Paper Moon
Peter
Bogdanovich begann
seine Karriere zunächst als Filmkritiker, ehe er als Regieassistent bei Roger
Corman selbst hinter der Kamera Stellung bezog und mit der
Low-Budget-Produktion „Bewegliche Ziele“ (1968) mit Boris Karloff
in der Hauptrolle gleich einen Überraschungserfolg landen konnte. Mit seinen
nächsten Filmen „Die letzte Vorstellung“ und „Is‘ was, Doc?“
avancierte Bogdanovich zu einem der prominenten Vertreter der
New-Hollywood-Bewegung. 1973 verfilmte er mit „Paper Moon“ den Roman „Addie
Pray“ von Joe David Brown – in den Hauptrollen Ryan O’Neal und
seiner neunjährigen Tochter Tatum O‘Neal, die für ihre
Darstellung zurecht mit einem Oscar ausgezeichnet wurde.
Inhalt:
Moses Pray (Ryan
O‘Neal) ist ein Kleinkrimineller, der durch Zeitungsanzeigen auf
verstorbene Ehemänner aufmerksam wird, deren Frauen er aufsucht. Er berichtet
ihnen, ihre Männer hätten kurz vor dem Tod eine Premium-Edition der Bibel mit
eingraviertem Namen der Gattin bestellt und bereits einen Dollar angezahlt. Die
meisten Witwen zeigen sich gerührt und kaufen die Bibel für einen überteuerten Preis.
Eines Tages gerät Moses bei der Beerdigung einer alten Bekannten an Addie (Tatum
O‘Neal), der Tochter der Verstorbenen, bei der nicht ganz klar ist, ob er
selbst der Vater sein könnte. Er wird darum gebeten Addie bei ihrer Reise
zur verbliebenen Verwandtschaft in St. Joseph, Missouri, zu begleiten, wohin er
ohnehin selbst unterwegs ist. Moses willigt vor allem deshalb ein, weil er den
Mann, dessen Sohn für den Tod der Mutter verantwortlich ist, um 200 Dollar zu
erpressen. Damit lässt er seinen Wagen reparieren, poliert sein Outfit auf und
spendiert Addie erst einmal ein Essen, bevor er sie in einen Zug nach St.
Joseph stecken will. Allerdings überrascht ihn das clevere Mädchen mit der lautstarken
Forderung nach den 200 Dollar, die ihr gehörten, wie sie der erpresserischen Unterhaltung
entnommen hat, wenn er sie nicht mitnähme. Sie würde deshalb sogar zur Polizei
gehen. Da Moses das Geld bereits in sein Auto investiert hat, begleitet Addie
den Kleinganoven bei seinem Bibel-Verkauf, greift jedoch zunehmend in das
Geschäft ein. Bei besonders armen Familien interveniert sie und fordert einen
geringeren Betrag, bei wohlhabenden Witwen ermutigt sie Moses dazu, mehr zu
verlangen. Er begeht auch noch andere Betrügereien, um an Geld zu kommen.
Schnell beteiligt sich auch die aufmerksame Addie an seinen Geschäften, so dass
beide als wunderbar aufeinander eingespieltes Team auftreten, auch wenn Addie
für ihr Alter ungewöhnlich viel raucht und Moses vor allem sein eigenes
Wohnbefinden im Sinn hat.
Schon bald
lernt Moses auf einem Jahrmarkt die Tänzerin Trixie Delight (Madeline Kahn)
kennen, die für fünf Dollar in zwielichtigen Tanzshows auftritt. Er bietet ihr
und ihrer 15-jährigen Dienerin Imogene (P.J. Johnson) eine
Mitfahrgelegenheit in die nächste Ortschaft an, weil er sich in Trixie verliebt
hat. Obwohl Addie sich mit Imogene anfreundet, ist sie eifersüchtig, nicht mehr
Moses’ einzige Gefährtin zu sein, und schmiedet mit Imogene einen Plan: Sie
arrangieren geschickt ein Rendezvous der Tänzerin mit dem Rezeptionisten ihres
Hotels und lassen Moses, scheinbar zufällig, Zeuge der Szenerie werden, was
diesen dazu veranlasst, sofort mit Addie abzureisen und Trixie zurückzulassen.
Addie schenkt Imogene 30 Dollar, damit sie zu ihren Eltern zurückkehren kann.
Als Moses und Addie in einem Hotel einchecken, lernen sie den Alkoholschmuggler
Jess Hardin (John Hillerman) kennen, bei dem sie ein besonders
lukratives Geschäft wittern…
Kritik:
Ähnlich wie
seinen Erfolgsfilm „Die letzte Vorstellung“ hat Peter Bogdanovich
auch „Paper Moon“ in Schwarzweiß gedreht, was dem Umstand Rechnung
tragen sollte, dass der Film während der Großen Depression im Jahr 1935 spielte
und damals die ersten Farbfilme gerade auf die Leinwand kamen und so die zu
dieser Zeit wichtigen Themen wie Armut, Prohibition und Franklin D.
Roosevelts These vom „New Deal“ symbolisch besser abgebildet werden konnten.
Wir erleben die Geschichte allein aus Addies Perspektive, von der ersten
Einstellung am Grab ihrer Mutter über die meist betrügerischen Abenteuer auf
der Straße mit ihrem möglichen Vater bis zum rührigen Finale. Auch wenn die
Geschichte etwas langatmig gerät, entfaltet sie durch die stimmungsvolle
Schwarzweiß-Fotografie von László Kovács („Easy Rider“, „Frances“)
und das wunderbare Zusammenspiel von Vater und Tochter O’Neal seinen ganzen
Reiz. „Paper Moon“ wahrt ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen
amüsanten und ernsthaften Tönen, bildet die raue Lebenswirklichkeit der
einfachen Leute ab, die alles tun, um irgendwie zu überleben, bringt durch die für
ihr Alter schon sehr ausgebuffte Addie aber auch sehr empathische und
humorvolle Momente zum Ausdruck.
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