlichsten Leistungen präsentiert. Dabei war sie nicht mal von Trottas erste Wahl… Wie Sukowa ihre leidenschaftlichen Brandreden hält, die ihr zum Verhängnis werden sollen, wie sie streitet und wütet, aber auch leidenschaftlich liebt, das macht „Rosa Luxemburg“ zu einem nahbaren Portrait, das durch die vorzügliche Ausstattung, die stimmungsvolle Musik und die grandiose Kameraarbeit zu einem der stärksten Filme des deutschen Autorenkinos in den 1980er Jahren avanciert.

 

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