Tiger & Dragon
Bereits mit seinen ersten Filmen „Pushing Hands“
(1991), „Das Hochzeitsbankett“ (1993) und „Eat Drink Man Woman“
(1994) machte der taiwanesische Filmemacher Ang Lee international auf sich
aufmerksam, so dass er seine nächsten Filme „Sinn und Sinnlichkeit“ (1995),
„Der Eissturm“ (1997) und „Ride With The Devil“ (1999) bereits mit
Hollywood-Starbesetzung realisieren konnte. Für sein romantisches
Martial-Arts-Drama „Tiger & Dragon“ (2000) kehrte Lee allerdings
wieder zu seinen Wurzeln zurück und lieferte mit seinem stilvollen Meisterwerk
die Blaupause für das Wiedererwachen des Interesses an Martial-Arts-Kino-Produktionen.
Inhalt:
Der ehrenwerte Schwertkämpfer Li Mu Bai (Chow Yun-Fat),
dessen Meister von der gesetzlosen Kämpferin Jade Fuchs (Cheng Pei-pei)
vergiftet worden ist, ist des Kämpfens müde und übergibt in Beijing sein 400
Jahre altes „Grünes Schwert der Unterwelt” seiner vertrauten Kampfgefährtin Yu
Shu Lien (Michelle Yeoh), die es wiederum dem Gouverneur Yu (Li Fa
Zeng) schenken soll. Als der Hohe Rat Sir Te (Lung Sihung) deshalb
von Yu Shu Lien kontaktiert wird, will er das sagenumwobene Schwert nur zur
sicheren Aufbewahrung entgegennehmen. Doch statt endlich wie erhofft in Frieden
mit Yu Shu Lien leben zu können, mit der ihn eine jahrelange, aber gegenseitig
unausgesprochene tiefe Liebe verbindet, stiehlt ein unbekannter, maskierter Kämpfer
das berühmte Schwert. Wie Yu Shu Lien herausfindet, handelt es sich um die
Tochter des Gouverneurs, die junge Jen Yu (Ziyi Zhang), die keine große
Lust verspürt, den von ihren Eltern ausgesuchten Mann aus gutem Hause zu
ehelichen, doch verrät sie die junge Frau nicht.
Als der Polizeiinspektor Tsai (Wang De Ming) Li Mu
Bai erzählt, er vermute die gesetzlose Kämpferin im Hause des Gouverneurs,
können sich Li Mu Bai und Yu Shu Lien nicht mehr neutral verhalten. Jade Fuchs
wurde von der Frau des Gouverneurs (Hai Yan) angestellt, um die Tochter
Jen Yu auszubilden und zu erziehen. Jade Fuchs will verhindern, dass Jen Yu
heiratet, und vor allem will sie, dass Jen Yu zu einer ebensolchen gesetzlosen
Kämpferin wird wie sie selbst.
Derweil sucht Yu Jiao Longs ehemaliger Geliebter Luo Xiao Hu
(Chang Chen), „Schwarze Wolke“, den sie nach einem Überfall seiner Bande
auf ihre Karawane in der Wüste kennengelernt hatte, in Beijing auf, wohl
wissend, dass eine Belohnung auf seinen Kopf ausgesetzt ist. Dort überwacht er
ihre Schritte und versucht vergeblich, sie zu überreden, mit ihm in die Provinz
Xinjiang zurückzukehren.
Doch Yu Jiao Long flieht noch an ihrem Hochzeitstag mit dem
Grünen Schwert, das sie erneut gestohlen hatte, um ein Leben als freie
Kämpferin zu führen…
Kritik:
Nach dem vierten Teil des fünfteiligen Romans „Kranich
und Eisen“ von Wang Dulu hat Ang Lee gleich zwei bewegende,
vielschichtige Liebesgeschichten im Gewand eines modernen Martial-Arts-Spektakels
inszeniert, das gleich für zehn Oscars nominiert worden ist und vier Trophäen (für
den besten fremdsprachigen Film, die beste Filmmusik, die beste Kamera und die beste
Ausstattung) einheimsen konnte. Auch wenn die Geschichte im ausgehenden 18.
Jahrhundert zur Zeit der Qing-Dynastie angesiedelt ist, sind die philosophisch
angehauchten Themen von Treue und Verrat, Selbstverwirklichung und Standesbewusstsein,
Liebe und Hass, Leidenschaft und Zurückhaltung doch zeitlos. Die Übersetzung
des Filmtitels „Crouching Tiger, Hidden Dragon“ – Kauernder Tiger,
Verborgener Drache - bezieht sich dabei auf ein chinesisches Sprichwort, das
auf den Umstand anspielt, dass unter den „schlummernden“ Leuten (Tiger) „potentielle“
Talente (Drachen) versteckt sind. Wir begegnen hier einem jungen, wilden und
eigensinnigen Liebespaar, das sich jenseits von Standesregeln zu verwirklichen
sucht, und den besonnenen und selbstlos handelnden Vorbildern Li Mu Bai und Yu
Xiu Lian, die sich ihre Liebe füreinander nie eingestanden haben. Die Konfrontation
von Tradition und Moderne haben Ang Lee und sein Kameramann Peter Pau
(„Wu Ji – Die Reiter der Winde“, „The Touch“) in berauschende Bilder
voller fließender Bewegungen und atemberaubender Kampfsequenzen gegossen, dass
es ein sinnliches Vergnügen ist. Dazu überzeugen die Leistungen der auch
hierzulande prominenten Darsteller Chow Yun-Fat („Hard Boiled“, „The
Replacement Killers“), Michelle Yeoh („Everything Everywhere All
at Once“, „Die Geisha“) und der jungen Ziyi Zhang („The
Grandmaster“, „House of Flying Daggers“). 2016 erschien mit „Crouching
Tiger, Hidden Dragon: Sword of Destiny“ eine nicht ganz so packende Fortsetzung.





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