Zwar präsentierte der britische Filmemacher Martin
McDonagh („7
Psychos”, “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”) im Jahr 2008 mit „Brügge
sehen... und sterben?“ sein Langfilmdebüt, doch als Oscargewinner in der
Rubrik Best Live Action Short Film für „Six Shooter“ bewies er bereits
zwei Jahre zuvor sein Talent fürs Geschichtenerzählen. Vor der malerischen
Kulisse der Flandern-Metropole Brügge erzählt das kurzweilige Drama auf humorvolle
Weise von dem Schicksal zweier Auftragskiller auf Urlaub.
Inhalt:
Nachdem der letzte Job von Ray (Colin Farrell) in
London außer Kontrolle geraten ist und neben dem Zielobjekt, einem Priester (Ciarán
Hinds), auch ein unschuldiges Kind getötet wurde, schickt Harry (Ralph
Fiennes) den Auftragskiller Ken (Brendan Gleeson) mit dessen
Schützling Ray nach Brügge, wo sie untertauchen sollen, bis etwas Gras über die
Sache gewachsen ist und sich Harry gemeldet hat. Während Ray seit dem Verlassen
des Bahnhofs lautstark seinen Unmut über die Aktion und die beschissene Stadt
kundtut, versucht sich Ken als vorbildlicher Tourist und begibt sich auf den
Rundweg, um all die Sehenswürdigkeiten der Stadt kennen zu lernen, auf dem
Kanal ebenso wie bei Museumsbesuchen und Turmbesteigungen, um die tolle Aussicht
zu genießen. Ray ist irgendwann so genervt, dass er auf eigene Faust die Stadt
erkundet und sich nicht davor scheut, sowohl fette amerikanische Touristen zu beschimpfen,
Drogenpartys mit dem zwergwüchsigen Jimmy (Jordan Prentice), dem
Hauptdarsteller eines in Brügge gedrehten surrealen Films, zu feiern und am Set
die hübsche Chloe (Clémence Poésy) anzusprechen, die sich auf ein Date
mit ihm einlässt. Doch auch beim Restaurantbesuch kann Ray es nicht lassen,
einen am Nachbartisch nörgelnden Kanadier (Zeljko Ivanek)
niederzuschlagen, um wenig später im Apartment von Chloe Bekanntschaft mit
ihrem eifersüchtigen Ex-Freund Eirik (Jérémie Regnier) zu machen. Die
Lage spitzt sich allerdings erst richtig zu, als Ken von Harry den
überraschenden Auftrag bekommt, den suizidgefährdeten Ray zu beseitigen. Ken
gerät zunehmend in einen Gewissenskonflikt, der ihn zu einer folgenschweren
Entscheidung führt…
Kritik:
Offensichtlich inspiriert von ähnlich skurrilen Filmen wie „Grosse
Point Black“ (1997) und „Das Leben nach dem Tod in Denver“ (1995),
in denen John Cusack bzw. Andy Garcia Auftragskiller auf Abwegen verkörperten,
erzählt McDonagh Langfilmdebüt „In Bruges“ (so der schlichte
Originaltitel) von gleich zwei britischen Killern, die in ihrem Naturell nicht
unterschiedlicher sein könnten. Während der alternde Ken die von ihrem Boss aufgezwungene
Auszeit im malerischen Brügge in vollen Zügen zu genießen versteht, hadert der
cholerische, einfach gestrickte Ray mit seinem Schicksal. Dazu gehört auch die
Verarbeitung seines Versagens beim letzten Job. McDonagh konzentriert
sich zwar überwiegend auf die spritzigen Dialoge zwischen Ken und Ray und die
irrwitzigen Situationen, in die sie vor allem Ray durch sein hitziges
Temperament immer wieder bringt, aber geschickt bindet der Autorenfilmer auch
die Kulisse der Stadt großartig mit ein, wobei gerade die apokalyptisch
düsteren Bilder von Hieronymus Bosch auf das böse Ende hindeuten, die
die Geschichte nimmt, sobald Harry auftaucht und die Dinge selbst in die Hand
nehmen will. Dass Ralph Fiennes erst so spät als skrupelloser Gangsterboss
auftaucht, mag man bedauern, doch „Brügge sehen... und sterben?“ weist
so viele starke rabenschwarze Momente auf, dass sich dieser Umstand
verschmerzen lässt.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen