Auge um Auge (1996)
Seit den frühen 1960er Jahren hat sich der Brite John
Schlesinger mit Werken wie „Nur ein Hauch Glückseligkeit“, „Geliebte
Spinner“, „Darling“ und „Asphalt-Cowboy“ als versierter, von der
Kritik gefeierter Filmemacher erwiesen. Seit den 1980er Jahren rutschte er
jedoch, beginnend mit dem Okkult-Schocker „Das Ritual“, zunehmend ins
Mittelmaß ab. Das zeigt auch sein harter, aber unreflektierter Rache-Thriller „Auge
um Auge“ aus dem Jahr 1996.
Inhalt:
Das beruflich erfolgreiche Ehepaar Karen (Sally Field)
und Mack McCann (Ed Harris) führt mit ihren beiden Töchtern Megan
(Alexandra Kyle) und der 17-jährigen Julie (Olivia Burnette) ein
beschauliches, glückliches Leben in Santa Monica. Eines Tages muss Karen am
Telefon mitanhören, wie Julie, die aus Karens früherer Ehe stammt, während der
Vorbereitungen zu Megans Geburtstag brutal vergewaltigt und ermordet wird.
Detective Joe Denillo (Joe Mantegna) leitet die Ermittlungen in dem Fall
und findet am Tatort ausreichend DNA-Spuren, um den Täter überführen zu können.
Er vermittelt die niedergeschlagenen McCanns an eine Selbsthilfegruppe für
Eltern, deren Kinder ebenfalls ermordet wurden. Sie erfahren nun, dass etliche
Täter mit nur geringen Strafen davonkommen und manche Taten gänzlich ungesühnt
bleiben.
Obwohl es an der Schuld des vorbestraften
Supermarktlieferanten Robert Doob (Kiefer Sutherland) keinen Zweifel
gibt, kann dessen Anwältin Susan Juke (Natalia Nogulich) eine
Einstellung des Verfahrens erwirken, weil die Verteidigung es versäumt hat, den
zuvor schriftlich zugesicherten Teil der entscheidenden Spermaprobe des
Angeklagten an die Verteidigung zu übergeben. Das Ehepaar ist fassungslos, als
der Mörder ihrer Tochter auf freien Fuß gesetzt wird. Karen macht die Adresse
von Doob ausfindig. Abends besucht sie weiterhin die Selbsthilfegruppe. Sie
erfährt eher zufällig, dass eine kleine Gruppe sich abgespalten hat und –
enttäuscht von den Strafverfolgungsbehörden – die Täter selbst zur Rechenschaft
ziehen will. Auch in Karen reift daher der Entschluss, den Täter zu töten…
Kritik:
Nach dem Roman „Eye for an Eye – Auge um Auge“ von Erika
Holzer hat Hollywood-Routinier John Schlesinger („Yanks – Gestern
waren wir noch Fremde“, „…und der Himmel steht still“) einen sehr
geradlinigen, verstörend brutalen, letztlich aber sehr vorhersehbaren
Selbstjustiz-Thriller inszeniert, der sich leider nicht tiefergehend mit der
Frage nach Schuld und Vergeltung auseinandersetzt. Stattdessen baut der
Thriller ganz auf einen zutiefst hassenswerten Bösewicht, der von Kiefer
Sutherland („Flatliners“, „The Lost Boys“) ebenso schmierig wie
skrupellos verkörpert wird. So einem Scheusal kann man nur den Tod wünschen,
und Schlesinger verschont sein Publikum auch nicht vor den brutalen
Vergewaltigungsszenen. Allein die Morde bleiben nur angedeutet. Der Plot
fokussiert sich anschließend darauf, die Unfähigkeit der Strafverfolgungsbehörden
auf der einen Seite und Karens unbedingten Willen zur Gerechtigkeit zu
schildern, krankt aber nicht nur an der unreflektierten Verteidigung der
Selbstjustiz, sondern auch an der Vorhersehbarkeit des Ausgangs der Geschichte.
Allein die vorzügliche Kameraarbeit von Amir Mokri („8 Blickwinkel“, „Man
of Steel“), der gefällige Suspense-Score von James Newton Howard („The
Sixth Sense“, „Waterworld“) und die guten Darsteller verleihen „Auge um
Auge“ einige sehenswerte Qualitäten.




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