Der Arzt und die Teufel

Bevor John Gilling für die legendäre britische Horror-Schmiede Hammer Studios kleine, teilweise trashig anmutende Perlen wie „Die Piraten am Todesfluss“, „Die scharlachrote Klinge“, „Nächte des Grauens“ und „Das schwarze Reptil“ realisierte, inszenierte er 1960 den Horror-Thriller „Der Arzt und die Teufel“ nach der wahren Geschichte von William Burke und William Hare, die im Jahr 1828 in Edinburgh 16 Menschen töteten und die Leichen für anatomische Forschungen verkauften. In dem düsteren, ungewohnt brutalen und freizügigen Schwarzweiß-Film überzeugen die Horror-Ikonen Peter Cushing und Donald Pleasence in den Hauptrollen.

Inhalt:

Edinburgh im Jahr 1828. Der hochqualifizierte Anatom Dr. Robert Knox (Peter Cushing) begeistert seine Medizinstudenten mit lebendigen Vorlesungen und dem Anspruch, die Wissenschaft voranzubringen – auch gegen die in seinen Augen sehr restriktiven Gesetze, die den Ärzten nur sehr beschränkt zugängliches Forschungsmaterial zur Verfügung stellt. So beauftragt er seinen Assistenten Geoffrey Mitchell (Dermot Walsh) und den jungen Studenten Chris Jackson (John Cairney) damit, bei Grabräubern weiteres Anschauungsmaterial zu erwerben.
Unterdessen stellen die beiden trunksüchtigen Taugenichtse William Burke (George Rose) und William Hare (Donald Pleasence) fest, dass ein Untermieter in Burkes Pension verstorben ist und noch vier Pfund Miete schuldet. Als sie erkennen, dass sich mit der Leiche ein stattlicher Gewinn erzielen lässt, beginnen sie eine mörderische Laufbahn: Sie töten Einheimische und verkaufen deren Körper an die medizinische Fakultät. Als Jackson eine örtliche Kneipe aufsucht, um Burke und Hare zu bezahlen, lernt er die temperamentvolle Prostituierte Mary Patterson (Billie Whitelaw) kennen, die auch den Mördern bestens bekannt ist, und lässt sich auf eine Beziehung mit ihr ein.
Mit der Zeit schöpfen Jackson und Mitchell Verdacht, dass die von Burke und Hare gelieferten Leichen Opfer eines Verbrechens geworden sind. Trotz seiner Bedenken untersagt Dr. Knox jeglichen Versuch, die Polizei einzuschalten. Als Jacksons neue Freundin Mary zu ihrem nächsten Opfer wird, entdeckt er ihre Leiche im Hörsaal; er selbst wird getötet, als er das mörderische Duo zur Rede stellt. Als sie jedoch einen bekannten geistig behinderten Jugendlichen ermorden, geraten sie rasch unter Mordverdacht und werden von einem wütenden Mob gestellt…

Kritik:

„The Flesh and the Fiends“ – so der Originaltitel – ist weit mehr als nur eine filmische Verarbeitung eines historischen Kriminalfalls. John Gilling nimmt sich in seiner Low-Budget-Produktion viel Zeit, den Aufbruch der Moderne im Kampf gegen überkommene Vorschriften zu thematisieren. In der Figur des Dr. Knox, die dem legendären Dr. Frankenstein nicht unähnlich ist, verfügt der Film über einen selbstgefälligen Wissenschaftler, der sich skrupellos über die geltenden Gesetze hinwegsetzt, um die Forschung rund um den Körper voranzubringen. Tatsächlich geht es ihm nicht um den eigenen Ruhm, sondern er ermuntert seine Studenten zum Beschreiten neuer Wege, um die Gesetze des Lebens und des Todes zu erforschen, damit die Menschen länger gesund leben können. Allerdings lässt er dabei jegliche moralischen Grundsätze missen. Bei aller Brutalität geht es hier doch eher um die Auslotung der Gegensätze von Recht und Gesetzlosigkeit, Vernunft und Gefühl, Wissenschaft und Hybris, aber auch um Wohlstand und Armut, Lust und Habgier. Dr. Knox auf der einen und Burke und Hare auf der anderen Seite repräsentieren unterschiedliche Aspekte des menschlichen Geistes. Während es dem Arzt um neue Erkenntnisse rund um die Funktionen im menschlichen Körper geht, haben Hare und Burke nur leicht verdientes Geld im Sinn, wobei ihnen das Töten auch sichtlich Freude bereitet. Auch wenn „Der Arzt und die Teufel“ dabei stellenweise hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt und sich allzu sehr dem Rausch des lustvollen Mordens widmet, ist er ein atmosphärisch dichter, stark gespielter und wunderbar grotesker Horror-Thriller geworden, der in der deutschen Fassung stark gekürzt worden ist.

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