Hudsucker – Der große Sprung

Mit ihren ersten Werken „Blood Simple“ (1984), „Arizona Junior“ (1987), „Miller’s Crossing“ (1990) und „Barton Fink“ (1991) haben Joel und Ethan Coen ihr eigenes Filmuniversum umrissen und eine besonders groteske Variante des Humors etabliert, der bis heute ihr Schaffen prägt. Das macht sich auch in ihrer 1994 entstandenen Satire „Hudsucker – Der große Sprung“ bemerkbar.

Inhalt:

Gerade in der Großstadt angekommen, sucht der junge College-Absolvent Norville Barnes (Tim Robbins) aus dem kleinen Muncie, Indiana, zunächst noch frohen Mutes nach einem passenden Job, muss aber schnell feststellen, dass für jeden annehmbaren Job meist langjährige Berufserfahrung erwünscht wird. Sein Ticket nach ganz oben hat er in Form einer Idee für ein neuartiges Produkt für Kinder immer bei sich, die er mit einem Kreis auf einem Blatt Papier festgehalten hat. Der Zufall führt ihn zur Firma „Hudsucker Industries“, wo er zunächst Arbeit in der Poststelle findet. Während in der Vorstandssitzung von neuen Rekordumsätzen und -gewinnen geschwärmt wird, stürzt sich Firmenchef und Hauptaktionär Waring Hudsucker (Charles Durning) scheinbar grundlos und unvermittelt durch das geschlossene Fenster aus dem 44. Stock des Firmengebäudes. Da all seine Aktien zum Verkauf freigegeben werden sollen, plant Stellvertreter Sidney Mussburger (Paul Newman) einen Idioten an die Stelle von Hudsucker zu setzen. Dieser soll den Börsenkurs der Firma drücken, damit Mussburger sich den Hauptaktienanteil billig unter den Nagel reißen kann. Norville Barnes, der ihm eigentlich einen wichtigen „Blauen Brief“ übergeben soll, bietet sich mit seiner tollpatschigen Art als Marionette nahezu perfekt an. Der junge Mann ahnt nichts Böses, sondern wittert vielmehr die Chance als neuer Chef der Firma mit seiner genialen Idee großen Reibach zu machen. Nachdem sich diese Idee überraschenderweise zu einem Verkaufsschlager entwickelt und die Kurse von Hudsucker Industries durch die Decke gehen, setzt Mussburger alles daran, Barnes zu diskreditieren. Dabei bekommt er unerwartet Hilfe von der ehrgeizigen Reporterin Amy Archer (Jennifer Jason Leigh), die Barnes bezichtigt, seine Erfolgsidee von dem zuvor entlassenen Fahrstuhl-Pagen gestohlen zu haben…

Kritik:

Schon in der ersten Szene, als Norville Barnes vor der ratternden Tafel der Arbeitsvermittlung steht, fällt die stilisierte Darstellung von New York auf, die nicht von ungefähr eine Mischung aus Fritz Langs „Metropolis“, Tim Burtons „Batman“ und Sam Raimis „Spider-Man“ wirkt – Raimi hat mit den Coen-Brüdern nämlich auch das Drehbuch zu „The Hudsucker Proxy“ geschrieben. Der Ende der 1950er Jahre angesiedelte Film schildert den Aufstieg und Fall eines naiven Landeis, der in der erbarmungslosen Metropole und vor allem in dem Unternehmen, das ihn mit niederträchtigen Absichten zum Präsidenten kürt, gnadenlos unter die Räder kommt. Das wird nicht zuletzt durch die monströse Uhr und deren verborgenes Uhrwerk symbolisiert, in dem der mysteriöse Erzähler mit dem biblischen Namen Moses (Bill Cobbs) die Geschicke nicht nur unseres Protagonisten zu lenken scheint. Die Coen-Brüder machen sich einen Spaß daraus, die brutale Geschäftswelt anhand eines Provinzlers zu demonstrieren, der durch gierige Geschäftsmänner als Marionette vorgeführt wird. Allerdings legen die Filmemacher dabei mehr Wert auf den Strudel der turbulenten Ereignisse als auf die Figuren an sich. Die wirken wie kafkaeske Karikaturen, die nur eine Rolle ausfüllen, aber kaum miterlebbare Gefühle vermitteln. So sind es vor allem Roger Deakins‘ stark stilisierten Bilder und die großartigen Darsteller, die „Hudsucker – Der große Sprung“ zu einem modernen Märchen über die Fragilität des amerikanischen Traums machen.

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